Konsum und Industrie erholen sich weiter, trotz neuer Risiken für den Ausblick. Auch die wahrscheinliche Verabschiedung eines Haushalts für 2026 in Frankreich ist eine positive Entwicklung. Eine dauerhafte Lösung für die französischen Finanzprobleme wird zwar nicht erwartet, ebenso wenig aber ein Abgleiten des Landes in eine Krise. Die Inflation im Euroraum bleibt insgesamt unter Kontrolle, was die Europäische Zentralbank voraussichtlich noch längere Zeit von Zinsschritten abhalten dürfte. Sorgen bereiten allerdings anhaltend zu niedrige Inflationsraten in Frankreich und Italien, berichten die Ökonomen Bill Diviney und Jan-Paul van de Kerke von ABN AMRO.

Wachstum im Euroraum stabilisiert sich – Verbraucher und Industrie ziehen an

„Der Wirtschaft im Euroraum geht es derzeit nicht allzu schlecht. Die jüngsten Daten für das vierte Quartal deuten darauf hin, dass die europäischen Verbraucher wieder mehr Vertrauen fassen. Der Konsum erhält insbesondere durch eine Erholung der Autoverkäufe Auftrieb, die in den drei Monaten bis November um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten, aber auch der Dienstleistungssektor entwickelt sich positiv. Auf der industriellen Seite zeigt sich zwar weiterhin eine Schwäche der Exporte in die USA infolge des Zollschocks, insgesamt hält sich das verarbeitende Gewerbe jedoch gut. Die Produktionszuwächse lagen 2025 durchgehend im positiven Jahresvergleich – eine klare Wende nach den Rückgängen der Jahre 2023 und 2024. Daten zu den deutschen Auftragseingängen deuten darauf hin, dass die Erholung vor allem von der Binnennachfrage getragen wird, auch wenn die Auslandsnachfrage zuletzt ebenfalls Anzeichen einer Belebung zeigte – trotz der Belastungen durch die USA. Ermutigend ist, dass Europa seine Exportziele stärker diversifiziert und die Industrie selbst in dem derzeit schwierigen Handelsumfeld wieder Tritt zu fassen scheint.“

„Weitere positive Nachrichten kommen aus Frankreich, das zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts kurz davorsteht, nach monatelangen Auseinandersetzungen endlich einen Haushalt für 2026 zu verabschieden. Premierminister Lecornu wird dabei auf Artikel 49.3 zurückgreifen, um den Etat ohne Mehrheit in der Nationalversammlung durchzusetzen. Das Mitte-links-Lager hat jedoch nahezu zugesichert, sich bei einem Misstrauensvotum gegen die Regierung zu enthalten, nachdem es mehrere bedeutende Zugeständnisse erreicht hat, darunter die Rücknahme bestimmter Leistungskürzungen und den Verzicht auf Steuererhöhungen für private Haushalte. Das französische Haushaltsdefizit wird in diesem Jahr zwar weiterhin bei alarmierenden fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, doch die Regierung tut gerade genug, um eine fiskalische Krise zu vermeiden. Unser Basisszenario bleibt, dass Frankreich sich weiter durch sein Haushaltsdickicht kämpft – ohne eine endgültige Lösung, aber auch ohne in eine Abwärtsspirale zu geraten. Dieser Schwebezustand dürfte nun bis zur Präsidentschaftswahl 2027 anhalten.“

„Die Inflation bleibt derweil insgesamt weitgehend gut kontrolliert. Die Gesamtinflationsrate lag im Dezember bei 1,9 Prozent und damit seit fast einem Jahr bemerkenswert nahe am Zwei-Prozent-Ziel der Europäische Zentralbank. Hinter dieser ruhigen Gesamtzahl verbirgt sich jedoch eine unangenehme Divergenz der Inflationsentwicklung zwischen wichtigen Ländern des Euroraums. In Frankreich und Italien liegt die Teuerung weiterhin deutlich unter dem Zielwert, während sie in Deutschland und den Niederlanden auf oder über dem Ziel liegt. Solche Unterschiede sind im Euroraum nicht neu und nicht zwangsläufig problematisch. Ähnliche Divergenzen zwischen Nord- und Südeuropa gab es auch vor der Pandemie. Der Unterschied zu damals besteht jedoch darin, dass die Gesamtinflation im Euroraum seinerzeit ebenfalls deutlich unter dem Ziel lag und die Geldpolitik entsprechend deutlich lockerer war. Angesichts der Erwartung, dass die Kerninflation im Euroraum in den kommenden Jahren stabil bleibt, gehen wir davon aus, dass die EZB die Zinsen auf dem aktuellen Niveau belassen wird.“

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