- AUD/USD steigt am Montag deutlich an und peilt zunächst erneut die Marke von 0,7100 an.
- Der US-Dollar verliert nach der Bekanntgabe des US-Iran-Abkommens an Momentum.
- Es wird allgemein erwartet, dass die RBA ihren Leitzins (OCR) am Dienstag unverändert lässt.
Der Aussie-Dollar sucht weiterhin nach einem neuen Katalysator, um seinen Aufwärtstrend fortzusetzen, der Ende März begann und vor der Hürde bei 0,7300 Anfang Mai offenbar an Momentum verloren hat. Unterdessen scheinen die Dynamiken rund um den US-Dollar und die Geopolitik für den Aussie zu viel gewesen zu sein, was eine Korrektur von AUD/USD in den Bereich unterhalb der wichtigen 0,7000er Zone auslöste. Dennoch bleibt der positive Ausblick für den AUD unverändert, gestützt durch weiterhin hohe Inflation im Inland und den restriktiven Kurs der RBA.
Der Australische Dollar (AUD) gewinnt zu Beginn der neuen Handelswoche für risikobehaftete Anlagen deutlich an Aufwärtsdynamik, was AUD/USD nahe an die wichtige Barriere bei 0,7100 bringt und damit gegenüber den Tiefständen der Vorwoche im Bereich unter 0,7000, also den Zweimonatstiefs, deutlich zulegt.
Tatsächlich belebt sich die Stimmung rund um den Aussie, da Investoren die verbesserte geopolitische Lage bewerten, in der die USA und der Iran ein Memorandum of Understanding (MOU) unterzeichneten, das die Feindseligkeiten aller Parteien beenden und die wichtige Straße von Hormus wieder öffnen soll.
Inländische Widerstandskraft trifft auf externe Unsicherheit
Die australische Wirtschaft wirkt insgesamt gesund und stabil und ehrlich gesagt in deutlich besserer Verfassung als viele ihrer G10-Pendants.
Diese Entwicklung scheint durch eine solide Inlandsnachfrage und recht ordentliche Zahlen beim Wirtschaftswachstum gestützt zu sein. Das Gespenst der rechtfertigt offenbar die vorsichtige und datenabhängige Haltung der Reserve Bank of Australia (RBA), insbesondere nach der letzten Sitzung, bei der die Zinsen auf 4,35 % erhöht wurden, was weitgehend den Markterwartungen entsprach.
Unterstützend hierfür zeigten die endgültigen Daten des Einkaufsmanager-Index (PMI) für Mai einen Wert von 50,7 im verarbeitenden Gewerbe (vorher 51,3) und 48,7 im Dienstleistungssektor (vorher 50,7).
Zur Ergänzung der inländischen Fundamentaldaten wiesen die jüngsten Zahlen zur Handelsbilanz im April einen Überschuss von 1,791 Mrd. AUD aus, womit das Defizit von 1,024 Mrd. AUD im März umgekehrt wurde. Die jüngsten Bruttoinlandsprodukt-(BIP-)Daten enttäuschten hingegen die Erwartungen: Die Wirtschaft wuchs im ersten Quartal 2026 um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal (vorher 0,9 %) und um 2,5 % im Jahresvergleich (vorher 2,5 %), wobei beide Werte unter dem Konsens lagen.
Auf der weniger positiven Seite hat sich der Arbeitsmarkt in den letzten Monaten abgekühlt. So stieg die Arbeitslosenquote im April auf 4,5 % (vorher 4,3 %) und die Beschäftigtenzahl sank um 18,6 Tausend Personen (nach einem revidierten Anstieg von 23,3 Tausend im Vormonat).
Bezüglich der Inflation lagen die April-Daten beim Verbraucherpreisindex (VPI) bei 4,2 % im Jahresvergleich (vorher 4,6 %), der Trimmed Mean stieg leicht auf 3,4 % (vorher 3,3 %) und der Weighted Median blieb mit 3,5 % über die letzten zwölf Monate stabil. Das Tempo der Disinflation bleibt schwach, obwohl die Richtung weiterhin grundsätzlich korrekt ist. Diese Sichtweise wird durch die jüngsten Verbraucherinflationserwartungen des Melbourne Institute untermauert, die im Mai auf 5,5 % sanken (vorher 5,6 %).
