Goldpreis: UBS sieht 5.400 Dollar - doch vorher könnte es noch einmal krachen


Der Goldpreis hat ein Problem: Die US-Notenbank erhöht die Zinsen, der Dollar gewinnt an Stärke und amerikanische Staatsanleihen werfen wieder höhere reale Renditen ab. Eigentlich keine guten Voraussetzungen für das Edelmetall. Doch ausgerechnet jetzt legt sich die UBS fest. Die Schweizer Großbank erwartet, dass der Goldpreis bis September 2027 auf 5.400 US-Dollar je Feinunze steigt.

Am 17. September kostete eine Feinunze Gold noch 4.312 Dollar. Damit sieht die UBS auf Sicht von zwölf Monaten ein Kurspotenzial von rund 25 %. Kurzfristig könnte es allerdings noch einmal ungemütlich werden. Die Bank hält einen Rücksetzer in Richtung 4.000 Dollar für möglich und würde niedrigere Kurse zum Ausbau von Goldpositionen nutzen.

Warum ist die UBS trotz steigender Zinsen so optimistisch? Die Antwort liegt nicht allein in der Geldpolitik. Vor allem die ausufernde Staatsverschuldung, ein langfristig schwächerer Dollar und die Käufe der Zentralbanken sprechen aus Sicht der Bank für einen weiter steigenden Goldpreis.

Fed erhöht die Zinsen: Was bedeutet das für den Goldpreis?

Die Federal Reserve hat am 16. September ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 % angehoben. Die amerikanische Wirtschaft entwickelt sich nach Einschätzung der Notenbank weiterhin solide, die Konsumausgaben zeigen sich robust und die Inflation bleibt erhöht.

Für UBS-Stratege Giovanni Staunovo war es eine restriktive Zinserhöhung, mit der die Fed ihre lange Zinspause beendet hat.

Dabei dürfte es nicht bleiben. Die aktualisierten Projektionen zeigen, dass die meisten Fed-Vertreter noch in diesem Jahr mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung rechnen.

Für Gold ist das zunächst ein Problem. Das Edelmetall wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Steigen die realen Renditen amerikanischer Staatsanleihen, also die um die Inflation bereinigten Zinserträge, wird es für Anleger attraktiver, ihr Geld in verzinslichen Anlagen unterzubringen.

Hinzu kommt der stärkere US-Dollar, der den Goldpreis ebenfalls belastet. Da Gold international in Dollar gehandelt wird, verteuert ein steigender Wechselkurs das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums.

Staunovo bezeichnet diese Kombination als kurzfristigen Gegenwind für Gold.

Dass die Geldpolitik für Anleger zuletzt wieder wichtiger geworden ist, zeigt ein Blick auf die Gold-ETFs. Im August verzeichneten die börsengehandelten Goldfonds kräftige Kapitalzuflüsse. Verantwortlich waren unter anderem die Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank und die steigende Staatsverschuldung.

Nach dem restriktiven Ton der jüngsten Fed-Sitzung könnten allerdings einige Anleger ihre Positionen wieder reduzieren. Staunovo hält entsprechende Abflüsse aus Gold-ETFs für möglich.

Entscheidend ist deshalb, zwischen der kurzfristigen Reaktion auf die Zinserhöhung und den längerfristigen Aussichten zu unterscheiden.

Warum die UBS beim Goldpreis trotzdem optimistisch bleibt

Die jüngste Zinserhöhung war für die UBS keine Überraschung. Nach Einschätzung Staunovos hatten die Marktteilnehmer den Schritt bereits weitgehend erwartet.

Die langfristigen Argumente für Gold bleiben aus seiner Sicht deshalb unverändert.

Ein wesentlicher Faktor ist die weltweit steigende Verschuldung. Immer höhere Schuldenstände und wachsende Haushaltsdefizite werfen Fragen nach der langfristigen Tragfähigkeit der Staatsfinanzen auf. Genau in einem solchen Umfeld kann Gold für Anleger und Zentralbanken an Bedeutung gewinnen.

Dazu kommt die erwartete Entwicklung des US-Dollars. Die UBS rechnet damit, dass die amerikanische Währung im Laufe der Zeit an Wert verliert. Ein schwächerer Dollar würde den Goldpreis tendenziell unterstützen.

Auch bei den Zinsen erwartet die Bank eine Veränderung. Während die Fed derzeit noch an der Zinsschraube dreht, geht die UBS davon aus, dass im kommenden Jahr wieder Zinssenkungen folgen.

