FOMC Sitzung Zinsentscheidung (FED) | Nachrichten, Analysen, Prognosen


Fed Vorschau: 18.-19. Juni FOMC – Einseitige Lockerung

  • Fed Funds Zielband von 2,25%-2,50% bleibt unverändert
  • Markt erwartet Bestätigung der Lockerungsaussichten in der zweiten Jahreshälfte
  • FOMC Statement Formulierung, insbesondere "Geduld" und die wirtschaftlichen Projektionen sind wichtig

Die Federal Reserve wird ihre zweitägige politische Sitzung des Federal Reserve Open Market Committee (FOMC) am Mittwoch, den 19. Mai, abschließen. Die Zentralbank wird um 20 Uhr ihre Leitzinsentscheidung, die Grundsatzerklärung und Projektionen veröffentlichen, gefolgt von der Erklärung und der Pressekonferenz des Vorsitzenden Jerome Powell um 20:30 Uhr.

Fed Politik

Die Fed hat eine politische Haltung entwickelt, die man als einseitig Lockerung bezeichnen könnte. Beginnend mit der inzwischen berühmten Verwendung von "Geduld" zur Beschreibung von "zukünftigen Anpassungen... des Leitzinses", zu der es erstmalig mit der FOMC Sitzung am 30. Januar gekommen war. Es war die erste Sitzung nach der Erhöhung der Zinsen um 0,25% im Dezember und diese Formulierung hielt sich offiziell und wiederholte sich mit den Erklärungen der FOMC im März und Mai.

Der Stimmungsumschwung der Fed beruht auf dem makroökonomischen Umfeld. Der US-China Handelskrieg, der im Moment noch ein Kalter Krieg ist, die Brexit-Bedrohung in Großbritannien und Europa und die allgemeine Verlangsamung des Wachstums sowie die "globale Wirtschafts- und Finanzentwicklung" waren die Punkte, über welche sich das FOMC im Mai Sorgen machte.

Herr Powell und andere Fed Beamte haben sich speziell über diese Bedrohungen geäußert, die von außerhalb des Kontinents auf die US-Wirtschaft einwirken.

Der Vorsitzende der Federal Reserve, Powell, schien bereits im Januar die Tür für eine Zinssenkung zu öffnen, als er sagte: "Aber was ich weiß ist, dass wir bereit sein werden, die Politik schnell und flexibel anzupassen und alle unsere Instrumente zur Unterstützung der Wirtschaft einzusetzen, sollte dies angemessen sein, um die Expansion auf Kurs zu halten".

Das amerikanische Wirtschaftswachstum scheint keine Unterstützung zu brauchen, aber die Aufrechterhaltung dieser Dynamik steht im Mittelpunkt der Fed.

Was nicht auf dem Radar der Gouverneure steht, ist die Verwendung der Leitzinsen zur Inflationssteigerung.

Als Antwort auf eine Frage nach einer niedrigen Inflation, zu der es nach der FOMC Sitzung vom 1. Mai kam, sagte der Vorsitzende Powell: "Wir sehen keine starke Argumentation dafür (die Zinsen) eine Anpassung in eine der beiden Richtungen vorzunehmen".  "Die schwache Inflationsentwicklung im 1. Quartal wurde nicht erwartet... einige davon scheinen vorübergehend oder idiosynkratisch zu sein." Herr Powell gab keine Stellungnahme dazu ab, ob die Inflation zu niedrigeren Zinsen führen könnte, sondern nur, dass die Gouverneure sich einig waren, die aktuelle Politik für angemessen zu halten.

Prognosen

Die durch die Januar Stellungnahme eingeleitete Pause nahm mit den mit der FOMC Stellungnahme am 19. März veröffentlichten März Prognosen eine wesentlich konkretere Form an.

Die Fed gibt ihre Wirtschaftsprojektionen viermal im Jahr bekannt, wobei dafür die FOMC Sitzungen im März, Juni, September und Dezember vorgesehen sind.

Die März Prognosen gingen Ende 2019 von einem Leitzins von 2,4% aus, 0,5% weniger als die Schätzung vom Dezember, als es noch 2,9% waren, was bedeutet, dass 2019 keine Zinserhöhungen oder sogar eine Zinssenkung vorgenommen wird.

