Goldpreis mit 99%-Szenario: Warum die Verkäufer weiter klar führen


Der Goldpreis steht wieder an einer Marke, die für die nächsten Handelstage entscheidend werden könnte. Am Freitagmorgen notieren die Gold-Futures (GCZ6) bei 4.042,40 US-Dollar und damit 0,44 % im Minus. Viel Luft nach unten bleibt damit zunächst nicht mehr: Bei 4.036 US-Dollar wartet eine wichtige Unterstützung. Fällt sie, könnte aus der bisherigen Schwäche schnell die nächste Verkaufswelle werden.

Das technische Bild spricht jedenfalls eine ziemlich klare Sprache. Auf Tagesbasis lautet das Signal weiterhin „Strong Sell“, und auch der Blick auf die vergangenen drei Monate zeigt einen intakten Abwärtstrend. Der Goldpreis liegt unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Der 20-Tage-EMA verläuft nach dem technischen Stand vom 23. Oktober bei 4.186,35 US-Dollar, der 50-Tage-SMA bei 4.351,31 US-Dollar und die 200-Tage-Linie bei 4.540,24 US-Dollar.

Damit ist Gold von einer technischen Trendwende noch weit entfernt. Entscheidend sind jetzt vor allem zwei Bereiche: 4.036 US-Dollar auf der Unterseite und 4.091 bis 4.124 US-Dollar auf der Oberseite.

Das wahrscheinlichste Szenario ist derzeit eindeutig. Für eine Fortsetzung des Abwärtstrends wird eine Wahrscheinlichkeit von 99 % angesetzt. Eine Umkehr des bearishen Trends kommt dagegen lediglich auf 1 %.

Beim Goldpreis entscheidet jetzt eine Marke

Wer sich den Chart genauer ansieht, erkennt einen fallenden Trendkanal beziehungsweise eine Struktur mit immer niedrigeren Widerständen. Die jüngsten Zwischenhochs bei 4.259 und 4.242 US-Dollar zeigen genau dieses Muster.

Hinzu kommt der Bruch der Marke von 4.091 US-Dollar. Damit hat der Goldpreis eine weitere Unterstützung verloren und den kurzfristigen Abwärtstrend bestätigt.

Von einem klassischen Doppeltop sollte man trotzdem nicht sprechen. Zwar lagen die Hochpunkte im Oktober auf einem ähnlichen Niveau, doch der Rückgang dazwischen war nicht groß genug, um eine belastbare Nackenlinie auszubilden. Ein bestätigtes Doppeltop liegt deshalb nicht vor.

Das ändert allerdings wenig am aktuellen Gesamtbild.

Auch die Momentum-Indikatoren sprechen weiterhin für die Verkäufer. Der RSI liegt bei 32,36 Punkten, der Commodity Channel Index bei -235,56 und der Williams %R bei -98,86.

Damit ist der Goldpreis inzwischen deutlich überverkauft.

Genau das könnte auf den ersten Blick verlockend aussehen. Schließlich folgt auf stark überverkaufte Märkte häufig zumindest eine technische Gegenbewegung. Doch hier liegt eine der typischen Fallen der Charttechnik: Überverkauft bedeutet nicht automatisch, dass der Tiefpunkt erreicht ist.

Gerade in einem ausgeprägten Abwärtstrend können RSI und andere Momentum-Indikatoren längere Zeit auf niedrigen Niveaus verharren. Ein niedriger RSI allein ist deshalb noch kein Kaufsignal.

Auch der ADX liefert derzeit keine Entwarnung. Er steht bei 25,03 Punkten. Gleichzeitig liegt der negative Directional Indicator bei 28,29 und damit deutlich über dem positiven Wert von 11,18.

Einfach gesagt: Die Verkäufer haben weiter die Oberhand.

Unter 4.036 Dollar wird es beim Goldpreis gefährlich

Besonders interessant ist deshalb die Marke von 4.036 US-Dollar.

Am 22. Oktober fiel der Goldpreis bereits bis auf dieses Niveau. Der Rückgang erfolgte bei erhöhtem Handelsvolumen. Gleichzeitig markierte das On-Balance-Volume ein neues Tief innerhalb des betrachteten Zeitraums.

Das ist wichtig, weil es dem jüngsten Rückgang mehr Gewicht verleiht. Die Bewegung nach unten wurde vom Volumen bestätigt und wirkt damit stärker als ein gewöhnlicher kurzfristiger Rücksetzer.

Sollte der Goldpreis nun nachhaltig unter 4.036 US-Dollar fallen, wäre die nächste Zielzone schnell erreicht. Zunächst rückt der Bereich zwischen 3.955 und 3.963 US-Dollar in den Fokus.

Hält auch diese Unterstützung nicht, liegt das nächste Kursziel bei etwa 3.920 US-Dollar.

