Der Euro kletterte gegenüber dem Dollar auf ein Mehrjahreshoch, da die Märkte den Optimismus, der sich aus dem Stopp der Zölle ergeben hatte, wieder aufgaben und sich zunehmend vor den politischen und institutionellen Risiken in den USA fürchteten. Sorgen über die Unsicherheit im Handel, die Unabhängigkeit der Fed und schwächere Inflationsdaten belasten den Greenback stark, stellt Volkmar Baur, Devisenanalyst der Commerzbank, fest.
Pause bei den Zöllen beruhigt strukturelle Bedenken nicht
„Nach der plötzlichen Rally am Mittwoch ging der Markt gestern wieder in den Risk-Off-Modus über und setzte den Dollar unter Druck. Der Greenback verlor auf handelsgewichteter Basis fast 2%, während der Euro gegenüber dem USD um 2,3% zulegte. Seit Beginn des Jahrtausends ist der US-Dollar nur an sechs Tagen stärker gefallen als gestern, während der Euro im gleichen Zeitraum seinen zehntbesten Tag gegenüber der US-Währung erlebte. Mit über 1,13 heute Morgen wird der Euro gegenüber dem US-Dollar so stark gehandelt wie noch nie seit Anfang 2022.“
„Erstens war die positive Reaktion der Aktienmärkte auf die Ankündigung der Zollpause vom Mittwoch wahrscheinlich übertrieben. Gestern hat der Markt erkannt, dass dies zwar eine vorübergehende Entspannung der Situation bedeutet, sich aber strukturell nichts geändert hat. Außerdem sind die Einfuhren, die nicht von einer Zollpause betroffen sind, erheblich. Nimmt man die Einfuhren aus Mexiko, Kanada und China zusammen und rechnet die Autoeinfuhren hinzu, die nicht aus diesen drei Ländern stammen, so macht dies allein fast 50 % der US-Einfuhren aus. Und für China wurde der Zollsatz erneut angehoben.“
„Und zweitens hat der Oberste Richter des Obersten Gerichtshofs der USA, John Roberts, vorläufig zugunsten des US-Präsidenten entschieden und ihm erlaubt, die Leiter sogenannter unabhängiger Behörden zu entlassen. Das mag für die Kapitalmärkte nicht besonders interessant klingen, bis man feststellt, dass auch die Fed in diese Kategorie fällt. Die beiden fraglichen Fälle dürften nun vor dem Obersten Gerichtshof verhandelt werden, wodurch sich das Risiko erhöht, dass die Unabhängigkeit der Fed erheblich und unwiderruflich beschädigt werden könnte.“
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