FOMC Sitzung Zinsentscheidung (FED) | Nachrichten, Analysen, Prognosen


Fed Preview: Weit mehr als eine Zinssenkung – 5 Szenarien

  • Federal Reserve wird die Zinsen mit der Sitzung im September senken
  • Reaktion des Marktes ist vom Fed Dot-Plot abhängig
  • Fed Vorsitzender J. Powell spricht über Beschäftigung, Inflation und den Handel

"Die US-Notenbank sollte unsere Zinssätze auf Null oder darunter senken" - twitterte Präsident Donald Trump, aber dies wird wahrscheinlich nicht in naher Zukunft passieren – und dennoch ist die Fed auf dem besten Weg, die Zinsen zu senken.

Die Reaktion des Marktes ist sowohl von der Zinssenkung als auch von Hinweisen auf weitere Aktionen abhängig. Bevor wir uns mit den möglichen fünf Szenarien der Fed Entscheidung befassen, werden wir ergründen, warum die Zentralbank weitere Impulse liefert.

Positiv - Wachstum und Konsum im Inland

Die Bank erklärte ihre Zinssenkung im Juli mit einer Vorsichtsmaßnahme – eine einmalige in der Mitte ein Zyklus und nicht als Beginn einer monetären Lockerung. Es gab zu diesem Zeitpunkt Gründe eine positive Haltung zu vertreten.

Die US Wirtschaft wuchs auf Jahresbasis im zweiten Quartal um 2 % und die Indikatoren für das dritte Quartal signalisierten ein ähnliches Ergebnis.

Die US Verbraucher, welche ungefähr 70 % der Wirtschaft ausmachen, sind weiterhin im Einkaufsfieber. Der Privatkonsum trägt 4,3 % zum Wirtschaftswachstum bei und die jüngsten Zahlen sehen ebenfalls positiv aus. Während die Verbraucherstimmung der University of Michigan fiel, blieb die Lesung des Conference Board auf Rekordhoch.

Die Gehälter der Amerikaner steigen und damit haben sie mehr Geld zum Ausgeben zur Verfügung. Die durchschnittlichen Stundenlöhne sind im August gegenüber dem vorherigen Monat um 0,4 % und gegenüber dem Vorjahr um 3,2 % gestiegen, was mehr war als erwartet wurde.

Negativ - Investitionen und globales Wachstum

Die Investitionen in die US Wirtschaft sind weiterhin schwach. Die jüngsten Auftragseingänge für langlebige Gebrauchsgüter zeigen einen Besorgnis erregenden Trend. Die Kernaufträge sind im Juli um 0,7 % gefallen, was dem schlechtesten Ergebnis seit Oktober 2016 entspricht. Die Revision des BIP Wachstum für das zweite Quartal war ebenfalls enttäuschend. Sowohl die Investitionen der Haushalte, als auch die der Unternehmen sind gefallen. Auf Jahresbasis fiel die Expansion um 1,1 %.

Ein weiteres Problem für die Fed sind die Entwicklungen außerhalb der USA. Die deutsche Wirtschaft steht nach dem Rückgang im zweiten Quartal vor einer Rezession und dies zieht die Eurozone nach unten. Die Industrieproduktion Chinas ist im Juli gegenüber dem vorherigen Jahr nur um 4,8 % gestiegen, was das schwächste Ergebnis seit 17 Jahren ist.

Hässlich – Handel und Fed Mandat

Einer der Hauptgründe der Fed die Zinsen zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt zu senken, war der Handelskrieg. Ende Juli befanden sich die USA und China in einem Handelsfrieden, welche nach dem Treffen zwischen Präsident Donald Trump und Xi Jinping einen Monat zuvor erklärt worden war.

Trump kündigte am Tag nach dieser Entscheidung neue Zölle an, um zwei Wochen später einige dieser Maßnahmen zurückzunehmen. Ende August präsentierte China seine Gegenmaßnahmen und die USA gaben neue Zölle für Oktober bekannt. Nach dem die Zölle für den 1. September in Kraft getreten waren, einigten sich Amerika und China auf neue Handelsgespräche. Daher kündigten die USA eine Verzögerung der Oktober Zölle an, während Peking versprach mehr US Waren zu kaufen. Ein vorläufiges Handelsabkommen ist inzwischen auch im Gespräch.

