Silberpreis vor Eskalation: Diese Zone darf jetzt nicht brechen


Der Silberpreis steht gerade an einer Stelle, an der es richtig spannend wird. In der laufenden Sitzung ist Silber um 2,71 % gefallen und notiert bei 56,145 US-Dollar. Damit ist der Kurs direkt in die wichtige Nachfragezone zwischen 55 und 56 US-Dollar gerutscht.

Genau hier entscheidet sich nun, ob die Käufer noch einmal zurückkommen – oder ob der nächste größere Abverkauf beginnt.

Denn so verlockend die aktuelle Zone für Schnäppchenjäger aussehen mag: Der Trend spricht weiterhin klar gegen Silber. Auf dem Tageschart lautet das Signal „Strong Sell“, und auch über die vergangenen drei Monate ist das Bild eindeutig negativ.

Für mich ist deshalb vor allem eine Marke entscheidend: 55,50 US-Dollar.

Fällt der Silberpreis per Tagesschluss darunter, wäre das ein starkes Signal dafür, dass die nächste Abwärtswelle beginnt. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario liegt aktuell bei 75 %. Eine kurzfristige Gegenbewegung bleibt zwar möglich, kommt derzeit aber nur auf 25 %.

Wichtig ist dabei: Diese Wahrscheinlichkeiten beschreiben lediglich die beiden möglichen Chart-Szenarien unter den aktuellen Bedingungen. Sie sagen nichts darüber aus, wie hoch die Erfolgswahrscheinlichkeit eines konkreten Trades ist.

Der Abwärtstrend beim Silberpreis ist intakt

Ein Blick auf die wichtigsten gleitenden Durchschnitte zeigt ziemlich deutlich, warum Silber technisch weiterhin unter Druck steht.

Der Kurs liegt unter dem 20-Tage-EMA bei 59,9316 US-Dollar, unter dem 50-Tage-SMA bei 63,9778 US-Dollar und auch deutlich unter dem 200-Tage-SMA von 71,8388 US-Dollar. Alle Werte beziehen sich auf den 22. Oktober.

Damit handelt Silber unter allen drei wichtigen Durchschnittslinien.

Noch wichtiger ist aber die eigentliche Struktur im Chart.

In den vergangenen drei Monaten hat sich ein fallender Trendkanal herausgebildet. Die Hochpunkte sind von 68,105 auf 62,455 US-Dollar gefallen. Gleichzeitig wurden auch die Tiefpunkte immer tiefer und reichen inzwischen bis in den Bereich von 55,560 US-Dollar.

Genau das ist typisch für einen intakten Abwärtstrend.

Ein bestätigter Doppelboden ist bislang nicht vorhanden. Auch ein Dreieck, eine Flagge oder eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist nicht zu erkennen.

Das bedeutet: Nur weil der Silberpreis jetzt in einer Nachfragezone angekommen ist, ist noch lange kein Boden erreicht.

Man kann sich den Chart derzeit eher wie eine fallende Treppe vorstellen. Bei 55 bis 56 US-Dollar gibt es zwar eine Stufe, auf der der Kurs zunächst Halt finden kann. Doch solange die höheren Marken nicht zurückerobert werden, bleibt die Richtung nach unten gerichtet.

Unter 55,50 Dollar wird es kritisch

Das wahrscheinlichere Szenario bleibt deshalb eine Fortsetzung des Abwärtstrends.

Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt derzeit bei 75 %.

Auch die Trendindikatoren sprechen weiter für die Verkäufer. Der ADX liegt bei 26,9132. Gleichzeitig steht der negative Directional Indicator bei 23,7095 und damit deutlich über dem positiven DI von 11,6849.

Damit haben die Verkäufer weiterhin die Kontrolle.

Auch beim Momentum gibt es bislang wenig Entwarnung.

Der RSI liegt bei 37,6923 und damit klar unter der neutralen Marke von 50. Der MACD steht bei minus 1,8784, während das Histogramm mit minus 0,1641 ebenfalls negativ bleibt.

Für Anleger ist deshalb vor allem der Bereich um 55,50 US-Dollar wichtig.

Ein Tagesschluss darunter würde das negative Bild weiter verschärfen.

Dann wäre zunächst die Zone zwischen 53,50 und 55 US-Dollar das nächste Ziel. Sollte auch dieser Bereich nicht halten, rückt die psychologisch wichtige Marke von 50 US-Dollar in den Fokus.

Der Silberpreis handelt bereits wieder in der Nähe des Tiefs vom 14. Oktober. Genau deshalb ist die aktuelle Zone so wichtig.

Hält sie, kann es zu einer Gegenbewegung kommen.

Bricht sie, dürfte der Verkaufsdruck eher noch zunehmen.

Ein Indikator warnt vor einer Gegenbewegung

Ganz ohne Hoffnung für die Käufer ist die Lage aber nicht.