Damit könnten sich die Bedingungen für Gold erneut verbessern. Sinkende reale Anleiherenditen reduzieren den finanziellen Nachteil, der entsteht, wenn Anleger ein unverzinstes Edelmetall statt einer verzinslichen Anlage halten.

Die weiterhin hohe geopolitische Unsicherheit kommt als zusätzlicher Faktor hinzu.

Die UBS setzt damit auf eine Entwicklung, bei der die kurzfristigen Belastungen durch die amerikanische Geldpolitik allmählich nachlassen, während die strukturellen Argumente für Gold bestehen bleiben.

China kauft seit 22 Monaten Gold – und ist nicht allein

Ein wichtiger Grund für die Zuversicht der UBS liegt bei den Zentralbanken.

Während private Anleger ihre Goldbestände abhängig von Zinsen, Dollar und Marktstimmung anpassen, bauen zahlreiche Notenbanken ihre Reserven weiter aus.

Besonders auffällig ist die Entwicklung in China. Die People's Bank of China kaufte im August rund 20 Tonnen Gold. Damit hat die chinesische Zentralbank ihre Bestände inzwischen 22 Monate in Folge erhöht.

Auch Polen und Usbekistan stockten ihre Reserven auf. Die jeweiligen Zentralbanken kauften im August rund acht Tonnen Gold.

Die UBS erwartet, dass die weltweiten Zentralbankkäufe weiterhin zwischen 750 und 1.000 Tonnen pro Jahr liegen werden.

Für Staunovo ist das eine „wichtige Quelle struktureller Unterstützung für Gold“.

Warum ist das so bedeutsam?

Zentralbanken kaufen Gold nicht ausschließlich, weil sie kurzfristig auf steigende Kurse spekulieren. Das Edelmetall erfüllt für sie eine strategische Funktion innerhalb ihrer Währungsreserven.

Dabei geht es unter anderem darum, Risiken breiter zu streuen und die Abhängigkeit von einzelnen Währungen zu reduzieren.

Die anhaltenden Käufe schaffen eine zusätzliche Nachfrage, die nicht unmittelbar davon abhängt, ob die Fed ihren Leitzins um 25 Basispunkte erhöht oder senkt.

Für den Goldpreis kann das einen wichtigen Unterschied machen.

Gold trotzt hohen Zinsen: Die UBS sieht einen entscheidenden Wandel

Normalerweise gibt es am Goldmarkt einen recht einfachen Zusammenhang: Steigen die realen Zinsen, gerät Gold unter Druck. Fallen sie, verbessert sich das Umfeld für das Edelmetall.

Doch dieser Zusammenhang erklärt die Preisentwicklung längst nicht mehr vollständig.

Staunovo verweist darauf, dass sich Gold auch in Phasen steigender Realrenditen bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt hat.

Für den UBS-Strategen ist das ein Hinweis darauf, dass traditionelle, hauptsächlich auf Zinsen basierende Bewertungsmodelle „nur einen Teil der Geschichte erfassen“.

Die Gründe dafür gehen weit über die amerikanische Geldpolitik hinaus.

Ein Thema ist die Frage, ob Staaten im Ernstfall uneingeschränkt auf ihre Währungsreserven zugreifen können. Internationale Sanktionen können den Zugang zu bestimmten Vermögenswerten einschränken.

Hinzu kommen die Risiken einer immer höheren Staatsverschuldung und Zweifel an der langfristigen Stabilität der öffentlichen Finanzen.

Gold besitzt in diesem Zusammenhang eine besondere Eigenschaft: Es ist keine Verbindlichkeit einer anderen Institution.

Eine Staatsanleihe ist letztlich ein Zahlungsversprechen des jeweiligen Staates. Eine Bankeinlage stellt eine Forderung gegenüber einer Bank dar. Physisches Gold dagegen ist selbst der Vermögenswert und setzt bei direktem Besitz keinen Schuldner voraus.

Gerade für Zentralbanken kann diese Eigenschaft entscheidend sein.

Die UBS sieht darin einen wichtigen Grund, warum Staaten ihre Reserven schrittweise diversifizieren und ihre bisher hohe Konzentration auf den US-Dollar reduzieren könnten.

Damit gewinnt Gold eine Bedeutung, die sich nicht allein aus dem Vergleich mit amerikanischen Staatsanleihen ableiten lässt.