Für die RBA bedeutet das, dass die Arbeit noch lange nicht erledigt ist, da die Entscheidungsträger weiterhin signalisieren, dass die Inflation erst Mitte 2028 wieder das Ziel erreichen könnte, wobei der Fokus klar auf Geduld statt auf eine bevorstehende Wende gerichtet bleibt.
China wandelt sich vom Wachstumsmotor zum Stabilisator
China wirkt nun eher wie eine stabilisierende Kraft als wie der Rückenwind, der die australische Wirtschaft üblicherweise antreibt.
Einige Zahlen: Die Wirtschaft wuchs im ersten Quartal um 5,0 % im Jahresvergleich, während die Einzelhandelsumsätze seit Jahresbeginn um 1,9 % zulegten und im Jahresvergleich bis April nur um magere 0,2 %. Zudem enttäuschte die Industrieproduktion im letzten Monat mit einem Wachstum von 4,1 % im Jahresvergleich und 5,6 % seit Jahresbeginn die Erwartungen.
Bemerkenswert ist die starke Erholung der Handelsbilanz, nachdem der Überschuss im Mai auf 105,43 Mrd. USD von rund 84,8 Mrd. USD im Vormonat ausgeweitet wurde, wobei sowohl Importe als auch Exporte deutlich zunahmen.
Die Geschäftstätigkeit scheint jedoch wieder an Fahrt zu gewinnen, nachdem das Nationale Statistikamt (NBS) für Mai einen Manufacturing PMI von 50 (vorher 50,3) meldete, während der Dienstleistungssektor mit 50,1 (vorher 49,4) wieder in den Expansionsbereich zurückkehrte. Gleichzeitig deuten private Indikatoren wie RatingDog weiterhin auf Expansion hin, mit einem Manufacturing-Wert von 51,8 und einem verbesserten Services-Wert von 54,4.
Der disinflationäre Trend in China scheint nach enttäuschenden Verbraucherpreisdaten wieder aufgetaucht zu sein: Die Verbraucherpreise stiegen im Jahresvergleich bis Mai um 1,2 % und entsprachen damit dem vorherigen Wert. Auf Monatsbasis sanken die Preise um 0,1 %, während die Erzeugerpreise über die letzten zwölf Monate um 3,9 % zulegten und damit stabil gegenüber den Aprilwerten blieben.
Und wie sieht es bei der People's Bank of China (PBoC) aus? Die Zentralbank beließ die Loan Prime Rates (LPR) bei ihrer letzten Sitzung unverändert bei 3,00 % für die einjährige und 3,50 % für die fünfjährige Laufzeit, was dem breiten Konsens entsprach.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass China das Wachstum nicht mehr nach oben treibt, es aber auch nicht aggressiv bremst. Es hält die Lage einfach stabil.
Die RBA verharrt fest im Abwarten-Modus
Die RBA trifft sich am Dienstag und es wird allgemein erwartet, dass sie ihren Official Cash Rate (OCR) nach der 25 Basispunkte-Anhebung im Mai unverändert bei 4,35 % belässt. Zudem haben die Anleger ihre Erwartungen an weitere Zinserhöhungen für den Rest des Jahres zurückgeschraubt und rechnen mit etwa 14 Basispunkten zusätzlicher Straffung bis Jahresende.
Während die Zinsentscheidung selbst als wenig bedeutend eingestuft wird, wird erwartet, dass die Marktteilnehmer die Botschaft der Zentralbank genau analysieren und prüfen, ob sie ihre Einschätzung zur inländischen Inflation angesichts der Wiedereröffnung der Straße von Hormus, nachlassender geopolitischer Spannungen und der jüngsten Inflationsdaten in Australien gelockert hat.
Es ist erwähnenswert, dass die Zentralbank in ihrer letzten Sitzung davon ausgeht, dass die Verbraucherpreise länger hoch bleiben, wobei der VPI erst um 2027–2028 wieder das Ziel erreichen soll, während das Wachstum sich verlangsamt und die Arbeitslosigkeit allmählich steigt. Ein großer Teil dieser Verschiebung ist auf den Ölpreisschock im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt zurückzuführen, der nach dem US-Iran-Abkommen am Wochenende an Wirkung zu verlieren scheint.
