|

Welche Goldpreis-Marke würde den Abwärtstrend wirklich stoppen?

Der Goldpreis steht wieder unter Druck. Am Freitagmorgen notiert der Dezember-Future (GCZ6) bei 3.998,45 US-Dollar und damit direkt in einer Zone, die für den weiteren Verlauf entscheidend werden könnte. Zwischen 3.989 und 4.046 US-Dollar trifft Gold auf eine wichtige Nachfragezone. Darüber wartet zwischen 4.090 und 4.125 US-Dollar der nächste größere Widerstand.

Genau hier entscheidet sich jetzt, ob der Goldpreis zumindest zu einer Erholung ansetzt oder ob die laufende Korrektur in die nächste Runde geht.

Der Trend spricht bislang eine klare Sprache. Kurzfristig, mittelfristig und langfristig bleibt das technische Bild bearish. Besonders die Marke von 3.989 US-Dollar rückt deshalb in den Mittelpunkt. Fällt Gold auf Tagesschlussbasis darunter, würde das den bestehenden Abwärtstrend bestätigen. Für eine echte Trendwende müsste der Goldpreis dagegen erst wieder über 4.125 US-Dollar steigen.

Goldpreis bleibt im Abwärtstrend

Seit dem Hoch vom 2. Oktober bildet sich im Chart ein fallender Trendkanal. Die obere Begrenzung läuft über das Hoch vom 2. Oktober und das tiefere Hoch vom 12. Oktober. Auf der Unterseite orientiert sich der Kanal an den Tiefpunkten vom 7. und 23. Oktober.

Solange der Goldpreis unter dem Bereich zwischen 4.242 und 4.260 US-Dollar bleibt, ist diese Struktur intakt.

Das bedeutet auch: Eine kurzfristige Gegenbewegung würde am übergeordneten Bild zunächst wenig ändern.

Genau darin liegt aktuell die Gefahr für Anleger, die allein auf die deutlich zurückgekommenen Kurse schauen. Gold wirkt auf mehreren Indikatoren bereits schwach beziehungsweise überverkauft. Das allein macht aus einer laufenden Korrektur aber noch keine Trendwende.

Ein bestätigter Doppelboden ist bislang ebenfalls nicht zu erkennen.

Für die Bullen reicht es deshalb nicht, wenn der Goldpreis aus der aktuellen Zone kurzfristig einige Dollar nach oben springt. Entscheidend wäre, ob aus einer solchen Erholung anschließend auch der Bruch wichtiger Widerstände entsteht.

Diese Marken sind jetzt beim Goldpreis entscheidend

Die technische Struktur spricht derzeit sehr deutlich für eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung. Für dieses Szenario wird auf Basis des aktuellen Charts eine Wahrscheinlichkeit von 97 % angesetzt.

Ein wichtiger Grund dafür sind die gleitenden Durchschnitte.

Der Goldpreis notiert unter dem 20-Tage-EMA bei 4.119,14 US-Dollar. Noch weiter entfernt liegen der 50-Tage-Durchschnitt bei 4.288,19 US-Dollar und der 200-Tage-Durchschnitt bei 4.514,34 US-Dollar.

Gold handelt damit unter allen drei wichtigen Durchschnittslinien.

Für sich genommen wäre das noch kein ausreichendes Verkaufssignal. Zusammen mit der aktuellen Marktstruktur entsteht jedoch ein ziemlich klares Bild: Der kurzfristige Druck passt zum mittelfristigen und langfristigen Trend.

Auch die Momentumindikatoren bestätigen diese Schwäche.

Der RSI liegt bei 34,92 Punkten. Der Williams %R steht bei -86,97. Gleichzeitig bleibt der MACD negativ.

Damit ist die Lage durchaus interessant. Denn einerseits zeigen diese Werte, dass die Verkäufer weiterhin die Kontrolle haben. Andererseits ist Gold inzwischen so weit gefallen, dass eine technische Gegenbewegung jederzeit möglich ist.

Genau das macht die aktuelle Zone so spannend.

Gold ist schwach - aber schon weit gefallen

Der ADX liegt bei 29,82 Punkten. Gleichzeitig steht der negative Richtungsindikator -DI bei 25,67, während +DI lediglich 12,54 erreicht.

Das bestätigt den laufenden Abwärtstrend.

Die Verkäufer bestimmen also weiterhin die Richtung.