Für das bearishe Fortsetzungsszenario wäre ein bestätigter Short-Einstieg bei rund 4.034 US-Dollar vorgesehen. Der Stop liegt bei 4.095 US-Dollar. Das erste Ziel bei 3.955 US-Dollar ergibt ein Chance-Risiko-Verhältnis von etwa 1,4. Beim zweiten Ziel von 3.920 US-Dollar steigt es auf rund 2,0.

Wer aggressiver agiert, könnte bereits im Bereich von 4.042 US-Dollar auf eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung setzen. Der zugehörige Stop liegt bei 4.092 US-Dollar.

Dabei gibt es allerdings einen wichtigen Punkt: Das erste Kursziel reicht beim bestätigten bearishen Trade noch nicht aus, um ein Chance-Risiko-Verhältnis von mindestens 1,5 zu erreichen. Erst das zweite Ziel bei etwa 3.920 US-Dollar erfüllt diese Voraussetzung.

Das zeigt zugleich, wie eng die aktuelle Situation geworden ist. Der Goldpreis handelt unmittelbar an einer Schlüsselzone. Fällt sie, öffnet sich technisch weiterer Raum nach unten.

Gibt es trotzdem eine Chance auf die Trendwende?

Ganz abschreiben sollte man die Käufer noch nicht.

RSI, CCI und Williams %R befinden sich allesamt im überverkauften Bereich. Eine technische Erholung ist deshalb durchaus möglich.

Doch für eine echte Trendwende müsste deutlich mehr passieren als ein paar stärkere Handelsstunden.

Die erste wichtige Hürde liegt bei 4.124 US-Dollar. Erst ein Tagesschluss oberhalb dieser Marke würde das kurzfristige Bild etwas verändern. Danach müsste der Goldpreis auch noch 4.215 US-Dollar zurückerobern.

Bis dahin bleibt jeder Anstieg zunächst eine Bewegung gegen den bestehenden Abwärtstrend.

Für das bullishe Szenario liegt der mögliche Einstieg nach einem bestätigten Schlusskurs oberhalb von 4.124 US-Dollar bei etwa 4.128 US-Dollar. Der Stop wäre bei 4.088 US-Dollar angesetzt.

Das erste Kursziel liegt bei 4.215 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von ungefähr 2,2. Das zweite Ziel befindet sich bei 4.242 US-Dollar und würde das Verhältnis auf etwa 2,9 erhöhen.

Das Problem: Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario liegt aktuell lediglich bei 1 %.

Auch der Wochenchart liefert bislang keine überzeugenden Argumente für die Käufer. Dort lautet das technische Signal ebenfalls „Strong Sell“. Der RSI auf Wochenbasis liegt bei 43,16 Punkten, während der MACD unterhalb seiner Signallinie verläuft.

Damit fehlt bislang auch auf der übergeordneten Zeitebene das Signal für einen nachhaltigen Richtungswechsel.

Goldpreis: Noch ist das kein Kaufsignal

Interessant ist auch die Tageskerze vom 23. Oktober. Sie fällt vergleichsweise schmal aus und bewegt sich nahe dem Tagestief.

Man könnte darin eine erste Stabilisierung sehen. Für ein echtes Kaufsignal reicht das allerdings nicht.

Die Kerze zeigt zunächst lediglich, dass der Verkaufsdruck eine Pause einlegt. Einen klaren Einstieg größerer Käufer bestätigt sie nicht.

Genau deshalb bleibt das bevorzugte technische Szenario eine Fortsetzung des Abwärtstrends. Das Volumen beim jüngsten Bruch spricht weiterhin für die Verkäufer, ebenso die Richtung der Momentum-Indikatoren.

Für den Goldpreis sind deshalb jetzt zwei Marken entscheidend.

Unterhalb von 4.036 US-Dollar würde sich das Chartbild noch einmal verschlechtern. Dann wären zunächst 3.955 bis 3.963 US-Dollar und anschließend rund 3.920 US-Dollar die nächsten Ziele.

Auf der anderen Seite braucht es einen Tagesschluss über 4.124 US-Dollar, bevor überhaupt von einer ernsthaften Erholung gesprochen werden kann. Die Rückeroberung von 4.215 US-Dollar wäre anschließend der nächste wichtige Schritt.

Damit befindet sich der Goldpreis momentan in einer ungewöhnlich klaren technischen Situation: Die Indikatoren sind bereits stark überverkauft, doch der Trend zeigt weiterhin nach unten.

Genau das macht die aktuelle Lage so gefährlich. Wer nur auf die überverkauften Signale schaut, könnte zu früh auf eine Erholung setzen. Wer dagegen den bestehenden Trend verfolgt, muss vor allem die Marke von 4.036 US-Dollar im Auge behalten.

Sie dürfte entscheiden, ob sich der Goldpreis zunächst stabilisiert - oder ob die nächste Abwärtswelle in Richtung 3.955 und möglicherweise 3.920 US-Dollar beginnt.

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Das sollten Sie am Freitag, den 23. Oktober, im Blick behalten:

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