Der Goldpreis steigt am Mittwochmorgen um 0,72 % auf 4.363,84 US-Dollar. Klingt zunächst nach Entspannung. Doch wer jetzt bereits auf die große Trendwende setzt, könnte zu früh dran sein. Denn technisch bleibt Gold angeschlagen – und ausgerechnet jetzt nähert sich der Kurs einem Bereich, der über die nächste größere Bewegung entscheiden könnte.
Dabei stehen zwei Marken besonders im Mittelpunkt: 4.260 und 4.460 US-Dollar.
Solange sich der Goldpreis zwischen diesen beiden Niveaus bewegt, fehlt ein wirklich klares Signal. Oberhalb von 4.460 US-Dollar würde sich das Chartbild spürbar verbessern. Fällt Gold dagegen unter 4.260 US-Dollar, könnte sich der Abverkauf noch einmal deutlich beschleunigen.
Genau deshalb lohnt sich jetzt ein genauer Blick auf den Chart.
Wichtig vorweg: Die aktuelle Tageskerze bei 4.363,84 US-Dollar ist noch nicht abgeschlossen. Sämtliche Signale des laufenden Handelstages sind deshalb vorläufig. Die nachfolgende technische Einschätzung basiert auf der abgeschlossenen Analyse vom 15. September 2026.

Goldpreis bleibt im Abwärtstrend
Auf den ersten Blick ist die technische Lage ziemlich eindeutig.
Der Goldpreis notierte in der Analyse vom 15. September unter dem 50-Tage-Durchschnitt bei 4.328,48 US-Dollar, unter dem 200-Tage-Durchschnitt bei 4.569,00 US-Dollar und gleichzeitig unterhalb der Ichimoku-Wolke.
Damit liegen mehrere technische Widerstände oberhalb des aktuellen Kurses.
Besonders die Ichimoku-Wolke spielt dabei eine wichtige Rolle. Solange Gold darunter bleibt, spricht das übergeordnete Chartbild eher gegen eine nachhaltige Erholung. Ein kurzer Kursanstieg reicht deshalb noch nicht aus, um den Trend tatsächlich zu drehen.
Auch beim Momentum gibt es bislang wenig Grund für Euphorie.
Der MACD lag in der Analyse bei -11,08 gegenüber 21,14 und blieb damit bearish. Der Indikator zeigt also weiterhin nach unten.
Interessanter wird es allerdings beim Money Flow Index. Der MFI lag bei lediglich 19,29 Punkten und signalisiert damit einen überverkauften Markt.
Und genau hier wird die Lage spannend.
Denn bearish und überverkauft ist eine unangenehme Kombination. Einerseits spricht der Trend weiterhin für fallende Kurse. Andererseits ist der Verkaufsdruck bereits so weit fortgeschritten, dass jederzeit eine Gegenbewegung einsetzen kann.
Das bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass Gold jetzt automatisch steigen muss.
Ein überverkaufter Markt kann längere Zeit überverkauft bleiben. Der niedrige MFI erhöht lediglich das Risiko einer Erholung – er liefert noch kein bestätigtes Kaufsignal.
Bei 4.260 Dollar wird es für Gold ernst
Der Chart zeigt weiterhin einen fallenden Trendkanal.
Die wichtigste Unterstützung liegt dabei bei rund 4.260 US-Dollar. Auf der Oberseite wartet der entscheidende Widerstand im Bereich von etwa 4.500 US-Dollar.
Damit sitzt der Goldpreis aktuell ziemlich genau zwischen den Fronten.
Besonders die Marke von 4.260 US-Dollar sollten Anleger jetzt im Auge behalten. Dort liegt gleichzeitig eine wichtige Unterstützung im Bereich des 61,8-%-Fibonacci-Retracements.
Hält diese Zone, könnte Gold zumindest einen neuen Versuch starten, sich nach oben abzusetzen.
Bricht sie allerdings auf Tagesschlussbasis, würde sich das Chartbild deutlich verschlechtern.
In diesem Fall läge die nächste relevante Marke bei 4.100 US-Dollar. Darunter würde sich sogar Raum bis rund 3.960 US-Dollar öffnen.
Vom aktuellen Kurs aus wäre das noch einmal ein erheblicher Rückgang.
Das erklärt, warum 4.260 US-Dollar aktuell so wichtig sind. Es handelt sich nicht einfach um irgendeine kurzfristige Unterstützung, sondern um eine Marke, an der sich entscheiden könnte, ob der bestehende Abwärtstrend noch einmal an Dynamik gewinnt.
Auf der Oberseite wartet die nächste große Hürde
Wer auf steigende Goldpreise setzt, sollte dagegen vor allem auf 4.460 US-Dollar achten.
