Der Schweizer Franken (CHF) nähert sich erneut Niveaus, die die politischen Entscheidungsträger unbehaglich machen.

Mit EUR/CHF, das sich nahe 0,90 bewegt, und USD/CHF, das in den Bereich von 0,77 abrutscht, beginnen die Märkte eine vertraute Frage zu stellen: Ab wann wird die Stärke der Währung zu einem politischen Problem für die Schweizerische Nationalbank (SNB)?

Jüngste Äußerungen von SNB-Präsident Martin Schlegel deuten darauf hin, dass die Zentralbank sich bereits des Risikos bewusst ist. 

In einer Rede Ende Februar betonte Schlegel, dass die Hauptinstrumente der SNB der Leitzins und, wo nötig, Interventionen am Devisenmarkt bleiben. Diese Formulierung ist alles andere als zufällig. Für Investoren, die mit dem geldpolitischen Handbuch der Schweiz vertraut sind, ist es eine Erinnerung daran, dass die Intervention am Devisenmarkt nach wie vor ein fester Bestandteil des Werkzeugkastens ist.

Niedrige Inflation, starke Währung

Der makroökonomische Hintergrund hilft zu erklären, warum das Thema wieder aufkommt.

Die Inflation in der Schweiz bleibt extrem gedämpft. Die Verbraucherpreise stiegen im Januar nur um 0,1% im Jahresvergleich, weit unter den Niveaus, die in den meisten entwickelten Volkswirtschaften zu beobachten sind. Gleichzeitig scheint die wirtschaftliche Aktivität bescheiden zu sein, mit einem BIP-Wachstum von nur 0,1% im Quartalsvergleich und 0,7% im Jahresvergleich im vierten Quartal.

Ein starker Franken spielt in beiden Dynamiken eine Rolle.

Tatsächlich setzt die Währungsaufwertung die Importpreise unter Druck und hilft somit, die Inflation zu dämpfen. Ein weiterer Effekt ist, dass sie auch die finanziellen Bedingungen strafft und die Wettbewerbsfähigkeit der Exporte in einer Wirtschaft wie der Schweiz, die stark vom internationalen Handel abhängt, belastet.

Für die politischen Entscheidungsträger schafft das ein empfindliches Gleichgewicht.

Das politische Dilemma der SNB

Die SNB hat historisch eine starke Währung toleriert, wenn die Inflationsrisiken hoch waren. In den letzten Jahren diente der Franken sogar als nützliches Instrument im Kampf gegen importierte Inflation.

Heute sieht die Situation anders aus.

Der Inflationsdruck, wie Schlegel feststellte, hat sich "kaum verändert" und bleibt extrem niedrig. Die Zentralbank erwartet, dass die Inflation in den kommenden Monaten moderat ansteigt, erkennt jedoch auch an, dass vorübergehend negative Werte möglich sind.

Vor diesem Hintergrund könnte eine weitere Aufwertung des Frankens problematisch werden.

Wenn der CHF jedoch zu schnell ansteigt, besteht das Risiko, dass die Inflation noch weiter unter das Ziel gedrückt wird, während der bereits gedämpfte Wachstumsausblick zusätzlich belastet wird.

Märkte testen die SNB

Hier kommen die Märkte ins Spiel.

Wann immer der Franken stark ansteigt, beginnen die Händler, die Toleranz der Zentralbank zu testen. Dennoch können sichere Hafen-Nachfragen, geopolitische Unsicherheiten und globale Risikoaversion Kapital in die Schweiz lenken, was dazu führt, dass ihre Währung (unerwünschte?) Aufmerksamkeit auf sich zieht, unabhängig von den inländischen Fundamentaldaten.

Doch diese Stärke kann auch eigenen Widerstand hervorrufen.

Wenn die Märkte zu dem Schluss kommen, dass die SNB mit dem Tempo der Aufwertung unzufrieden wird, steigt das Risiko einer Intervention. Die Zentralbank hat eine lange Geschichte darin, bei Bedarf in die Devisenmärkte einzugreifen, oft entschieden.

Schlegels jüngste Erinnerung, dass die SNB "bereit ist, wo nötig zu intervenieren", deutet darauf hin, dass die politischen Entscheidungsträger darauf bedacht sind, diese Option sichtbar zu halten.

Der makroökonomische Hintergrund 

Äußere Faktoren könnten die Herausforderung verstärken.

Schlegel erkannte an, dass US-Zölle und der breitere Anstieg der globalen Unsicherheit beginnen, die wirtschaftliche Aktivität zu belasten. Laut aktuellen Umfragen berichten bereits etwa ein Viertel der Schweizer Unternehmen von negativen Auswirkungen. Gleichzeitig lenken anhaltende geopolitische Spannungen weiterhin sichere Hafenströme in den Schweizer Franken.

In diesem Umfeld sieht sich die SNB einem vertrauten Dilemma gegenüber: Die Währung aufwerten zu lassen, birgt das Risiko, die finanziellen Bedingungen zu straffen, während eine zu aggressive Abwehr das Risiko birgt, Vorwürfe der Währungsmanipulation neu zu entfachen.

Fazit

Im Moment spiegelt die Stärke des Schweizer Frankens so sehr die globale Unsicherheit wider wie die inländischen Fundamentaldaten.

Doch die Devisenmärkte haben die Angewohnheit, Druck auszuüben, bis eine Zentralbank ihre Toleranz signalisiert. 

Mit einer Inflation, die kaum über null liegt, und einem gedämpften Wachstum könnte die Toleranz der SNB für eine weitere Aufwertung nicht unbegrenzt sein.

Sichere Hafenströme können den Franken schnell anheben. Das Risiko einer Intervention folgt in der Regel ebenso leise.

Und wenn die Märkte beginnen, diese Grenze zu testen, hat die SNB selten lange an der Seitenlinie gestanden.


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