Am Donnerstag setzte der Goldpreis (XAU/USD) seinen Höhenflug fort und erreichte mit 2.690 US-Dollar pro Unze ein neues Rekordhoch. Dies geschah trotz eines kurzzeitigen Rücksetzers, nachdem überraschend starke US-Einzelhandelsdaten veröffentlicht wurden, die den US-Dollar stützten und damit Druck auf den Goldpreis ausübten.

Die US-Einzelhandelsumsätze stiegen im September um 0,4 % gegenüber dem Vormonat, nachdem sie im August nur um 0,1 % zugelegt hatten und lagen damit deutlich über den Erwartungen von 0,3 %. Auch ohne Berücksichtigung von Autos wuchsen die Umsätze um 0,5 %, was über den Prognosen von 0,1 % lag, so Daten des US Census Bureau.

Trotz der Dollarstärke konnte sich der Goldpreis schnell erholen und kletterte auf das neue Allzeithoch. Analysten führten dies auf eine Kombination aus sinkenden Zinserwartungen weltweit und einem verstärkten Sicherheitsbedürfnis der Investoren zurück. Die wachsenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold zusätzlich befeuert.

Zinssenkungserwartungen treiben Goldpreis nach oben

Ein wesentlicher Faktor für den Anstieg des Goldpreises ist die Erwartung, dass die Zentralbanken weltweit ihre Zinsen senken werden. Mit fallender Inflation und einer abkühlenden globalen Konjunktur wird eine Lockerung der Geldpolitik immer wahrscheinlicher. Niedrigere Zinsen sind vorteilhaft für Gold, da sie die Attraktivität des zinslosen Edelmetalls erhöhen und die Opportunitätskosten für Anleger senken.

In Großbritannien sorgten schwächer als erwartete Inflationsdaten im September dafür, dass die Bank of England (BoE) im November voraussichtlich die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 4,75 % senken wird. Auch in Kanada wird die Bank of Canada (BoC) voraussichtlich eine aggressive Zinssenkung um 50 Basispunkte im Oktober vornehmen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte am Donnerstag ebenfalls ihren Leitzins um 0,25 %, nachdem die Inflation zum ersten Mal seit 2021 unter ihr Ziel von 2 % gefallen war. Diese Entscheidung, zusammen mit den jüngsten Zinssenkungen in Asien, unterstützte die Goldrally zusätzlich.

Eingeschränktes Aufwärtspotenzial durch US-Notenbank

Trotz der positiven Stimmung rund um Gold bleiben die Erwartungen an eine rasche Zinssenkung in den USA gedämpft. Jüngste Äußerungen von Fed-Vertretern deuten darauf hin, dass die US-Notenbank möglicherweise langsamer vorgeht als erwartet. Mary Daly, Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Francisco, und Raphael Bostic, Präsident der Federal Reserve Bank of Atlanta, sprachen sich beide für eine zurückhaltende Zinspolitik aus, was den Goldpreis möglicherweise bremsen könnte.

WGC bestätigt langfristige Stärke von Gold

Laut einer neuen Studie des World Gold Council (WGC), die am Donnerstag veröffentlicht wurde, erzielte Gold in den letzten 50 Jahren durchschnittlich eine jährliche Rendite von 8 %. Dies widerspricht der gängigen Auffassung, dass Gold vor allem als Inflationsschutz dient. Der WGC betonte, dass Gold im langfristigen Vergleich eher das weltweite Wirtschaftswachstum widerspiegele und nicht nur als Wertaufbewahrungsmittel fungiere.

WGC

Technische Analyse: Gold auf dem Weg zu weiteren Höhen

Der Aufwärtstrend von Gold bleibt intakt, nachdem das Edelmetall auf ein neues Rekordhoch ausgebrochen ist. Technische Analysten sehen kurzfristig einen möglichen Rücksetzer in den Bereich von 2.670 oder 2.650 US-Dollar.

Gold

Dennoch dürfte der übergeordnete Aufwärtstrend anhalten, mit dem nächsten Ziel bei der psychologisch wichtigen Marke von 2.700 US-Dollar. Der Relative Strength Index (RSI) zeigt noch keine überkaufte Situation an, was weiteres Aufwärtspotenzial signalisiert.

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