Der Goldpreis hat Anleger in den vergangenen Monaten elektrisiert. Erst der Durchbruch über die magische Marke von 5.000 US-Dollar, dann neue Hochs – und jetzt der Dämpfer. Spot-Gold (XAU/USD) handelt aktuell nahe 5.121 US-Dollar je Unze, nachdem die Notierung zuvor die Zone um 5.178 bis 5.192 US-Dollar erreicht hatte. Im Vergleich zu rund 5.150 US-Dollar zur gleichen Zeit gestern bedeutet das ein Minus von etwa 0,6 %. Die April-Futures stehen bei etwa 5.181 US-Dollar, 45,20 US-Dollar tiefer, nachdem sie über Nacht ein frisches Drei-Wochen-Hoch markiert hatten.
Und trotzdem: Wer den größeren Blick wagt, erkennt die Wucht der Bewegung. Gold liegt weiterhin rund 180 US-Dollar über dem Bereich von 4.941 US-Dollar vor einem Monat und sogar etwa 2.206 US-Dollar über der Zone um 2.915 US-Dollar vor einem Jahr. Das entspricht einem Anstieg von ungefähr 75 bis 76 % im Jahresvergleich. Der Markt hat die 5.000er-Schwelle klar hinter sich gelassen – jetzt wird getestet, wie tragfähig diese neuen Preisregionen wirklich sind. Genau hier beginnt die entscheidende Goldpreis Prognose.
Gewinnmitnahmen: Der Klassiker nach der Rally
Der aktuelle Rücksetzer wirkt dramatischer, als er ist. Gold sprang in der vorherigen Sitzung um mehr als 2 % und kletterte auf ein Hoch, das seit über drei Wochen nicht mehr gesehen wurde. Solche Bewegungen locken kurzfristige Käufer an – Trader, die Momentum jagen und schnell reagieren.
Als Spot in der Nähe von 5.190 US-Dollar ins Stocken geriet und Futures um 5.269 US-Dollar nicht weiterkamen, passierte das Naheliegende: Gewinne wurden realisiert. Diese Welle der Gewinnmitnahmen nahm dem Markt kurzfristig die Kaufdynamik und drückte den Preis kontrolliert aus der 5.178–5.192-US-Dollar-Zone zurück Richtung 5.121 US-Dollar.
Wichtig dabei: Das ist keine Panik, kein Crashsignal, kein Ausverkauf. Es ist ein geordnetes „Abkühlen“ nach einer steilen Vier-Tage-Rally innerhalb eines deutlich größeren Aufwärtstrends.
US-Dollar legt zu – Gegenwind für Gold
Parallel zeigte sich der US-Dollar-Index zuletzt fester. Für den Goldpreis ist das traditionell ein Belastungsfaktor. Gold wird in US-Dollar gehandelt. Steigt der Dollar, verteuert sich jede Unze für Käufer außerhalb der USA.
Genau dieser Effekt ist sichtbar: Der Dollar-Anstieg fiel zeitlich zusammen mit dem Rückgang von etwa 5.192 US-Dollar auf 5.121 US-Dollar im Spotmarkt. Die April-Futures verloren im selben Atemzug über 45 US-Dollar. Der stärkere Dollar verstärkte damit die ohnehin laufenden Gewinnmitnahmen und drückte kurzfristig die Nachfrage.
Saudi-Arabien bestätigt: Das ist eine echte Korrektur
Ein Blick auf die lokalen Preise zeigt, dass es sich nicht nur um eine Währungsverschiebung handelt. In Saudi-Arabien fiel der Goldpreis von 631,61 SAR pro Gramm auf 622,84 SAR. Der Preis pro Tola sank von 7.366,99 SAR auf 7.264,78 SAR.
Selbst in einer an den Dollar gekoppelten Volkswirtschaft sehen Käufer also real niedrigere Preise. Das unterstreicht: Diese Bewegung ist eine echte Korrektur im globalen Goldpreis – keine optische Täuschung.
