Jüngste politische Beratungen deuten darauf hin, dass sich China vom tarifbedingten Krisenmodus entfernt hat. Die Aufwertung und Neuausrichtung der Wirtschaftsstruktur gewinnen auf der politischen Agenda an Bedeutung, um ein selbsttragendes Wachstum zu fördern. Die makroökonomische Politik dürfte unterstützend bleiben, doch der Spielraum für eine deutliche Ausweitung der Konjunkturimpulse erscheint begrenzt, berichten Shuang Ding und Hunter Chan von Standard Chartered.

Von „außergewöhnlich“ zu „notwendig“

„Die Zentrale Wirtschaftskonferenz (Central Economic Work Conference, CEWC), die am 11. Dezember zu Ende ging, hat die wirtschaftspolitische Agenda für 2026 konkretisiert. Die führenden Entscheidungsträger sagten zu, die ‚antizyklische und über den Konjunkturzyklus hinweg wirkende Steuerung‘ zu stärken. Dies deutet darauf hin, dass die Behörden nach den jüngsten Handelsabkommen zwischen den USA und China über kurzfristige Schwankungen hinausblicken und den Fokus wieder stärker auf technologiebasiertes Wachstum sowie eine Ausweitung der Binnennachfrage legen. Ein Jahr zuvor hatten die politischen Entscheidungsträger noch angekündigt, die ‚außergewöhnliche antizyklische Steuerung‘ zu verstärken und die Konjunkturstützung auszuweiten, um den negativen externen Schock durch die drohenden Handelskonflikte abzufedern.“

„China wird laut CEWC ‚weiterhin eine aktivere Fiskalpolitik und eine moderat lockere Geldpolitik umsetzen‘, was auf keine grundlegende Änderung des makroökonomischen Kurses hindeutet. Zugleich sagten die Entscheidungsträger zu, ein ‚notwendiges‘ Defizitniveau beizubehalten, im Gegensatz zur Ankündigung einer ‚Anhebung der Defizitquote‘ Ende 2024. Wir erwarten, dass die offizielle Defizitquote 2026 leicht auf 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinkt, nach 4,0 Prozent im Jahr 2025. Zudem wurde die chinesische Zentralbank (PBoC) aufgefordert, für ausreichend Liquidität zu sorgen und Instrumente wie Senkungen des Mindestreservesatzes (RRR) und der Leitzinsen ‚flexibel und wirksam‘ einzusetzen. Dies deutet darauf hin, dass keine aggressive Lockerung beabsichtigt ist. Wir rechnen mit einer Senkung des Mindestreservesatzes um 25 Basispunkte im ersten Quartal 2026 sowie mit einer Leitzinssenkung um 10 Basispunkte im zweiten Quartal.“

„Die politischen Entscheidungsträger sagten zudem zu, einen weiteren Rückgang der Investitionen zu verhindern, ungeordnete Konkurrenz zu korrigieren und den Immobilienmarkt zu stabilisieren. Die Stärkung des Dienstleistungssektors wurde in drei der acht zentralen Aufgaben für 2026 hervorgehoben. Wir erwarten, dass mehr fiskalische Mittel in die Infrastruktur gelenkt werden und sich der Dienstleistungssektor weiter öffnet.“

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