Eine weitere Großbank hat ihre Goldprognose angehoben.
Diesmal zeigt sich JPMorgan trotz der jüngsten Korrektur optimistischer.
Das Institut erhöhte seine Goldprognose für 2026 von 5.055 auf 6.300 US-Dollar je Feinunze.
Analysten von JPMorgan verweisen darauf, dass die Korrektur von 11 Prozent Ende des vergangenen Monats zu den stärksten Rücksetzern in der Geschichte des Goldpreises zählt, vergleichbar mit dem Einbruch von 13 Prozent im Januar 1980 und dem Minus von 12 Prozent im Februar 1983.
Gleichzeitig betonen sie, dass Goldanleger keinen Anlass zur Sorge hätten.
„Selbst unter Berücksichtigung der jüngsten kurzfristigen Volatilität bleiben wir mittelfristig fest von Gold überzeugt, getragen von einem klaren, strukturellen und anhaltenden Diversifikationstrend, der vor dem Hintergrund eines weiterhin gefestigten Regimes der Outperformance realer Vermögenswerte gegenüber Papierwerten weiter Bestand hat.“
Zudem skizzieren die JPMorgan-Analysten ein Szenario mit Goldpreisen von 8.000 US-Dollar, falls private Haushalte ihre Allokationen spürbar erhöhen. Dies unterstreicht, dass Gold zwar zeitweise überverkauft sein kann, insgesamt aber weiterhin deutlich untergewichtet ist.
Das Interesse an Gold als Instrument zur Portfoliodiversifikation hat zuletzt zugenommen. Im vergangenen Herbst hatte Morgan-Stanley-CIO Michael Wilson Investoren geraten, die klassische 60/40-Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen zu überdenken und stattdessen eine 60/20/20-Struktur mit 20 Prozent Edelmetallen in Betracht zu ziehen.
Westliche Investoren – institutionelle wie private – halten derzeit im Schnitt weniger als 1 Prozent Gold in ihren Portfolios.
Die Analysten von JPMorgan schätzen, dass Privatanleger aktuell rund 3 Prozent ihres Vermögens in Gold investieren. Steigt dieser Anteil moderat auf 4,6 Prozent, würde die zusätzliche Nachfrage auf einen Markt treffen, der durch begrenztes neues Minenangebot und anhaltende Käufe von Zentralbanken bereits eingeschränkt ist. Dies „könnte auf eine Preisspanne für Gold“ zwischen 8.000 und 8.500 US-Dollar je Feinunze hindeuten.
Zur Untermauerung dieses Szenarios erklären die Analysten, Gold entwickle sich zunehmend zu einer „Kernposition“, die in Portfolios „auf ein höheres Niveau neu bewertet“ werde, statt lediglich als Absicherung, die in Krisenzeiten kurzfristig nach oben ausschlägt.
Laut einem CNBC-Bericht erklärte JPMorgan-Stratege Nikolaos Panigirtzoglou, Haushalte ersetzten Anleihen mit „Durationsrisiko“ durch eine stärkere Goldgewichtung. Er bezeichnete dies als eine Umschichtung zwischen Rendite- und Kaufkraftrisiken.
Der Kaufkraftverlust wird zunehmend als Risiko wahrgenommen, da die US-Regierung ihre Verschuldung weiter ausweitet. Die Steuerung von Kreditaufnahme und Ausgaben sei letztlich nur über die Inflationssteuer möglich. Trotz einer Abschwächung des Verbraucherpreisindex (CPI) zeigen sich steigende inflationäre Tendenzen in der Geldmenge.
Die Analysten von JPMorgan heben hervor, dass Gold in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 170 Prozent zugelegt hat.
„Es gibt eine lange Liste von Gründen dafür, doch der wichtigste Treiber könnte eine neue Ära geopolitischer Volatilität und Fragmentierung sein, die Investoren zum Kauf des Edelmetalls veranlasst. Hinzu kommen Sorgen über Währungsabwertung, Wachstum, Inflation und eine unverantwortliche Fiskalpolitik, die sich bislang nicht vollständig in Staatsanleihen widerspiegeln. Es überrascht daher nicht, dass das Edelmetall in Stressphasen bei Anlegern gefragt war.“
Nach Einschätzung der JPMorgan-Analysten dürfte auch die Goldnachfrage der Zentralbanken den Markt weiter stützen.
„Die Nettokäufe von Gold haben sich seit Beginn von Russlands Krieg gegen die Ukraine im Jahr 2022 verdoppelt. Zentralbanken haben die Nachfrage nach dem Edelmetall angekurbelt, um ihre Reserven weg vom US-Dollar zu diversifizieren, nachdem die Vereinigten Staaten russische Vermögenswerte eingefroren hatten.“
Zwar räumen die Analysten von JPMorgan ein, dass es Argumente für ein Ende der Goldrally gebe – sie halten diese jedoch für unzutreffend.
„Diese Rally im Goldpreis war nicht und wird nicht linear verlaufen. Wir sind jedoch der Ansicht, dass die Trends, die diese Neubewertung auf ein höheres Preisniveau treiben, nicht erschöpft sind. Der langfristige Trend zur Diversifikation offizieller Reserven und privater Portfolios in Gold dürfte anhalten.“
Grund dafür sei, dass der Preisanstieg auf fundamentalen Faktoren und nicht auf reiner Spekulation beruhe.
„Neben der Absicherung gegen kurzfristige geopolitische Risiken dient Gold als langfristiger Diversifikator. Es ist ein Vermögenswert, der vor Inflation schützen, sich in Marktschwächen besser entwickeln und aufgrund seiner vergleichsweise geringen Korrelation zu anderen Anlageklassen die Gesamtvolatilität eines Portfolios reduzieren kann.“
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