Trotzdem sollte man die Gefahr einer Gegenbewegung nicht unterschätzen. Der StochRSI hat zuletzt bereits nach oben gedreht. Das zeigt, dass kurzfristig wieder etwas Kaufinteresse in den Markt kommen könnte.

Bislang fehlt jedoch die Bestätigung.

Der Goldpreis hat weder die wichtigen Widerstände zurückerobert noch den fallenden Trendkanal verlassen. Deshalb wäre es verfrüht, aus den überverkauften Signalen bereits eine neue Aufwärtsbewegung abzuleiten.

Das ist ein Punkt, der bei technischen Analysen schnell übersehen wird.

Ein Markt kann überverkauft sein und trotzdem weiter fallen.

Gerade in einem intakten Abwärtstrend sagt ein niedriger RSI zunächst nur, dass der Verkaufsdruck bereits stark war. Er sagt nicht, dass dieser Druck unmittelbar enden muss.

Erst über 4.125 Dollar würde es für Gold interessant

Für eine bullishe Trendwende braucht es deshalb mehr.

Der Goldpreis müsste zunächst auf Tagesschlussbasis über 4.125 US-Dollar steigen. Anschließend wäre entscheidend, ob Gold auch den fallenden Trendkanal verlassen und sich darüber behaupten kann.

Erst dann würde sich das technische Bild ernsthaft aufhellen.

Für dieses Szenario wird aktuell lediglich eine Wahrscheinlichkeit von 3 % angesetzt.

Das heißt nicht, dass eine Erholung ausgeschlossen ist. Die schwachen Momentumwerte liefern durchaus Treibstoff für einen Rebound.

Aber bislang fehlt das eigentliche Kaufsignal.

Für Anleger ist genau diese Unterscheidung wichtig.

Eine Erholung innerhalb eines Abwärtstrends ist etwas anderes als eine bestätigte Trendwende.

Unter 3.989 Dollar wird es beim Goldpreis kritisch

Auf der Unterseite ist die Lage deutlich klarer.

Ein Tagesschluss unter 3.989 US-Dollar würde die Fortsetzung des Abwärtstrends bestätigen.

Für ein entsprechendes Short-Szenario läge ein regulärer Einstieg bei rund 3.985 US-Dollar. Der Stopp wäre bei 4.046 US-Dollar angesetzt.

Das erste Ziel liegt bei 3.890 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von rund 1,7.

Eine aggressivere Variante würde bereits im Bereich von 4.046 US-Dollar auf weiter fallende Kurse setzen. Der dazugehörige Stopp läge bei 4.097 US-Dollar.

Der Unterschied ist wichtig.

Wer aggressiv handelt, versucht den bestehenden Trend früher auszunutzen. Wer auf Bestätigung wartet, lässt den Markt zunächst selbst zeigen, dass die Unterstützung bei 3.989 US-Dollar tatsächlich gebrochen wurde.

Beides sind unterschiedliche Ansätze. Technisch sauberer wäre derzeit jedoch das bestätigte Signal unterhalb von 3.989 US-Dollar.

Das wäre das bullishe Gegenszenario

Sollte Gold überraschend Stärke zeigen, wäre ein Tagesschluss über 4.125 US-Dollar das erste Signal, dass die Verkäufer an Kontrolle verlieren.

Ein möglicher Einstieg läge dann bei rund 4.130 US-Dollar. Der Stopp würde bei 4.075 US-Dollar liegen.

Das erste Kursziel wäre der Bereich um 4.242 US-Dollar. Das entsprechende Chance-Risiko-Verhältnis läge bei rund 1,8.

Darüber würde mit 4.423 US-Dollar ein zweites Ziel in den Fokus rücken. In diesem Fall läge das Chance-Risiko-Verhältnis bei etwa 4,6.

Aktuell bleibt dieses Szenario aber klar zweitrangig.

Dafür fehlt schlicht die Bestätigung im Chart.

Mein Fazit zum Goldpreis

Beim Goldpreis läuft gerade ein technisch äußerst wichtiger Test.

Die Zone zwischen 3.989 und 4.046 US-Dollar könnte kurzfristig für eine Gegenbewegung sorgen. Genau darauf deuten die bereits schwachen Momentumwerte hin.

Das größere Bild bleibt allerdings bearish.

Gold notiert unter dem 20-Tage-EMA, dem 50-Tage-Durchschnitt und dem 200-Tage-Durchschnitt. Der MACD bleibt negativ, die Richtungsindikatoren sprechen für die Verkäufer und der fallende Trendkanal ist weiterhin intakt.

