Mitte Oktober überschritt der Silberpreis erstmals die Marke von 50 US-Dollar je Feinunze und erreichte damit ein Rekordhoch. Ende November wurde dieser Höchststand erneut übertroffen. Das aktuelle Allzeithoch liegt bei knapp 59 Dollar. Seit Jahresbeginn hat sich der Silberpreis damit nahezu verdoppelt. Damit steht Silber vor dem stärksten Jahresanstieg seit 1979. Der Preisanstieg fällt zudem kräftiger aus als bei Gold, was sich im Rückgang des Gold-Silber-Verhältnisses auf 72 widerspiegelt. Zuletzt lag dieses Preisverhältnis im August 2021 niedriger. Das aktuelle Gold-Silber-Verhältnis liegt damit unter dem Fünfjahresdurchschnitt, aber noch leicht über dem Durchschnitt der vergangenen 46 Jahre, wie Commerzbank-Devisenexperte Michael Pfister anmerkt.

Silber erreicht neues Rekordhoch nahe 59 Dollar

„Diese Unterbewertung war ein wesentlicher Grund für den kräftigen Preisanstieg zwischen Anfang Juni und Ende September. In diesem Zeitraum kam es zu starken Zuflüssen in die von Bloomberg erfassten Silber-ETFs von nahezu 3.000 Tonnen. Der Preisanstieg seit Oktober ist hingegen auf eine lokale Knappheit des Silberangebots zurückzuführen – zunächst in London und aktuell in Shanghai. Auch die aktuellen Prognosen des Silver Institute und von Metals Focus zeigen, dass der Silbermarkt angespannt ist. Demnach dürfte der Markt in diesem Jahr ein Angebotsdefizit von 95 Millionen Unzen aufweisen.“

„Da Silber gegenüber Gold inzwischen nicht mehr deutlich unterbewertet ist, dürfte die eigenständige Aufwärtsbewegung bald enden und sich der Silberpreis wieder stärker am Goldpreis orientieren. Die angespannte Marktlage bleibt jedoch ein preisstabilisierender Faktor. Aufgrund des kräftigen Preisanstiegs könnte es allerdings Versuche geben, den Einsatz von Silber in industriellen Anwendungen zu reduzieren, um Kosten zu senken. Fraglich ist jedoch, ob dies insbesondere bei Solarzellen noch möglich ist, ohne deren Funktionalität zu beeinträchtigen, da der Silberanteil in Solarzellen bereits nach dem Preisanstieg auf 50 Dollar im Jahr 2011 deutlich reduziert wurde.“

„Damit das Angebotsdefizit verschwindet, wäre ein spürbarer Rückgang der industriellen Nachfrage erforderlich, was angesichts der weiter steigenden Silbernachfrage für Solarzellen und Elektroautos als unwahrscheinlich gilt. Rückenwind dürfte zudem die erwartete deutliche Lockerung der Geldpolitik durch die US-Notenbank bringen. Wir rechnen daher im kommenden Jahr mit einem weiteren, wenn auch moderaten Preisanstieg auf 59 US-Dollar je Feinunze. Das Gold-Silber-Verhältnis läge dann bei 75, womit sich Silber weitgehend im Gleichlauf mit Gold bewegen würde.“

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