Goldpreis bei 5.400 Dollar: So sieht die UBS-Prognose aus

Wie weit könnte der Goldpreis nach Einschätzung der Schweizer Großbank noch steigen?

Für Dezember 2026 erwartet die UBS zunächst einen Preis von 4.600 US-Dollar je Feinunze. Bereits drei Monate später, im März 2027, soll Gold die Marke von 5.000 Dollar erreichen.

Damit wäre nach Einschätzung der Bank allerdings noch nicht das Ende der Aufwärtsbewegung erreicht.

Für Juni 2027 liegt das Kursziel bei 5.200 Dollar. Bis September 2027 rechnet die UBS schließlich mit einem Goldpreis von 5.400 Dollar je Feinunze.

Ausgehend vom Spotpreis von 4.312 Dollar am 17. September entspricht das einem möglichen Anstieg von rund 25 % innerhalb eines Jahres.

Die Prognose setzt voraus, dass sich die längerfristigen Erwartungen der UBS bewahrheiten. Dazu gehören eine Abschwächung des Dollars, Zinssenkungen im kommenden Jahr und eine anhaltend hohe Nachfrage nach Gold.

Kurzfristig könnte der Weg dorthin allerdings holprig werden.

Vor allem die restriktivere Fed und die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen könnten dafür sorgen, dass Anleger zunächst Gewinne mitnehmen oder ihre Goldpositionen reduzieren.

Staunovo sieht darin jedoch keinen Grund, seine längerfristige Einschätzung aufzugeben.

„Wir glauben, dass die langfristigen Argumente für eine Anlage in Gold weiterhin positiv sind“, schrieb der UBS-Stratege.

Rücksetzer in Richtung 4.000 Dollar böten seiner Einschätzung nach „Gelegenheiten, das Engagement auszubauen“.

Die Marke von 4.000 Dollar ist damit eine wichtige Orientierungsgröße innerhalb der UBS-Prognose. Sie ist allerdings weder ein garantiertes Kursziel noch eine Untergrenze, die der Goldpreis nicht unterschreiten könnte.

Mein Fazit: Beim Goldpreis entscheidet mehr als die Fed

Wer den Goldpreis ausschließlich anhand der amerikanischen Zinspolitik beurteilt, könnte nach Einschätzung der UBS wichtige Entwicklungen übersehen.

Natürlich sind die jüngste Zinserhöhung und die Aussicht auf weitere Schritte zunächst Belastungsfaktoren. Höhere reale Anleiherenditen und ein starker Dollar können Anleger dazu bewegen, ihre Goldbestände zu reduzieren.

Doch die langfristige Nachfrage wird zunehmend von anderen Faktoren geprägt.

Die Zentralbanken kaufen weiterhin große Mengen Gold, die weltweite Verschuldung steigt und das Interesse an einer breiteren Diversifizierung von Währungsreserven bleibt hoch.

Dazu erwartet die UBS, dass die Fed im kommenden Jahr wieder zu Zinssenkungen übergehen wird und der Dollar langfristig an Wert verliert.

Aus Sicht der Bank sprechen diese Entwicklungen dafür, dass sich der Goldpreis trotz möglicher kurzfristiger Rückschläge weiter nach oben bewegen kann.

Mit ihrem Kursziel von 5.400 Dollar bis September 2027 geht die UBS von einem weiteren Anstieg um rund 25 % aus.

Für Anleger ist dabei vor allem eines wichtig: Die Prognose beschreibt ein mögliches Szenario, keinen sicheren Kursverlauf. Sollten die realen Renditen länger hoch bleiben, der Dollar weiter zulegen oder die Zentralbanknachfrage schwächer ausfallen, könnte sich die Entwicklung anders darstellen.

Die UBS hält dennoch an ihrer positiven Einschätzung fest. Ein Rücksetzer in Richtung 4.000 Dollar wäre für Staunovo nicht das Ende der Gold-Story, sondern eine Gelegenheit, bestehende Positionen auszubauen.

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Der US-Dollar-Index (DXY) verzeichnet am Freitag moderate Gewinne um 100,30, da Händler weiterhin die jüngste Zinserhöhung der Federal Reserve und geldpolitische Signale bewerten. Am Mittwoch beschloss die US-Notenbank, ihren Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne von 3,75 % bis 4,00 % anzuheben. Dies ist das erste Mal seit Juli 2023, dass die Fed die Zinsen erhöht hat. Die Rede von Fed-Gouverneurin Michelle Bowman ist für später am Freitag angesetzt.

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