Alles in allem bleiben die Handelsaussichten eingetrübt und so hat es die Fed schwer angemessene Maßnahmen zu ergreifen.

Die beiden Mandate der Fed zeigen ein durchwachsenes Bild. Die verhaltene Inflation ist ein Treiber, welcher zu der vorherigen Zinssenkung führte, aber sie ist wieder gestiegen. Der Kern Verbraucherpreisindex legte im August auf 2,4 % zu, nach 2,3 % im Juli und 2,2 % im Juni.

Das zweite Mandat der Fed ist die Vollbeschäftigung. Der Arbeitsmarkt bleibt robust und die Arbeitslosenquote liegt am Tief von 3,7 %, während die Löhne steigen. Die Wirtschaft hat im August 130.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, nach 149.000 im Juli.

Faktoren einer Zinssenkung

Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Fed auf die durchwachsenen Daten und die zunehmende Unsicherheit mit einer Zinssenkung reagiert, was aus ihrer Sicht der Sicherheit dient. Die Anleihemärkte haben eine Zinssenkung bereits eingepreist und der Fed Vorsitzende J. Powell hat sich in letzter Zeit nicht dagegen ausgesprochen.

Die Fed ändert die Zinsen in der Regel um 25 Basispunkte und dies dürfte auch diesmal wahrscheinlich sein. Der Boston Fed Präsident E. Rosengren hält die aktuelle Politik für angemessen. Er war im Juli gegen die Zinssenkung. Sein Kollege, der St. Louis Fed Präsident J. Bullard geht hingegen davon aus, dass die aktuellen Bedingungen eine Zinssenkung um 50 Basispunkte rechtfertigen.

Mit der geldpolitischen Entscheidung wird ein Statement veröffentlicht, welches die wirtschaftlichen Bedingungen enthält und die Entscheidung der Zentralbank erklärt. Sollte es Bedenken im Hinblick auf den Arbeitsmarkt geben, so wird dies als eine negative Entwicklung gesehen, während eine optimistische Einschätzung der Inflation und der Inflationserwartungen eine Verbesserung darstellen würde.

Während dies von Bedeutung ist, dürfte der Fokus aber auf den Fed Prognosen für das Wachstum, der Inflation und der Beschäftigung sowie den Zinssätzen liegen. Der Dot-Plot wird wahrscheinlich ein Downgrade erfahren, so dass die Zinssätze bis zum Jahresende und in den nächsten Jahren fallen. Die Investoren werden wahrscheinlich auf die 2019 Prognosen reagieren, da diese die Fed auf den verbleibenden beiden Sitzungen in diesem Jahr beeinflussen.

Auf seiner Pressekonferenz wird Powell die Entscheidung und die Aussichten näher erläutern. Abgesehen von direkten Kommentaren zu den Zinsen werden seine Aussagen zu einer möglichen steigenden Inflation, einer Verlangsamung des Beschäftigungswachstum und dem Handel von höchstem Interesse sein.

1) Zinssenkung jetzt und nicht später

In diesem Szenario erfüllt die Zentralbank die Erwartungen des Marktes im September, bleibt aber bei ihrer Ansicht, dass die jüngsten Bewegungen lediglich eine Anpassung sind und die Zinsen ansonsten unverändert bleiben werden, es sei denn die Daten rechtfertigen eine weitere Maßnahme. Die Fed würde auf die jüngsten Handelsentwicklungen und die steigende Inflation reagieren. Außerdem dürft die sie ihre Unabhängigkeit gegenüber der ständigen Trump Kritik hervorheben.

Der US-Dollar dürfte steigen, da die Zinssenkung bereits eingepreist ist, während der Markt seine Enttäuschung gegenüber weiteren Verpflichtungen zum Ausdruck bringt. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario ist als mittel anzusehen.

2) Eine jetzt und eine später

Wenn der Dot-Plot eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte bis zum Jahresende enthält, wird die Fed zugeben müssen, dass sich ihre Aussichten seit Juli verschlechtert haben und dann geht es nicht nur darum die Zinsen früher als erwartet zu senken, sondern auch eine weitere Zinssenkung zu signalisieren. Eine dritte Zinssenkung im Jahr 2019 wird erst dann möglich sein, wenn neue Fed Prognosen vorliegen. Mit der Vermittlung einer Botschaft der Besorgnis wäre eine weitere geldpolitische Maßnahme denkbar.