Auch ein bestätigtes Candlestick-Umkehrsignal fehlt. Die Kerze vom 30. Oktober ist noch nicht abgeschlossen und liefert bislang kein zuverlässiges Signal für eine Trendwende.

Damit richtet sich der Blick jetzt auf zwei Marken.

Unter 3.989 US-Dollar dürfte sich die Korrektur fortsetzen. Das nächste technische Ziel läge dann bei 3.890 US-Dollar.

Über 4.125 US-Dollar würde sich die Lage erstmals spürbar verbessern. Erst dann hätten die Käufer ein echtes Argument auf ihrer Seite.

Bis dahin bleibt beim Goldpreis vor allem eines festzuhalten: Die aktuelle Unterstützung ist wichtig, aber sie ist noch keine Trendwende.

Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich journalistischen Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien und anderen Finanzinstrumenten ist mit Risiken verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

Autor

Robert Zach

Robert Zach

FXStreet

Robert ist ein versierter Finanzexperte mit umfassender Erfahrung im Bank- und Investmentsektor.

Mehr von Robert Zach
Teilen:

Tipps der Redaktion

AUD/USD steigt leicht, da heiße CPI-Inflation und eine hawkische RBA die Wetten auf eine Zinserhöhung anheben

Das Paar AUD/USD gewinnt während der asiatischen Handelsstunden am Freitag an Stärke und steigt auf fast 0,7035. Der Australische Dollar legt gegenüber dem US-Dollar leicht zu, da heißere australische VPI-Inflationsdaten die Erwartungen an Zinserhöhungen der Reserve Bank of Australia gestützt haben.

Japanischer Yen tut sich schwer, an Stärke zu gewinnen, da die BoJ am Status quo festhält

USD/JPY handelt im Tagesverlauf leicht niedriger bei rund 157,50, nachdem die Bank of Japan (BoJ) beschlossen hatte, die geldpolitischen Einstellungen auf der Oktober-Sitzung unverändert zu lassen. Auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung bekräftigte BoJ-Gouverneur Ueda, dass sie den Leitzins weiter anheben und den Grad der geldpolitischen Lockerung in Reaktion auf die Wirtschaftsaktivität und die Preise anpassen werden.

Gold fällt unter 4.000 $, da Wetten auf eine Zinserhöhung der Fed sinkende Anleiherenditen und einen schwachen USD ausgleichen

Gold zieht den zweiten Tag in Folge einige Anschlussverkäufe an und rutscht am Freitag während des asiatischen Handels unter die psychologische Marke von 4.000 USD, da die Erwartungen an eine hawkische US-Notenbank (Fed) zunehmen. Tatsächlich deuteten die am Donnerstag veröffentlichten US-Makrodaten auf ein robustes Wirtschaftswachstum und anhaltenden Preisdruck hin, was die Wetten auf eine baldige Zinserhöhung im Dezember untermauert. Dies wird als Belastung für das zinslose Edelmetall angesehen.

Die hawkische Fed kann den US-Dollar nicht mehr weiter anheben
Etwa drei weitere Zinserhöhungen der Federal Reserve sind bereits eingepreist, und die Zentralbanken hinter dem Euro, dem Pfund, dem Yen und dem Loonie erhöhen die Zinsen bereits oder stehen kurz davor. Das lässt dem US-Dollar-Index wenig Spielraum nach oben, wenn die Fed weiterhin zu höheren Zinsen tendiert.
Die hawkische Fed kann den US-Dollar nicht mehr weiter anheben
Etwa drei weitere Zinserhöhungen der Federal Reserve sind bereits eingepreist, und die Zentralbanken hinter dem Euro, dem Pfund, dem Yen und dem Loonie erhöhen die Zinsen bereits oder stehen kurz davor. Das lässt dem US-Dollar-Index wenig Spielraum nach oben, wenn die Fed weiterhin zu höheren Zinsen tendiert.
Eine heiße US-Wirtschaft sollte Gold belasten. Tat sie nicht. Hier ist der Grund
Gold (XAU/USD) bleibt nahe 4.000 Dollar unter Druck, da stärker als erwartet ausgefallene Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten (US) die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve (Fed) im Dezember untermauern. Das Wirtschaftswachstum beschleunigt sich, die Inflation bleibt erhöht, und die Kreditkosten könnten weiter steigen.