Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte den Einlagensatz bei ihrer Sitzung am 29. Oktober unverändert bei 2,50 Prozent belassen und auch an ihren bisherigen Vorgaben zum Abbau der Notenbankbilanz festhalten. Davon gehen die Nomura-Analysten Andrzej Szczepaniak, George Buckley und Josie Anderson aus. Für Dezember 2026 und März 2027 rechnen sie mit zwei weiteren Zinserhöhungen, durch die der Einlagensatz auf einen Höchststand von 3,00 Prozent steigen würde. Die an den Finanzmärkten bis September 2027 eingepreisten Zinsschritte von insgesamt rund 75 Basispunkten halten die Experten dagegen für überzogen.
Nomura erwartet vorsichtige, aber weiterhin restriktive EZB
„Wir gehen davon aus, dass die EZB den Einlagensatz am 29. Oktober unverändert bei 2,50 Prozent belassen wird. Die Notenbank dürfte zunächst abwarten wollen, wie sich die bisherigen Zinserhöhungen auf die Wirtschaft im Euroraum ausgewirkt haben. Außerdem wird sie bewerten, wie sich die Lohnverhandlungen im vierten Quartal 2026 entwickeln. Bislang deuten diese auf ein begrenztes Risiko inflationsverstärkender Zweitrundeneffekte hin.“
„Die Märkte rechnen bis September 2027 mit Zinserhöhungen um insgesamt rund 75 Basispunkte. Wir halten diese Erwartungen für überzogen und gehen davon aus, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde sie während der anschließenden Pressekonferenz nicht bestätigen wird. Deshalb rechnen wir im Verlauf der Pressekonferenz mit steigenden Kursen an den Anleihemärkten. Zugleich dürften die Marktteilnehmer zum Ende der Veranstaltung um 14.45 Uhr Londoner Zeit einen geringfügig niedrigeren Höchststand des EZB-Leitzinses einpreisen als zu Beginn um 13.45 Uhr.“
„Wir erwarten weitere Zinserhöhungen im Dezember 2026 und März 2027, durch die der Einlagensatz schließlich auf 3,00 Prozent steigen dürfte. Der Iran-Krieg hat die Energiepreise unserer Einschätzung nach lange genug auf einem erhöhten Niveau gehalten, um zwei zusätzliche Zinsschritte zu rechtfertigen. Die Erhöhung im Dezember betrachten wir praktisch als ausgemacht. Der Schritt im März dürfte sich letztlich als notwendig erweisen, um die bestehenden Inflationsrisiken zu begrenzen.“
„Wir gehen davon aus, dass die Entscheidung, die Leitzinsen im Oktober unverändert zu lassen, einstimmig getroffen wird. Die EZB steht nicht unter unmittelbarem Handlungsdruck und verfolgt bei weiteren Zinserhöhungen einen vorsorglichen Ansatz, um das Risiko von Zweitrundeneffekten bei der Inflation zu begrenzen.“
„Während der Fragerunde ab 13.45 Uhr Londoner Zeit dürfte Christine Lagarde insbesondere mit Fragen zum Zinskurs nach Oktober konfrontiert werden. Im Mittelpunkt wird dabei stehen, wie viele weitere Zinserhöhungen die EZB plant. Wir erwarten, dass Lagarde eine Anhebung im Dezember so deutlich wie möglich signalisieren wird. Ähnlich war sie bereits im April und Juli vorgegangen, als sie die späteren Zinserhöhungen im Juni beziehungsweise September in Aussicht gestellt hatte.“
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