Dieses Szenario würde den Erwartungen des Marktes entsprechen und sie hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, wodurch der Dollar letztendlich keine größere Reaktion zeigen dürfte. Ausschlaggebend wären dann die Kommentare des Fed Vorsitzenden J. Powell, da diese dabei helfen die Gedankengänge der Fed besser zu verstehen.

3) Eine jetzt und zwei später

Die Andeutung von Zinssenkungen bei den nächsten beiden Sitzungen in diesem Jahr würde eine große Besorgnis signalisieren, da die Fed dann scheinbar in Bezug auf den Handel, Investitionen und Beschäftigung pessimistisch eingestellt ist.

Dieses Szenario würde den Dollar auf eine Talfahrt schicken und es hat eine mittlere Wahrscheinlichkeit. Allerdings könnte die Talfahrt moderat ausfallen, wenn die Fed noch immer sagt, dass weitere Maßnahmen von den Daten abhängig sind.

4) Doppelte Dosis der Zinssenkung

Sollte Powell dem Rat von Bullard Folgen und die Zinssätze werden um 50 Basispunkte gesenkt, so ist dies für den Markt ein Hinweis auf Panik. Solch eine atypische Zinssenkung wird nur in besonderen Situationen ergriffen. Die Fed wäre dann im Hinblick auf Investitionen und den Handel sehr besorgt, oder aber sie gibt ihre Unabhängigkeit auf. Ist dies der Fall, wird das Vertrauen der Anleger schwinden.

Dieses Szenario hat eine geringe Wahrscheinlichkeit und würde den Dollarabsturz lassen, aber Powell könnte die Aussage von EZB Präsident Mario Draghi aufgreifen, der zuletzt sagte, wir unternehmen „was immer nötig ist“.

5) Keine Zinssenkung

Dieses Szenario ist höchst unwahrscheinlich, kann aber nicht ausgeschlossen werden und der Dollar sollte ordentlich steigen. Der Fed Vorsitzende und seine Kollegen könnten sich dafür entscheiden den Ansichten der Falken zu folgen, welche davon ausgehen, dass es der Wirtschaft gut geht und sie geben nichts auf die wütenden Trump Tweets.

Fazit

Die geldpolitische Entscheidung der Fed wird am 18. September um 20:00 Uhr bekannt gegeben und vor allem der kritische Dot-Plot wird Auswirkungen auf den Markt haben. Die Bank wird ihre Zinsen wahrscheinlich senken, aber die Details und Hintergründe werden für die Reaktion des Marktes von Bedeutung sein.

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Der Chart zeigt:

  • Die Zeit nach der globalen Finanzkrise war gekennzeichnet durch eine beispiellose Ausweitung der Notenbankbilanz. Folglich stieg der Goldpreis zeitweise über 1.900 Dollar. Keynesianer sprachen bereits von Hyperinflation, doch nichts von alledem geschah.
  • Der Aufwärtstrend kam 2011/12 zum Erliegen, da die Keynesianer Lügen gestraft wurden - die massive Ausweitung der Notenbank führte nämlich nicht zu einer Hyperinflation in der Wirtschaft, dafür aber zu inflationären Vermögenswerten (Vermögenspreisinflation/Dow Rally)
  • Auch das Ende der Bilanzausweitung im Jahr 2013 hatte den bärischen Druck auf Gold erhöht.

Wenn Bilanzausweitung zu einer Vermögenspreisinflation führt (bärisch für Gold), dann könnte eine Bilanzreduktion zu einer Vermögenspreisdeflation führen (positiv für Gold)


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Was Sie über die geldpolitische Sitzung der Federal Reserve wissen müssen

Das Federal Reserve System (Fed) ist das zentrale Bankensystem der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Politik der Fed verfolgt zwei Ziele: die Arbeitslosenquote soll auf einem möglichst tiefen Niveau und die Inflation auf rund 2 % gehalten werden.

Das Federal Reserve System besteht aus dem Board of Governors, zwölf regionalen Federal Reserve Banken und dem Federal Open Market Committee (FOMC). Das FOMC organisiert 8 Sitzungen in einem Jahr und beurteilt die wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen. Zudem entscheidet es über Pläne zur Geldpolitik und bewertet die langfristigen Ziele von Preisstabilität und nachhaltigem Wirtschaftswachstum. 

