Seit der Ablehnung von Jahreshochs nahe der 1,2100-Marke Ende Januar hat sich der kurzfristige Ausblick für EUR/USD ununterbrochen verschlechtert. Der jüngste Bruch unter den wichtigen 200-Tage-SMA eröffnet auch die Möglichkeit weiterer Retracements im kurzfristigen Horizont.
EUR/USD lässt den schwachen bullischen Versuch vom Mittwoch schnell hinter sich und konzentriert sich wieder auf die Abwärtsbewegung, wobei es näher an den Bereich der Jahrestiefs handelt.
Die Fortsetzung des bärischen Trends erfolgt vor dem Hintergrund der anhaltenden Stärke des US-Dollars (USD), der hauptsächlich durch die Nachfrage nach sicheren Anlagen angesichts der fragilen geopolitischen Lage im Nahen Osten gestützt wird. Schrumpfende Wetten auf weitere geldpolitische Lockerungen der Fed tragen ebenfalls zur positiven Performance des Greenbacks bei.
Der US-Dollar-Index (DXY) navigiert unterdessen im Bereich über der 99,00-Hürde und nahe den jüngsten Mehrwochenhochs.
Fed: stabile Haltung, vorsichtige Flexibilität
Die Federal Reserve (Fed) ließ die Zielspanne für die Fed Funds (FFTR) im Januar unverändert bei 3,50% bis 3,75%, was vollständig mit den Markterwartungen übereinstimmte.
Was sich änderte, war nicht die Entscheidung, sondern der Ton. Das Federal Open Market Committee (FOMC) schien sich mit dem breiteren wirtschaftlichen Umfeld wohler zu fühlen. Das Wachstum hält weiterhin stand, die Beschäftigungsrisiken werden nicht mehr als verschlechternd angesehen, und während die Inflation weiterhin etwas erhöht bleibt, hat sich das Gefühl der Dringlichkeit deutlich verringert.
Die Abstimmung mit 10 zu 2 Stimmen, wobei zwei Mitglieder eine Senkung um 25 Basispunkte befürworteten, zeigt, dass die interne Debatte nach wie vor sehr lebendig ist.
Vorsitzender Jerome Powell beschrieb die Politik als „gut aufgestellt“ und betonte, dass Entscheidungen weiterhin von Sitzung zu Sitzung getroffen werden. Bei den Zöllen erkannte er an, dass sie weiterhin ein Faktor hinter dem jüngsten Inflationsrauschen sind, während er auch die anhaltende Disinflation im Dienstleistungssektor hervorhob. Eine Zinserhöhung ist nicht das Basisszenario, aber auch kein bevorstehender Kurswechsel.
Die Protokolle verstärkten diese ausgewogene Botschaft. Zinssenkungen bleiben möglich, wenn die Inflation weiter nachlässt, obwohl Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen sind, sollte der Preisdruck anhalten. Kurz gesagt, die Fed bleibt fest datenabhängig.
EZB: Geduld und wachsame Augen
Die Europäische Zentralbank (EZB) hielt die Zinssätze ebenfalls einstimmig unverändert.
Präsidentin Christine Lagarde schlug in ihren letzten Äußerungen einen ruhigen, aber vorsichtigen Ton an. Es wird weiterhin erwartet, dass die Inflation im mittelfristigen Zeitraum zum Ziel von 2% zurückkehrt, obwohl die Preise im Dienstleistungssektor genau beobachtet werden und weitere Lockerungen bis 2026 prognostiziert werden.
Lagarde wies auch auf widerstandsfähige Löhne, einen nach wie vor stabilen Arbeitsmarkt und gleichmäßige Investitionsdynamiken im gesamten Block hin. Gleichzeitig betonte sie, dass die EZB den Euro (EUR) überwacht, aber nicht den Wechselkurs anvisiert.
Die Märkte preisen derzeit fast 17 Basispunkte an Straffungen bis zum Jahresende ein, während eine Beibehaltung bei der Sitzung im März nahezu vollständig eingepreist ist. Für den Moment scheint die EZB mit der aktuellen Haltung weitgehend zufrieden zu sein, während sie weiterhin ihren datenabhängigen Ansatz betont.
Positionierung: Long-Bias, schwächere Überzeugung
Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zeigen, dass die spekulativen Netto-Long-Positionen im Euro auf etwa 157.000 Kontrakte in der Woche bis zum 24. Februar gesunken sind, was ein Vier-Wochen-Tief markiert. Institutionelle Akteure haben ebenfalls ihre Exposition verringert.
Die breitere Positionierungsstruktur bleibt long EUR, obwohl die Überzeugung am Rand zu schwächen scheint. Das offene Interesse ist in der zweiten Woche in Folge auf etwa 911,3K Kontrakte gesunken, was auf eine Positionstrimmung und nicht auf aggressive neue Short-Positionen hinweist.
Der Long-Bias ist in der Praxis weiterhin vorhanden, obwohl er nicht so stark ist. Dies scheint eher eine Risikominderung als ein Aufgeben zu sein. Die Gemeinschaftswährung ist weiterhin anfällig für einen stärkeren US-Dollar, wenn die US-Daten über den Erwartungen liegen, obwohl die Positionierung weiterhin hoch ist.
Markttreiber: Washington hat weiterhin das Sagen
Kurzfristig: Der US-Dollar tritt als Haupttreiber für die Preisbewegung des Paares auf, stets untermauert von Handelsunsicherheiten und Nervosität hinsichtlich des geopolitischen Szenarios. Blickt man auf den Wirtschaftskalender für Freitag, so wird erwartet, dass die US Nonfarm Payrolls (NFP) den Ton für das Ende der Woche angeben.
Risiken: Ein stärkerer Greenback sollte das Risiko komplex unter intensiven Druck halten, solange die geopolitische Landschaft kein Signal der Verbesserung gibt. Aus technischer Sicht würde ein nachhaltiger Bruch unter den 200-Tage-Simple Moving Average (SMA) die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine tiefere Korrektur stattfindet.