Für den physischen Markt bedeutet das oft etwas anderes als für nervöse Trader: Rücksetzer werden nicht selten als Kaufchance interpretiert.
Charttechnik: Der Aufwärtstrend lebt
Strukturell bleibt XAU/USD in einem starken Trend. Der Preis prallte zuletzt von einer steigenden Trendlinie sowie vom 50-Tage-EMA nach oben ab, eroberte die Marke von 5.000 US-Dollar zurück und schob sich auf neue kurzfristige Hochs.
Die entscheidenden Zonen:
- 5.150 US-Dollar: ehemaliger Widerstand, nun kurzfristige Unterstützung
- 5.120–5.100 US-Dollar: Wochentief, erster echter Test für Dip-Käufer
- 5.000 US-Dollar: zentrale psychologische Linie
- 4.854,20 US-Dollar: solide technische Unterstützung (April-Kontrakt)
Solange Gold oberhalb von 4.854 US-Dollar bleibt, spricht das Chartbild eher für eine Konsolidierung innerhalb eines Bullenmarktes – nicht für das Ende der Rally.
Nach oben: Diese Marken zählen jetzt
Auf der Oberseite rücken andere Levels in den Fokus. Das Hoch der Nacht bei 5.269,40 US-Dollar markiert die Spitze des letzten Spikes. Darüber wartet die runde 5.300-US-Dollar-Marke, wo die Kaufdynamik zuletzt ins Stocken geraten war.
Ein überzeugender Schlusskurs über 5.300 US-Dollar würde den Blick Richtung 5.400 US-Dollar lenken. Diese Zone gilt als massiver Widerstand bei den April-Futures. Ein Ausbruch darüber – idealerweise mit Volumen – könnte eine neue Aufwärtswelle auslösen.
Wyckoff-Rating 7,0: Vorteil für die Bullen
Technisch liegt das Wyckoff-Rating für April-Gold bei 7,0. Das signalisiert einen klaren Vorteil für die Käuferseite – allerdings ohne Einbahnstraßencharakter.
Bei Preisen über 5.000 US-Dollar sind tägliche Schwankungen von 40 bis 60 US-Dollar je Unze keineswegs außergewöhnlich. Der aktuelle Rücksetzer passt exakt in dieses Volatilitätsmuster.
Das Tape zeigt Rotation, nicht Kapitulation.
Zölle, Politik, Risiko: Der Makro-Unterbau bleibt stark
Der makroökonomische Hintergrund stützt den Goldpreis weiterhin. Neue US-Globalzölle von 10 %, mit Plänen zur Anhebung Richtung 15 %, sorgen bereits für Spannungen mit der Europäischen Union. Dort argumentiert man, dass effektive Abgaben auf einzelne Produkte inzwischen über der vereinbarten 15-%-Obergrenze liegen.
Parallel laufende Prüfungen unter Section 232 und Section 301, etwa für Batterien und industrielle Chemikalien, verstärken den Eindruck: Handelspolitik driftet Richtung Konfrontation.
Für Gold bedeutet das: steigende Nachfrage nach sicheren Häfen außerhalb des Fiat-Systems.
Warnsignale vom Kreditmarkt
Auch aus dem Finanzsektor kommen vorsichtige Töne. Ein CEO einer großen US-Bank zog bereits Parallelen zu 2005 bis 2007 und warnte davor, dass Marktteilnehmer „dumme Dinge“ tun, um Net Interest Income zu steigern.
Late-Cycle-Rhetorik. Wenn Bilanzen gestreckt werden und Standards sinken, wächst die Gefahr einer schärferen Korrektur bei Risikoanlagen.
Dass Gold gleichzeitig von rund 2.900 auf über 5.000 US-Dollar steigt, deutet darauf hin, dass das Metall Risiken diskontiert, die in Aktienmärkten noch nicht vollständig sichtbar sind.