AUD/USD sucht nach seinem nächsten Katalysator
Basisszenario
Solange das Paar über seinem wichtigen 200-Tage-SMA bei rund 0,6840 notiert, wird erwartet, dass der Ausblick weiterhin zu weiteren Anstiegen geneigt bleibt. Ein solcher Anstieg benötigt jedoch einen starken Katalysator, und es scheint stark vom breiteren Hintergrund abzuhängen: Ohne eine nachhaltige Verbesserung der Risikoappetit oder anhaltende Schwäche des US-Dollars könnte die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher Gewinne an Schwung verlieren.
Bullenszenario
Es bedarf weiterer Überzeugung. Wenn die Risikoappetit deutlich zunimmt, könnte der Spot die Aufwärtsbewegung ausdehnen und zunächst auf das Hindernis bei 0,7200 treffen, bevor er den Höchststand von 2026 nahe 0,7280 erreicht, knapp vor der kleineren Barriere bei 0,7300. Weiter oben wartet die Decke von 2022 bei 0,7593. Die spekulative Positionierung scheint derzeit in diese Richtung zu tendieren.
Bärenszenario
Im aktuellen volatilen Umfeld sollte ein weiterer Verlust an Momentum nicht ausgeschlossen werden. Wenn sich die Stimmung verschlechtert, der Greenback zusätzlich an Schwung gewinnt oder chinesische Daten weiterhin enttäuschen, könnte der Spot weiter zurückgehen und die jüngsten Tiefstände im Bereich von 0,6980 erneut ansteuern.
Die Erholung scheint vorhanden zu sein, obwohl die Märkte noch nicht vollständig überzeugt sind.
Positionierung bleibt trotz Pullback unterstützend
Nach den neuesten Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) fielen die spekulativen Netto-Long-Positionen im Australischen Dollar in der Woche bis zum 9. Juni auf rund 18,2 Tausend Kontrakte und setzten damit die jüngste Reduzierung der bullischen Exponierung fort. Die Positionierung hat sich im vergangenen Monat deutlich verschlechtert, mit einem Rückgang der Netto-Long-Positionen um fast 67 Tausend Kontrakte in den letzten vier Berichtswochen.
Trotz dieses Abbaus bleibt die spekulative Stimmung aus historischer Sicht relativ hoch. Die aktuelle Netto-Long-Position liegt weiterhin im 90. Perzentil ihres 5-Jahres-Bereichs, während die spekulative Exponierung bei 6% liegt, was dem 89. Perzentil entspricht. Dies deutet darauf hin, dass, obwohl Anleger ihre bullischen Wetten aggressiv reduziert haben, die Positionierung nach wie vor deutlich konstruktiver ist als in den vergangenen Jahren üblich.
Bemerkenswert ist hier, dass das Netto-Perzentil und das Perzentil der spekulativen Exponierung dieselbe Geschichte erzählen. Wenn beide um die 90 liegen, bestätigt dies, dass die Exponierung historisch hoch bleibt.

Was könnte den Aussie als Nächstes bewegen?
Kurzfristig bleiben der US-Dollar, die globale Risikoappetit und die Geopolitik im Fokus. Diese bleiben die Haupttreiber der Kursentwicklung. Als nächstes stehen im australischen Kalender die Zinsentscheidung der RBA sowie die Daten zur Industrieproduktion, zum Einzelhandel und zur Arbeitslosenquote in China auf der Agenda, die die Anleger beschäftigen dürften.
Zu den wichtigsten Risiken zählen eine stärkere Abschwächung in China, eine aggressivere Fed, eine Veränderung der Risikoappetit der Anleger oder eine Änderung der Haltung der RBA. Jeder dieser Faktoren könnte die australische Währung kurzfristig schnell destabilisieren.