Wirtschaftsprognosen

Innerhalb von drei Monaten hat die Fed ihre Prognosen von zwei Zinserhöhungen auf Null gesenkt. Sieht man sich die September 2018 Prognosen an, so ging die Zentralbank von 3,1% und drei Erhöhungen aus, nach dem die Zinsen im Dezember auf 2,5% erhöht wurden.

Die BIP-Prognose für dieses Jahr ist im März auf 2,1% gesunken, gegenüber 2,3% im Dezember.  Die Core PCE Rate lag unverändert bei 2,0%.

Die Märkte werden nach Veränderungen bei den Prognosen suchen, die auf eine Zinssenkung in der zweiten Jahreshälfte hinweisen, vor allem bei den Fed Funds, dem BIP und den PCE Kernzahlen.

US-Wirtschaft

Die amerikanische Wirtschaft zeigt bisher nur wenig Anzeichen dafür, dass die externen Sorgen der Fed das Wachstum beeinträchtigen.

Die Expansion im ersten Quartal lag auf Jahresbasis bei 3,1%. Die jüngste Schätzung des GDPNow-Modells der Atlanta Fed für das zweite Quartal, lag am 14. Juni mit 2,1% deutlich über der Version vom 7. Juni. Der aktuelle Durchschnitt von 2,6% liegt deutlich über den Prognosen der Fed vom März, welche sich auf 2,1% beliefen.

Die Performance im Einzelhandel war im Mai insgesamt besser als erwartet, wobei der Gesamtumsatz und die Control Group um 0,5% zunahmen. Aber es waren die Revisionen der April Ergebnisse, die den Bericht prägten. Der Gesamtumsatz stieg von -0,2% auf 0,3%, die Control Group von 0,4% und die Ex-Autos-Zahl von 0,1% auf 0,5%. 

Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist etwas zurückgegangen. Zwei der letzten vier NFP Berichte lagen unter 100.000, Februar bei 56.000 und Mai bei 75.000. Der gleitende Dreimonatsdurchschnitt ist von 245.000 im Januar auf 151.000 im Mai gesunken.

NFPReuters

Andere Arbeitsmarktindikatoren sind wiederum hervorragend. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,6% und der 4-Wochen-Durchschnitt der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung befindet sich bei 217.750, was in der Nähe der 50-Jahrestiefs ist. Der jährliche Durchschnittsstundenverdienst stieg im Mai um 3,1%, unweit des Spitzenwerts nach der Rezession von 3,4% im Februar. Die Lohnerhöhung pro Jahr lag 10 Monate lang über 3%, das beste Ergebnis seit dem zweiten Halbjahr 2008.

US ArbeitslosenquoteReuters

Durchschnittliche StundenlöhneReuters

Die Konsumentenstimmung ist nach wie vor stark, wenn auch etwas niedriger als im Extremfall des Vorjahres. Der Conference Board Verbraucherstimmungsindex registrierte im Mai ein Ergebnis von 131,4, was mit Ausnahme der Ergebnisse von August bis November letzten Jahres der beste Wert seit November 2000 ist.

CB VerbraucherstimmungReuters

Der Kern-PCE-Preisindex lag im April bei 1,6% gegenüber dem Vorjahr und wird dort voraussichtlich auch im Mai bleiben.

Treasury Rendite

Die Renditen der 2- und 10-jährigen Treasury-Anleihen liegen unter der Fed Funds Rate von 2,5%. Die 2 Jahre sind seit Mitte März und die 10 Jahre seit Anfang Mai so. Dies ist in den letzten zwanzig Jahren zweimal geschehen, Mitte 2000 und im dritten Quartal 2006. Jedes Mal, wenn ein Zyklus zur Senkung der Fed-Zinsen folgte. Im Jahr 2000 dauerte es bis zur Zinssenkung 6 Monate und in den Jahren 2006 und 2007 jeweils 13 Monate.

Fed Funds RateReuters

Fed Politik

Die US-Wirtschaft entwickelt sich gut.  Das Wachstum scheint trotz des chinesischen Handelsstreits, des zukünftigen Brexit und der globalen Flaute robust zu sein. Die jüngste Volatilität der Gehaltsabrechnung, auf die sich die Fed konzentriert, ist der einzige Arbeitsmarktindikator, der rosa, geschweige denn rot blinkt. Die phänomenale Ausweitung der Arbeitsplätze in der Fertigung in den letzten zwei Jahren, hat vielen Gemeinden wieder Arbeitsplätze gebracht.

