Am Dienstag gab es erneut mehrere Berichte, in denen behauptet wurde, dass das Vereinigte Königreich ein Entwicklungsland sei. Grund dafür waren deutlich steigende Anleihenrenditen und ein erheblicher Druck auf das Pfund. Diese Kombination von Ereignissen – ein Ausverkauf inländischer Anleihen und eine schwächelnde Währung – tritt in der Regel in Entwicklungsländern auf, wenn die Marktteilnehmer das Vertrauen in die öffentlichen Finanzen des Landes verlieren, wie Michael Pfister, Devisenanalyst bei der Commerzbank, feststellt.
Die laufenden Haushaltsverhandlungen scheinen schwierig zu sein
„Grundsätzlich ist das verständlich. In den letzten Tagen und Wochen gab es viele negative Nachrichten über die britische Haushaltslage, was durchaus berechtigt ist. Der britische Finanzminister bewegt sich auf einem schmalen Grat. Die Umsätze verzeichnen einen Rückgang aufgrund der schwächelnden Realwirtschaft, während die Ausgaben aufgrund der hohen Inflation weiter steigen. In Großbritannien hat die Regierung zusätzlich versprochen, einen ausgeglichenen Haushalt anzustreben, wobei alle laufenden Ausgaben durch Umsätze gedeckt werden sollen. Die laufenden Verhandlungen scheinen schwierig zu sein. Gestern wurde die Bekanntgabe des Herbsthaushalts für Ende November angekündigt, was ungewöhnlich spät im Jahr ist.
Trotz aller berechtigten Kritik an der britischen Haushaltslage stört mich etwas: Die Ereignisse vom Dienstag waren keineswegs auf Großbritannien beschränkt. Weltweit stiegen die Anleihenrenditen aufgrund von Sorgen um die Haushaltsstabilität (Frankreich ist ein wichtiges Beispiel), und die meisten Devisen werteten ab, mit Ausnahme des US-Dollar-Index. Etwas ausgeprägter war die Situation im Vereinigten Königreich, wo das Finanzministerium eine neue Staatsanleihe über ein Konsortium emittierte und die Märkte bereits stärker über die Haushaltslage besorgt sind. Dies war jedoch keineswegs ein Einzelfall. Interessanterweise wertete der US-Dollar deutlich auf, obwohl US-Staatsanleihen ähnlich wie britische Staatsanleihen litten. Aber ist der US-Dollar die einzige Devise eines Industrielandes? Das glaube ich kaum.
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