Der StochRSI beginnt sich zu verbessern.

Der %K-Wert liegt bei 60,1082 und damit über dem %D-Wert von 53,275.

Das ist ein erstes Signal dafür, dass sich kurzfristig wieder Kaufdruck entwickeln könnte.

Und genau hier liegt aktuell das größte Risiko für Anleger, die auf weiter fallende Kurse setzen.

Denn selbst in einem klaren Abwärtstrend verlaufen Kurse selten in einer geraden Linie nach unten. Gerade wenn ein Markt in eine etablierte Nachfragezone fällt, sind kräftige Gegenbewegungen jederzeit möglich.

Das würde aber noch keine Trendwende bedeuten.

Ein Anstieg auf 57 oder 58 US-Dollar würde das übergeordnete Bild zunächst kaum verändern.

Entscheidend ist vielmehr, ob Silber auch die wichtigen Widerstände oberhalb der aktuellen Zone zurückerobern kann.

Erst über 60,40 Dollar wird Silber wieder interessanter

Das bullische Szenario kommt derzeit auf eine Wahrscheinlichkeit von 25 %.

Damit daraus mehr als nur eine technische Gegenbewegung wird, müsste der Silberpreis zunächst per Tagesschluss über 60,40 US-Dollar steigen.

Dort liegt die Oberkante der ersten wichtigen Angebotszone.

Ein Anstieg über 60,40 US-Dollar würde den fallenden Trendkanal erstmals ernsthaft schwächen.

Noch überzeugender wäre allerdings erst ein Sprung über 63 US-Dollar.

Für Anleger bedeutet das: Wer jetzt auf eine Trendwende setzt, handelt gegen den aktuellen Trend.

Erst oberhalb von 60,40 US-Dollar würde sich das kurzfristige Bild verbessern. Über 63 US-Dollar wäre die Erholung deutlich besser bestätigt.

Bis dahin bleibt jeder Anstieg zunächst nur eine Gegenbewegung innerhalb eines größeren Abwärtstrends.

Diese Marken entscheiden jetzt

Für das bärische Hauptszenario bleibt ein Tagesschluss unter 55,50 US-Dollar der wichtigste Trigger.

Ein aggressiver Einstieg wäre bereits bei 56,15 US-Dollar möglich, mit einem Stop bei 58,70 US-Dollar.

Beim bestätigten Szenario liegt der Einstieg dagegen bei 55,50 US-Dollar. Auch hier liegt der Stop bei 58,70 US-Dollar.

Das erste Kursziel befindet sich bei 50 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1,7.

Das zweite Ziel liegt bei 48,30 US-Dollar. Hier steigt das Chance-Risiko-Verhältnis auf 2,3.

Auf der anderen Seite beginnt das bullische Szenario erst mit einem Tagesschluss über 60,40 US-Dollar.

Der Einstieg läge entsprechend bei 60,40 US-Dollar, der Stop bei 58,70 US-Dollar.

Das erste Ziel befindet sich bei 63 US-Dollar, was einem Chance-Risiko-Verhältnis von 1,5 entspricht.

Sollte Silber anschließend weiter nach oben durchziehen, liegt das zweite Ziel bei 68 US-Dollar. Das Chance-Risiko-Verhältnis würde dann bei 4,5 liegen.

Mein Fazit zum Silberpreis

Beim Silberpreis läuft derzeit vieles auf eine einzige Zone hinaus.

Zwischen 55 und 56 US-Dollar treffen die Käufer auf einen Bereich, der bislang Unterstützung bietet. Gleichzeitig bleibt der übergeordnete Trend klar negativ.

Das macht die aktuelle Lage so spannend.

Der StochRSI zeigt zwar erste Anzeichen einer möglichen Gegenbewegung. Gleichzeitig sprechen der fallende Trendkanal, die gleitenden Durchschnitte, der RSI, der MACD und die Directional Indicators weiterhin für die Verkäufer.

Hinzu kommt: Es gibt bislang kein bestätigtes Umkehrmuster und auch kein eindeutiges Candlestick-Signal auf Tagesbasis.

Deshalb bleibt für mich das bärische Szenario klar im Vorteil.

Fällt der Silberpreis per Tagesschluss unter 55,50 US-Dollar, dürfte sich der Weg in Richtung 53,50 bis 55 US-Dollar öffnen. Hält auch diese Zone nicht, wäre die Marke von 50 US-Dollar der nächste logische Bereich.

Wer dagegen auf steigende Kurse setzt, sollte sich von einer kleinen Erholung nicht zu früh täuschen lassen.

Erst über 60,40 US-Dollar würde sich das Bild verbessern. Über 63 US-Dollar würde die Gegenbewegung deutlich glaubwürdiger.

Bis dahin gilt: Beim Silberpreis haben die Verkäufer noch die besseren Karten.

Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und dem Finanzjournalismus und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien und anderen Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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