Ein Tagesschluss oberhalb dieser Marke würde den Goldpreis wieder in den unteren Bereich der Ichimoku-Wolke führen.
Das wäre zwar noch keine Garantie für eine dauerhafte Trendwende, aber erstmals ein stärkeres Zeichen dafür, dass die Käufer wieder Kontrolle übernehmen.
Die entscheidende Widerstandszone reicht dabei ungefähr von 4.450 bis 4.500 US-Dollar.
Schafft Gold den Sprung darüber, würde sich das technische Bild deutlich verbessern.
Das erste mögliche Ziel läge anschließend bei 4.560 US-Dollar. Darüber würde die Marke von 4.750 US-Dollar in den Fokus rücken.
Damit ist die Situation vergleichsweise klar.
Unter 4.260 US-Dollar droht eine weitere Abwärtswelle. Oberhalb von 4.460 bis 4.500 US-Dollar würde dagegen ein stärkeres Erholungssignal entstehen.
Dazwischen bleibt Gold in einer technischen Grauzone.
Und genau dort steht der Goldpreis aktuell.
Die hohe Volatilität macht Gold zusätzlich gefährlich
Einen Punkt sollte man dabei nicht unterschätzen: Gold schwankt momentan enorm.
Der Average True Range, kurz ATR, lag bei 94,28 US-Dollar.
Der ATR misst vereinfacht gesagt, wie stark sich ein Markt typischerweise bewegt. Ein Wert von mehr als 94 US-Dollar zeigt, dass die täglichen Schwankungen derzeit ausgesprochen groß sind.
Das hat Konsequenzen.
Gerade rund um wichtige Unterstützungen und Widerstände können kurzfristige Ausbrüche schnell wieder zurückgenommen werden. Wer nur auf eine kurze Bewegung über oder unter eine Marke reagiert, läuft deshalb Gefahr, auf ein Fehlsignal hereinzufallen.
Deshalb sind Tagesschlusskurse derzeit besonders wichtig.
Ein kurzer Rutsch unter 4.260 US-Dollar wäre deutlich weniger aussagekräftig als ein kompletter Handelstag, der unter dieser Marke endet. Gleiches gilt auf der Oberseite für 4.460 US-Dollar.
Bei dieser Volatilität kann Geduld viel wert sein.
Vier mögliche Szenarien für den Goldpreis
Für bearish eingestellte, aktive Trader ergibt sich laut der zugrunde liegenden Analyse ein erstes aggressives Szenario bei einem Einstieg um 4.320 US-Dollar.
Der mögliche Stopp würde bei 4.460 US-Dollar liegen und damit oberhalb des Widerstands der Ichimoku-Wolke. Als Ziel nennt die Analyse 4.100 US-Dollar.
Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1,57 zu 1. Die Zuverlässigkeit des Szenarios wird mit mittel eingestuft, weil es der aktuell vorherrschenden Marktstruktur folgt.
Deutlich geduldiger wäre die konservative Variante.
Hier würde zunächst ein bestätigter Tagesschluss unterhalb von 4.260 US-Dollar abgewartet. Ein möglicher Einstieg läge anschließend bei 4.250 US-Dollar, der Stopp wiederum bei 4.460 US-Dollar.
Das Kursziel wäre in diesem Fall 3.960 US-Dollar.
Damit steigt das Chance-Risiko-Verhältnis auf 2,57 zu 1. Auch dieses Szenario wird mit mittlerer Zuverlässigkeit bewertet, verlangt aber zunächst eine Bestätigung des Ausbruchs nach unten.
Auf der bullishen Seite sieht die Sache schwieriger aus.
Ein aggressiver Einstieg wäre laut Analyse bei etwa 4.260 US-Dollar denkbar, sofern sich dort ein klares Umkehrmuster bildet.
Der mögliche Stopp läge bei 4.110 US-Dollar unterhalb der strukturellen Unterstützung. Als Ziel wird 4.560 US-Dollar genannt.
Das Chance-Risiko-Verhältnis beträgt 2,00 zu 1.
Allerdings handelt es sich dabei ausdrücklich um ein Gegentrend-Szenario. Die Einschätzung fällt deshalb nur mit niedriger Zuverlässigkeit aus. Dieses Setup wäre damit vor allem etwas für Trader, die bewusst ein höheres Risiko eingehen.
Deutlich sauberer wäre aus technischer Sicht die konservative bullishe Variante.
Dafür müsste Gold zunächst per Tagesschluss über 4.460 US-Dollar steigen und damit die Ichimoku-Wolke zurückerobern.
Ein möglicher Einstieg würde anschließend bei 4.460 US-Dollar liegen, der Stopp bei 4.260 US-Dollar. Das Kursziel wäre 4.750 US-Dollar.