China bleibt vorsichtig stabil
Die People’s Bank of China hält den 1-year Loan Prime Rate bei 3,0 % und den 5-year LPR bei 3,5 % – seit neun Monaten unverändert.
Das signalisiert Stabilisierung statt aggressiver Lockerung. China erreichte zuletzt rund 5 % Wachstum, kämpft aber weiterhin mit Handelsspannungen und strukturellen Herausforderungen.
Für Gold heißt das: kein Boom, der Safe-Haven-Nachfrage verdrängt, aber auch kein Panikmodus, der Hedging überflüssig macht.
Dollar und Renditen: Gegenwind mit Verfallsdatum?
Der US-Dollar-Index bleibt fest, die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe liegt nahe 4,04 %, Öl handelt um 66,50 US-Dollar je Barrel.
Ein stärkerer Dollar und positive Realrenditen belasten Gold traditionell. Doch diese Renditen existieren in einer Welt mit höheren Zöllen, Inflationsrisiken und geopolitischer Unsicherheit.
Sollten kommende Daten Zweifel an der Dauer restriktiver Politik nähren, könnte der Dollar schnell drehen. Gold bewegt sich häufig vor solchen Neubewertungen.
Zentralbanken: Der stille Käufer im Hintergrund
Ein zentraler Faktor bleibt unverändert: Zentralbanken kaufen weiter Gold. Diese Nachfrage ist strategisch, nicht spekulativ.
Ein Rückgang der Futures um 45,20 US-Dollar in einer Sitzung ändert nichts an langfristigen Reserveüberlegungen. Zentralbankkäufe stabilisieren den Markt und verwandeln scharfe Rücksetzer oft in kaufbare Dips.
Langfristige Rolle von Gold
Historisch lieferten Aktienmärkte von 1971 bis 2024 rund 10,7 % Rendite pro Jahr. Gold kam auf etwa 7,9 %.
Gold ist damit kein Wachstumsersatz, sondern ein Schutzinstrument. Genau diese Rolle zeigte sich zuletzt eindrucksvoll: Gold plus 75–76 % im Jahresvergleich – getrieben von Inflation, Politik und Risiko.
Ein Rücksetzer von 0,6 % wirkt vor diesem Hintergrund eher wie Marktrauschen.
Was jetzt wichtig wird
Die nächsten Impulse kommen vom Makrokalender. US-Inflations- und Arbeitsmarktdaten sowie neue Zentralbank-Kommentare dürften die Erwartungen für Realrenditen und den Dollar prägen.
Heißere Inflationsdaten könnten Druck auf Gold halten und einen Retest von 5.100–5.000 US-Dollar erzwingen. Schwächere Daten oder Signale einer Lockerung könnten den Weg Richtung 5.269–5.300 und danach 5.400 US-Dollar ebnen.
Goldpreis Prognose: Pause statt Peak?
Der Goldpreis notiert nahe 5.121 US-Dollar. Unterstützungen liegen bei 5.150, 5.120–5.100, 5.000 und 4.854,20 US-Dollar. Widerstände warten bei 5.269–5.300 und 5.400 US-Dollar.
Zentralbankkäufe, Zoll-Eskalation, Late-Cycle-Signale und Inflationsrisiken sprechen eher für eine Konsolidierung innerhalb eines Bullenmarktes als für das Ende der Bewegung.
Die taktische Karte ist klar: Rücksetzer in Richtung 5.150–5.000 US-Dollar bleiben die zentrale Beobachtungszone. Erst ein klarer Tagesschluss unter 4.854 US-Dollar würde das bullische Bild ernsthaft beschädigen.
Bis dahin bleibt der aktuelle Dämpfer vor allem eines: eine Unterbrechung in einem außergewöhnlich starken Trend.
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Das sollten Sie am Mittwoch, den 25. Februar, im Blick behalten:
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