Die Einzelhandelsumsätze haben die Volatilität der Shutdown Meldung verlassen. Sie spiegeln die positive Stimmung der Verbraucher wider und sollten gesund bleiben, solange die Beschäftigung kein Problem darstellt.

Ungeachtet der positiven Verfassung der amerikanischen Wirtschaft hat die Fed bewusst ihre Angst signalisiert und die Märkte ohne dies zu sagen, auf einen Politikwechsel vorbereitet.

Die Fed Kommunikation birgt ein inhärentes Risiko, da die Politik mit zunehmender Klarheit der Ansichten der Gouverneure schnell auf den Markt gebracht wird. Die Treasury Renditen sind seit acht Monaten rückläufig.  Die Märkte erwarten einen klareren Weg, hin zu einer Zinssenkung im Juli.

Das Risiko von Enttäuschungen und einem Aktiensturz, sowie einem Dollarschub wird beträchtlich sein, wenn die FOMC keinen konkreteren Hinweis darauf gibt, dass mit der Juli Sitzung eine Zinssenkung bevorsteht.

Die Umkehrung der Fed Funds Futures von der Juni-FOMC-Sitzung bis Juli ist bemerkenswert.  In der Sitzung am Mittwoch stehen die Chancen für einen unveränderten Fed Zins bei 79,2%. Sechs Wochen später, am 31. Juli, wird die Chance fast umgekehrt sein, da zu 83% mindestens eine Zinssenkung um 25 Basispunkte erfolgt.

FedWatch ToolFed Watch Tool 31. Juli 2019

CME

Es ist zu früh, um zu sagen, ob die Fed eine oder zwei Zinssenkungen oder einen vollwertigen Reduktionszyklus verkündet. Die Gouverneure selbst wissen es wahrscheinlich nicht, es gibt viel zu viele ausstehende Variablen.

Was die Gouverneure wissen, und dies ist eine Hommage an die Beharrlichkeit der Verwaltungen durch Yellen und Powell, ist, dass die Versicherungsprämien, die sie für drei Jahre gezahlt haben, der Fed eine Flexibilität und Sicherheit gegeben haben, von der die EZB und die Bank von Japan nur träumen können.

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Der Chart zeigt:

  • Die Zeit nach der globalen Finanzkrise war gekennzeichnet durch eine beispiellose Ausweitung der Notenbankbilanz. Folglich stieg der Goldpreis zeitweise über 1.900 Dollar. Keynesianer sprachen bereits von Hyperinflation, doch nichts von alledem geschah.
  • Der Aufwärtstrend kam 2011/12 zum Erliegen, da die Keynesianer Lügen gestraft wurden - die massive Ausweitung der Notenbank führte nämlich nicht zu einer Hyperinflation in der Wirtschaft, dafür aber zu inflationären Vermögenswerten (Vermögenspreisinflation/Dow Rally)
  • Auch das Ende der Bilanzausweitung im Jahr 2013 hatte den bärischen Druck auf Gold erhöht.

Wenn Bilanzausweitung zu einer Vermögenspreisinflation führt (bärisch für Gold), dann könnte eine Bilanzreduktion zu einer Vermögenspreisdeflation führen (positiv für Gold)


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Was Sie über die geldpolitische Sitzung der Federal Reserve wissen müssen

Das Federal Reserve System (Fed) ist das zentrale Bankensystem der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Politik der Fed verfolgt zwei Ziele: die Arbeitslosenquote soll auf einem möglichst tiefen Niveau und die Inflation auf rund 2 % gehalten werden.

Das Federal Reserve System besteht aus dem Board of Governors, zwölf regionalen Federal Reserve Banken und dem Federal Open Market Committee (FOMC). Das FOMC organisiert 8 Sitzungen in einem Jahr und beurteilt die wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen. Zudem entscheidet es über Pläne zur Geldpolitik und bewertet die langfristigen Ziele von Preisstabilität und nachhaltigem Wirtschaftswachstum. 