Eine Zinserhöhung in den USA führt in der Regel zu einem Kursanstieg des US-Dollar. Umgekehrt führt eine Zinssenkung in den USA in der Regel zu einem Kurszerfall des US-Dollar. 

Bleiben die Zinsen hingegen unverändert liegt das Hauptaugenmerk der Investoren auf dem geldpolitischen Begleittext des Federal Open Market Committee (FOMC). Vor allem Textpassagen über die zukünftige Inflations- und Zinsentwicklung sorgen für Kursbewegung. 

 

Wie handelt man dieses Ereignis?

  • Vertrauen Sie nicht ausschließlich darauf, dass die Fed die Richtung des Dollar in den kommenden Monaten bestimmen wird.
  • Der Dollar neigt dazu, den übergeordneten Trend zu folgen, wenn die Fed die Zinsen erhöht.
  • Es gibt keine direkte Verbindung zwischen einer Fed Zinserhöhung und einem Rückgang des Dollar. Wenn die Fed die Zinsen während einer Schwächeperiode des Dollar erhöht, dann ist der Greenback in der Folge einige Zeit lang gefallen.
  • Aufgrund dessen sehen wir kein großes Potenzial für den Dollar, falls die Fed die Zinsen erhöht.

Was ist das FOMC?

Das FOMC ist ein Ausschuss, der sich aus 12 Mitgliedern der Federal Reserve zusammensetzt. Sie treffen sich in regelmäßigen Abständen (acht Mal pro Jahr), um Entscheidungen über Wirtschaftspolitik zu fällen, obwohl sie auch außerplanmäßige Sitzungen abhalten können.

Einerseits dienen die Treffen dazu, auf ein angemessenes Niveau für den Diskontsatz und die Fed Funds Zielrate zu einigen. Die Fed Funds Zinsrate ist die Rate an Geldmitteln, die Banken sich gegenseitig verleihen, um ihre Mindestreserveanforderungen der US-Notenbank zu halten. Dieses Ziel wird indirekt über ihre Geschäftstransaktionen am freien Markt erreicht, das heißt, der Verkauf und Kauf von US-Staatsanleihen und Bundesagentur-Wertpapieren zu und von Banken. Das Federal Open Market Committee legt die kurzfristigen Ziele dieser freien Marktgeschäfte fest, einer der wichtigsten geldpolitischen Instrumente der Fed. Auf der anderen Seite, ist der Diskontsatz, die Rate, mit der Schnellkredite für Banken berechnet werden, etwas, das die Fed direkt steuert, was aber wenig Einfluss auf die Aktivitäten der Banken hat, da diese Mittel auch an anderer Stelle zur Verfügung stehen. Jedes Treffen des Federal Open Market Committee wird mit der Veröffentlichung einer Pressemitteilung abgeschlossen. Später werden die Sitzungsprotokolle des jüngsten Federal Open Market Committee veröffentlicht.

WER IST DER CHEF DER FED?

Jerome Powell trat seine 4-jährige Amtszeit zum Vorsitzenden des Board of Governors of the Federal Reserve System im Februar 2018 an. Seine Amtszeit als Mitglied des Board of Governors wird am 31. Januar 2028 enden. Geboren wurde er in Washington D.C. Er machte 1975 seinen Bacherlor-Abschluss in Politik, an der Princeton University und 1979 erhielt er seinen Abschluss in Rechtswissenschaften von der Georgetown University. Unter Präsident Georg H. W. Bush war er als stellvertretender Sekretär und als Staatssekretär im Finanzministerium tätig. Er arbeitet auch als Anwalt und Investmentbank in New York City. Von 1997 bis 2005 war Powell Partner bei The Carlyle Group.

Jerome Powell

Powell (Vorsitzender des FOMC) auf der Internetseite der Fed und auf Wikipedia



Die weltweite Zinstabelle

Die weltweite Zinstabelle spiegelt die aktuellen Leitzinsen der großen Volkswirtschaften auf der ganzen Welt wider, die von den jeweiligen Zentralbanken festgelegt werden. Das Zinsgefälle reflektiert typischerweise den Gesundheitszustand der jeweiligen Volkswirtschaft. Zentralbanken erhöhen in der Regel die Leitzinsen, wenn die Wirtschaftsaussichten positiv sind und die Inflation auf dem Vormarsch ist, um so eine Übertreibung am Markt zu verhindern.