Das daraus resultierende Chance-Risiko-Verhältnis liegt bei 1,77 zu 1. Die Zuverlässigkeit wird mit mittel bewertet, da zunächst ein bestätigter Ausbruch erforderlich wäre.
Alle genannten Kursmarken stammen aus der vorliegenden Chartanalyse vom 15. September 2026.
Goldpreis: Noch ist keine Seite durch
Unterm Strich ist die Lage beim Goldpreis weniger kompliziert, als die vielen technischen Indikatoren zunächst vermuten lassen.
Der Trend zeigt weiterhin nach unten. Solange Gold 4.460 US-Dollar nicht zurückerobert, bleibt das technische Gesamtbild bearish.
Gleichzeitig ist der Markt mit einem MFI von 19,29 bereits deutlich überverkauft. Das erhöht vor allem rund um 4.260 US-Dollar das Risiko einer kräftigen Gegenbewegung.
Genau deshalb wäre es gefährlich, aus dem aktuellen Anstieg von 0,72 % bereits eine Trendwende abzuleiten.
Noch fehlt die Bestätigung.
Die sauberste Entscheidung dürfte deshalb erst dann fallen, wenn der Goldpreis die aktuelle Spanne verlässt.
Über 4.460 US-Dollar würde sich das Bild zugunsten der Käufer verschieben. Dann wären zunächst 4.560 und später 4.750 US-Dollar erreichbar.
Unter 4.260 US-Dollar hätten dagegen die Verkäufer einen weiteren wichtigen Erfolg erzielt. In diesem Fall würden 4.100 und anschließend 3.960 US-Dollar in den Fokus rücken.
Mit 4.363,84 US-Dollar steht Gold momentan genau dazwischen.
Und gerade deshalb könnten die kommenden Handelstage beim Goldpreis besonders wichtig werden.
Die für diese Analyse verfügbaren historischen Daten sind im Pro+-Plan auf einen Zeitraum von zehn Jahren begrenzt.
Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich journalistischen Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien, Rohstoffen und anderen Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
Es wird alles unternommen, um genaue und vollständige Informationen bereitzustellen. Doch mit den Tausenden zur Verfügung gestellten Dokumenten, die oft innerhalb kurzer Zeit hochgeladen werden, können wir nicht garantieren, dass keine Fehler auftreten. Jede Wiederveröffentlichung oder Weiterverbreitung von FXStreet Inhalten ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung von FXStreet verboten. Der Handel mit Devisen auf Margin (Verrechnungskonto) trägt ein hohes Risiko und ist möglicherweise nicht für alle Investoren geeignet. Der hohe Hebel kann gegen Sie, sowie für Sie arbeiten. Vor der Entscheidung am Devisenmarkt zu handeln, sollten Sie sorgfältig Ihre Anlageziele, Erfahrung und Risikobereitschaft prüfen. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie einen Verlust einiger oder aller Ihrer Investitionen erleiden und deshalb sollten Sie kein Geld investieren, dass Sie sich nicht leisten können zu verlieren. Sie sollten sich aller Risiken bewusst sein, die mit dem Devisenhandel verbunden sind und konsultieren Sie einen unabhängigen Finanzberater, wenn Sie irgendwelche Zweifel haben. Alle Meinungen, Nachrichten, Forschungen, Analysen, Kurse oder andere Informationen, welche diese Informationen enthalten, die von FXStreet, seinen Angestellten, Mitarbeitern oder Partnern bereit gestellt werden, sind als allgemeine Marktkommentare zu verstehen und bieten keine Anlageberatung. FXStreet übernimmt keine Haftung für irgendwelche Verluste oder Schäden, einschließlich, ohne Beschränkung auf entgangene Gewinne, die direkt oder indirekt mit der Verwendung oder im Vertrauen auf diese Informationen entstehen.
NEUESTE NACHRICHTEN
Autor wählen
Goldpreis auf Messers Schneide: Ausbruch könnte 290 Dollar freisetzen
DAX Futures verlieren Halt: Die nächste Auffangzone liegt 700 Punkte tiefer
Ripple: XRP braucht nur noch eine Stimme - dann startet der 14-Tage-Countdown
Bitcoin, Ethereum und Ripple geben nach, während die Fed-Zinsentscheidung näher rückt
Das sollten Sie am Mittwoch, den 16. September, im Blick behalten:
Der US-Dollar bewegt sich im frühen europäischen Handel nahe einem Zweiwochenhoch um 99,60 seitwärts. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe notiert bei 4,992%, nachdem sie versucht hatte, die 5%-Marke erneut zu testen, den höchsten Stand seit 2007. Die US Federal Reserve wird ihre Zinsentscheidung später am Mittwoch bekannt geben, gefolgt von einer Pressekonferenz des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh.