Der Goldpreis steht wieder an einer heiklen Stelle. Am Dienstag notiert Gold bei 4.148,26 US-Dollar und damit 0,28 % im Minus. Auf den ersten Blick spricht technisch weiter vieles für fallende Kurse. Doch wer jetzt nur auf den Abwärtstrend schaut, übersieht eine wichtige Veränderung: Der Verkaufsdruck verliert an Kraft.
Genau das macht die aktuelle Lage beim Goldpreis so spannend.
Der Trend ist angeschlagen, eine echte Bodenbildung aber noch nicht bestätigt. Gleichzeitig zeigen erste Momentum-Indikatoren, dass sich die Dynamik auf der Unterseite abschwächt. Anleger stehen damit vor einer klassischen Entscheidungssituation: Kommt unterhalb von 4.090 US-Dollar der nächste Abverkauf oder gelingt oberhalb von 4.265 US-Dollar endlich der Befreiungsschlag?
Noch ist allerdings Vorsicht angebracht. Die aktuelle Tageskerze ist nicht abgeschlossen. Die bisherige Handelsspanne reicht von 4.135,00 bis 4.166,15 US-Dollar. Der aktuelle Goldpreis ist damit nur eine Momentaufnahme. Entscheidend wird sein, wo der Markt den Handelstag tatsächlich beendet.
Goldpreis bleibt klar unter wichtigen Trendlinien
Der Blick auf den Chart zeigt zunächst ein ziemlich eindeutiges Bild.
Gold notiert unter dem 20-Tage-Durchschnitt bei 4.185,85 US-Dollar. Solange das so bleibt, sitzen die Verkäufer kurzfristig weiter am längeren Hebel.
Noch schwerer wiegt allerdings, dass der Goldpreis auch unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.360,50 US-Dollar und dem 200-Tage-Durchschnitt bei 4.543,75 US-Dollar handelt.
Damit ist nicht nur der kurzfristige, sondern auch der übergeordnete technische Trend beschädigt.
Hinzu kommt der SuperTrend bei 4.394,98 US-Dollar, der weiterhin ein aktives Verkaufssignal liefert.
Auch die Ichimoku-Wolke macht es Gold nicht einfacher. Sie erstreckt sich aktuell ungefähr von 4.217,07 bis 4.423,10 US-Dollar und bildet damit eine massive Widerstandszone direkt oberhalb des aktuellen Kurses.
Das Problem ist damit schnell erklärt: Selbst wenn der Goldpreis jetzt zu einer Erholung ansetzt, wartet bereits wenige Prozent höher eine ganze Wand aus technischen Widerständen.
Solange Gold diese Zone nicht zurückerobert, bleibt jede Aufwärtsbewegung zunächst nur eine Erholung innerhalb eines angeschlagenen Trends.
Doch plötzlich lässt der Verkaufsdruck nach
Ganz so eindeutig bearish ist die Lage trotzdem nicht mehr.
Der MACD bleibt zwar im negativen Bereich. Die MACD-Linie liegt aktuell bei rund minus 48,22 Punkten, während die Signallinie bei etwa minus 54,63 Punkten verläuft.
Interessanter ist allerdings das Histogramm.
Dieses verbessert sich und signalisiert damit, dass die Abwärtsdynamik nachlässt.
Das ist noch kein Kaufsignal. Es zeigt aber, dass die Verkäufer nicht mehr mit derselben Kraft auftreten wie zuvor.
Auch der RSI passt in dieses Bild. Mit rund 41,73 Punkten ist der Goldpreis weiterhin schwach, aber noch nicht überverkauft.
Das hat zwei Seiten.
Einerseits besteht technisch noch Luft nach unten. Gold könnte also weiter fallen, ohne bereits in einen extrem überverkauften Zustand zu geraten.
Andererseits fehlt derzeit auch das typische Paniksignal, das häufig am Ende einer stärkeren Abwärtsbewegung entsteht.
Hinzu kommt das sinkende Handelsvolumen rund um das aktuelle Kursniveau. Weder Käufer noch Verkäufer scheinen derzeit mit voller Überzeugung zu agieren.
Das spricht eher für eine Phase der Konsolidierung als für eine bereits bestätigte Trendwende.
4.090 Dollar wird jetzt zur Schlüsselmarke
Für Anleger wird deshalb vor allem eine Marke entscheidend: 4.090 US-Dollar.
Dort liegt aktuell die wichtigste Unterstützung.
Fällt der Goldpreis per Tagesschluss klar darunter, würde sich das charttechnische Bild noch einmal deutlich verschlechtern. Die nächsten Auffangzonen liegen dann bei 3.970 und anschließend bei 3.890 US-Dollar.
Auf der Oberseite wartet dagegen zunächst der 20-Tage-Durchschnitt bei 4.185,85 US-Dollar.
Richtig interessant wird es aber erst darüber.
Zwischen rund 4.217 und 4.265 US-Dollar trifft Gold auf die nächste große Widerstandszone. Dort verlaufen Teile der Ichimoku-Wolke und weitere technische Strukturen.
Ein Tagesschluss oberhalb von 4.265 US-Dollar wäre deshalb ein erstes ernstzunehmendes Signal dafür, dass sich die Lage verbessert.
Dann würde sich Raum in Richtung 4.380 bis 4.395 US-Dollar öffnen.
Doch auch dort wartet bereits die nächste Hürde: Der SuperTrend liegt bei 4.394,98 US-Dollar.
Eine wirklich nachhaltige Trendwende wäre damit noch immer nicht geschafft.
Dafür müsste der Goldpreis später auch den 200-Tage-Durchschnitt bei 4.543,75 US-Dollar zurückerobern.
Was jetzt konkret passieren könnte
Das erste Szenario ist eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung.
Dafür müsste Gold zunächst per Tagesschluss unter 4.090 US-Dollar fallen. Ein möglicher Einstieg in ein solches Breakdown-Szenario läge anschließend bei etwa 4.080 US-Dollar.
Der technische Stopp würde bei 4.248 US-Dollar liegen und damit oberhalb der zuvor gebrochenen Unterstützungszone.
Als Kursziel kämen 3.890 US-Dollar infrage.
Das Chance-Risiko-Verhältnis läge bei rund 1,1 zu 1.
Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist aktuell mittel. Der übergeordnete Trend spricht zwar dafür, gleichzeitig verbessert sich das Momentum bereits. Genau deshalb wäre ein Einstieg ohne bestätigten Bruch vergleichsweise riskant.
Spannender könnte ein zweites bearish geprägtes Szenario werden.
Steigt der Goldpreis zunächst in die Zone zwischen 4.217 und 4.265 US-Dollar und wird dort deutlich zurückgewiesen, würde sich eine technisch interessante Short-Gelegenheit ergeben.
Der Stopp läge dann bei 4.395 US-Dollar, also oberhalb der Ichimoku-Wolke und des SuperTrend.
Das Kursziel läge bei 3.970 US-Dollar.
Mit einem Chance-Risiko-Verhältnis von etwa 1,6 zu 1 wäre dieses Setup attraktiver. Allerdings ist auch hier zunächst eine klare Ablehnung an der Widerstandszone erforderlich.
Die Wahrscheinlichkeit wird ebenfalls als mittel eingeschätzt.
Wann die Bullen wieder eine Chance bekommen
Für die Käufer wird es erst oberhalb von 4.265 US-Dollar interessant.
Schafft Gold einen Tagesschluss über diese Marke, könnte sich ein erstes bullishes Erholungsszenario ergeben.
Ein Einstieg wäre dann oberhalb von 4.265 US-Dollar denkbar. Der strukturelle Stopp läge bei 4.051 US-Dollar unterhalb der jüngsten Unterstützungszone.
Das erste Ziel wäre die Region um 4.380 US-Dollar.
Das Chance-Risiko-Verhältnis läge damit ungefähr bei 1 zu 1.
Noch ist dieses Szenario allerdings mit einer niedrigen Wahrscheinlichkeit einzustufen. Dafür ist der übergeordnete Trend weiterhin zu schwach.
Deutlich besser würde das Bild erst oberhalb von 4.395 US-Dollar aussehen.
Dann hätte der Goldpreis sowohl die Ichimoku-Wolke als auch den SuperTrend zurückerobert.
Ein mögliches nächstes Ziel wäre anschließend der 200-Tage-Durchschnitt bei 4.543,75 US-Dollar.
Der technische Stopp könnte bei 4.185 US-Dollar liegen.
Das Chance-Risiko-Verhältnis beträgt hier rund 1,1 zu 1. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios liegt derzeit zwischen niedrig und mittel.
Der entscheidende Unterschied: Oberhalb von 4.395 US-Dollar würde es nicht mehr nur um eine kurzfristige Gegenbewegung gehen. Dann könnte tatsächlich eine nachhaltigere technische Reparatur beginnen.
Das entscheidet jetzt über die nächste große Bewegung
Am Ende läuft beim Goldpreis derzeit fast alles auf zwei Marken hinaus.
Unter 4.090 US-Dollar steigt das Risiko einer weiteren Abwärtswelle deutlich an. Besonders kritisch wäre ein klarer Tagesschluss darunter, wenn gleichzeitig das Handelsvolumen anzieht.
Das würde die Gefahr bestätigen, dass sich die aktuelle Formation lediglich als Pause innerhalb des bestehenden Abwärtstrends entpuppt.
Auf der Oberseite ist 4.265 US-Dollar die erste echte Hürde.
Kann sich Gold darüber behaupten, wäre das ein Zeichen dafür, dass Käufer zunehmend bereit sind, das vorhandene Angebot aufzunehmen.
Noch wichtiger wird anschließend die Zone um 4.395 US-Dollar.
Erst oberhalb dieser Marke würde die Erholung technisch deutlich glaubwürdiger.
Der aktuelle Befund bleibt deshalb bearish bis neutral.
Der Haupttrend spricht weiter für die Verkäufer. Gleichzeitig ist der Abwärtsdruck nicht mehr so stark wie zuvor. Genau deshalb wäre es riskant, dem fallenden Markt auf dem aktuellen Niveau einfach hinterherzulaufen.
Der Goldpreis sitzt derzeit zwischen 4.090 und 4.265 US-Dollar fest.
Der Ausbruch aus dieser Zone dürfte entscheiden, ob als Nächstes 3.970 US-Dollar oder 4.395 US-Dollar auf den Kurszetteln stehen.
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