Eine Zinserhöhung in den USA führt in der Regel zu einem Kursanstieg des US-Dollar. Umgekehrt führt eine Zinssenkung in den USA in der Regel zu einem Kurszerfall des US-Dollar. 

Bleiben die Zinsen hingegen unverändert liegt das Hauptaugenmerk der Investoren auf dem geldpolitischen Begleittext des Federal Open Market Committee (FOMC). Vor allem Textpassagen über die zukünftige Inflations- und Zinsentwicklung sorgen für Kursbewegung. 

 

Wie handelt man dieses Ereignis?

  • Vertrauen Sie nicht ausschließlich darauf, dass die Fed die Richtung des Dollar in den kommenden Monaten bestimmen wird.
  • Der Dollar neigt dazu, den übergeordneten Trend zu folgen, wenn die Fed die Zinsen erhöht.
  • Es gibt keine direkte Verbindung zwischen einer Fed Zinserhöhung und einem Rückgang des Dollar. Wenn die Fed die Zinsen während einer Schwächeperiode des Dollar erhöht, dann ist der Greenback in der Folge einige Zeit lang gefallen.
  • Aufgrund dessen sehen wir kein großes Potenzial für den Dollar, falls die Fed die Zinsen erhöht.

Was ist das FOMC?

Das FOMC ist ein Ausschuss, der sich aus 12 Mitgliedern der Federal Reserve zusammensetzt. Sie treffen sich in regelmäßigen Abständen (acht Mal pro Jahr), um Entscheidungen über Wirtschaftspolitik zu fällen, obwohl sie auch außerplanmäßige Sitzungen abhalten können.

Einerseits dienen die Treffen dazu, auf ein angemessenes Niveau für den Diskontsatz und die Fed Funds Zielrate zu einigen. Die Fed Funds Zinsrate ist die Rate an Geldmitteln, die Banken sich gegenseitig verleihen, um ihre Mindestreserveanforderungen der US-Notenbank zu halten. Dieses Ziel wird indirekt über ihre Geschäftstransaktionen am freien Markt erreicht, das heißt, der Verkauf und Kauf von US-Staatsanleihen und Bundesagentur-Wertpapieren zu und von Banken. Das Federal Open Market Committee legt die kurzfristigen Ziele dieser freien Marktgeschäfte fest, einer der wichtigsten geldpolitischen Instrumente der Fed. Auf der anderen Seite, ist der Diskontsatz, die Rate, mit der Schnellkredite für Banken berechnet werden, etwas, das die Fed direkt steuert, was aber wenig Einfluss auf die Aktivitäten der Banken hat, da diese Mittel auch an anderer Stelle zur Verfügung stehen. Jedes Treffen des Federal Open Market Committee wird mit der Veröffentlichung einer Pressemitteilung abgeschlossen. Später werden die Sitzungsprotokolle des jüngsten Federal Open Market Committee veröffentlicht.

WER IST DER CHEF DER FED?

Jerome Powell trat seine 4-jährige Amtszeit zum Vorsitzenden des Board of Governors of the Federal Reserve System im Februar 2018 an. Seine Amtszeit als Mitglied des Board of Governors wird am 31. Januar 2028 enden. Geboren wurde er in Washington D.C. Er machte 1975 seinen Bacherlor-Abschluss in Politik, an der Princeton University und 1979 erhielt er seinen Abschluss in Rechtswissenschaften von der Georgetown University. Unter Präsident Georg H. W. Bush war er als stellvertretender Sekretär und als Staatssekretär im Finanzministerium tätig. Er arbeitet auch als Anwalt und Investmentbank in New York City. Von 1997 bis 2005 war Powell Partner bei The Carlyle Group.

Jerome Powell

Powell (Vorsitzender des FOMC) auf der Internetseite der Fed und auf Wikipedia



Die weltweite Zinstabelle

Die weltweite Zinstabelle spiegelt die aktuellen Leitzinsen der großen Volkswirtschaften auf der ganzen Welt wider, die von den jeweiligen Zentralbanken festgelegt werden. Das Zinsgefälle reflektiert typischerweise den Gesundheitszustand der jeweiligen Volkswirtschaft. Zentralbanken erhöhen in der Regel die Leitzinsen, wenn die Wirtschaftsaussichten positiv sind und die Inflation auf dem Vormarsch ist, um so eine Übertreibung am Markt zu verhindern.