Technische Analyse
Im Tageschart notiert AUD/USD bei 0,7077 und hält sich unter den einfachen gleitenden Durchschnitten (SMAs) der 55- und 100-Tage bei 0,7121 bzw. 0,7084, was die kurzfristige Tendenz trotz des Umherschwebens knapp unter der nahegelegenen horizontalen Barriere bei 0,7079 begrenzt. Der 200-Tage-SMA bei 0,6844 bleibt eine tiefere Unterstützung, während der Relative Strength Index (RSI) um 45 und ein steigender Average Directional Index (ADX) nahe 29 auf einen sich entwickelnden, aber noch moderaten bärischen Trend hindeuten, während der Kurs unter diesem Widerstandskluster konsolidiert.
Auf der Oberseite liegt der unmittelbare Widerstand auf dem horizontalen Niveau bei 0,7079, gefolgt vom 100-Tage-SMA bei 0,7084 und dem 55-Tage-SMA bei 0,7121, mit höheren Hürden bei 0,7278 und 0,7283, bevor eine weiter entfernte Barriere nahe 0,7661 wartet. Auf der Unterseite wird erste Unterstützung am 200-Tage-SMA bei rund 0,6844 und der nahegelegenen horizontalen Unterstützung bei 0,6833 gesehen, mit weiteren Auffanglinien bei 0,6660 und 0,6593, während tiefere Niveaus bei 0,6414 und 0,6373 ins Spiel kommen würden, falls der Verkaufsdruck zunimmt.
(Die technische Analyse dieser Story wurde mit Hilfe eines KI-Tools erstellt.)
Konstruktiver Ausblick, aber Überzeugung fehlt
Der breitere Hintergrund für den Australischen Dollar bleibt konstruktiv, und die Haltung der RBA sollte weiterhin eine gewisse Unterstützung bei Rücksetzern bieten.
Der Australische Dollar ist jedoch weiterhin eine Währung, die stark von der Stimmung geprägt ist. Wenn das Vertrauen stark ist, performt der Aussie gut. Wenn Unsicherheit aufkommt, übernimmt tendenziell der Greenback.
Während die mittelfristige Story also weiterhin konstruktiv ist, fühlt sich der kurzfristige Ausblick weniger sicher an. Die Aufwärtsbewegung ist vorhanden, aber die Überzeugung noch nicht ganz da… noch nicht.
RBA - Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Die Reserve Bank of Australia (RBA) legt die Geldpolitik des Landes fest und strebt eine Inflationsrate von 2-3 % an. Zinssatzerhöhungen stärken in der Regel den australischen Dollar, während Zinssenkungen ihn schwächen.
Traditionell galt Inflation als nachteilig für Währungen, da sie den Wert des Geldes mindert. In modernen Volkswirtschaften hat sich jedoch gezeigt, dass moderate Inflation zu Zinserhöhungen durch Zentralbanken führt, was wiederum Kapitalzuflüsse aus dem Ausland anzieht. Investoren suchen nach höheren Renditen, was die Nachfrage nach der lokalen Währung – im Fall Australiens den Australischen Dollar – stärkt.
Makroökonomische Daten wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und der Einkaufsmanagerindex (PMI) haben direkten Einfluss auf die Währungen eines Landes. Eine starke Wirtschaft zieht Kapital an und stärkt die heimische Währung.
Quantitative Lockerung (QE) ist ein geldpolitisches Instrument, das in Krisenzeiten eingesetzt wird, wenn Zinssenkungen allein nicht ausreichen, um die Kreditvergabe in der Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die Reserve Bank of Australia (RBA) nutzt QE, indem sie australische Dollar druckt, um damit Vermögenswerte – in der Regel Staats- oder Unternehmensanleihen – von Finanzinstituten aufzukaufen. Damit wird den Banken dringend benötigte Liquidität zur Verfügung gestellt. Eine solche Maßnahme führt in der Regel zu einer Abwertung des australischen Dollars.
Quantitative Straffung (QT) stellt das Gegenstück zur quantitativen Lockerung (QE) dar und wird eingeleitet, sobald sich die Wirtschaft erholt und die Inflation wieder anzieht. Während die Reserve Bank of Australia (RBA) im Rahmen der QE Staats- und Unternehmensanleihen aufkauft, um den Finanzmärkten Liquidität zuzuführen, beendet sie bei QT diese Käufe und reinvestiert nicht in fällige Anleihen. Diese geldpolitische Maßnahme wird in der Regel als positiv für den australischen Dollar bewertet.
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