Silber wird im Vergleich zu Gold zunehmend günstiger bewertet. Darauf deutet das Gold-Silber-Verhältnis hin, das sich zuletzt erneut ausgeweitet hat.
Anders ausgedrückt: Silber ist wieder im Angebot.
Sowohl Silber als auch Gold haben seit ihren Rekordständen im Januar deutlich nachgegeben. Allerdings fiel der Rückgang bei Silber noch stärker aus. Während Gold rund 30 Prozent unter seinem Höchststand notiert, hat Silber mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt.
Diese zunehmende Differenz zwischen beiden Edelmetallen spiegelt sich im Gold-Silber-Verhältnis wider. Aus historischer Sicht könnte dies erneut auf ein positives Umfeld für Silber hindeuten.
Was ist das Gold-Silber-Verhältnis?
Das Gold-Silber-Verhältnis gibt an, wie viele Unzen Silber benötigt werden, um zum aktuellen Kassapreis eine Unze Gold zu kaufen. Anders ausgedrückt zeigt es den Goldpreis, gemessen in Unzen Silber.
Die Preisrelation zwischen beiden Edelmetallen wird von vielen Marktbeobachtern genutzt, um mögliche Kursbewegungen abzuschätzen.
Historisch betrachtet gilt: Liegt das Gold-Silber-Verhältnis deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt, spricht das dafür, dass Silber im Vergleich zu Gold unterbewertet ist. In der Vergangenheit folgten auf solche Phasen häufig kräftige Aufwärtsbewegungen bei Silber, das den Rückstand gegenüber Gold wieder aufholte.
Das geschah oft während einer Gold-Hausse, in der Silber den Goldpreis sogar übertraf. Vergangene Entwicklungen sind jedoch keine Garantie für künftige Kursverläufe.
In der modernen Finanzmarktgeschichte bewegte sich das Gold-Silber-Verhältnis im Durchschnitt zwischen 40:1 und 60:1. Steigt es deutlich über diese Spanne hinaus, folgte in der Vergangenheit häufig eine kräftige Rückkehr in Richtung des langfristigen Mittelwerts.
Ein Beispiel dafür war das Jahr 2020. Während der Corona-Pandemie stieg das Verhältnis auf den Rekordwert von 123:1. Anschließend fiel es wieder auf etwa 60:1 zurück, nachdem die Notenbanken ihre Geldpolitik massiv gelockert hatten, um die wirtschaftlichen Folgen der Lockdowns abzufedern.
Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits 2011. Nach einem Anstieg auf über 80:1 während der expansiven Geldpolitik infolge der Finanzkrise 2008 fiel das Verhältnis später bis auf rund 30:1 zurück.
Gold-Silber-Verhältnis sendet erneut positives Signal
Zuletzt zeigte sich erneut ein vergleichbarer Verlauf. In den Monaten vor der starken Silber-Rally im Oktober, die den Preis erstmals über 50 US-Dollar trieb, bewegte sich das Gold-Silber-Verhältnis überwiegend um die Marke von 80:1. Im März 2025 stieg es zeitweise sogar auf mehr als 100:1. Bereits damals wurde die große Differenz als Hinweis auf erhebliches Aufwärtspotenzial für Silber gewertet.
Mit dem kräftigen Silberanstieg im Januar fiel das Verhältnis anschließend auf 43:1 und damit an das untere Ende seiner historischen Durchschnittsspanne zurück.
Nun könnte sich erneut ein ähnliches Szenario entwickeln.
Bis Freitag war das Gold-Silber-Verhältnis wieder auf mehr als 70:1 gestiegen. Historisch betrachtet deutet das darauf hin, dass Silber im Vergleich zu Gold erneut günstig bewertet ist.
Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass eine neue Rally unmittelbar bevorsteht. Wie bereits im vergangenen Jahr zu beobachten war, kann das Verhältnis über längere Zeit auf einem erhöhten Niveau verharren, bevor es sich wieder dem langfristigen Durchschnitt annähert. Dennoch wird ein steigendes Gold-Silber-Verhältnis von vielen Marktteilnehmern als positives Signal für Silber angesehen.
Da zudem die fundamentalen Faktoren, die den Silberanstieg im vergangenen Jahr begünstigten, weiterhin bestehen, könnte es verfrüht sein, das Edelmetall bereits abzuschreiben. Aus historischer Sicht spricht die aktuelle Bewertung vielmehr dafür, dass Silber wieder interessant für langfristig orientierte Anleger werden könnte.
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