Der Silberpreis steht an einem Punkt, an dem Anleger ganz genau hinsehen sollten. Nach der kräftigen Erholung der vergangenen Wochen notieren die Silber-Futures inzwischen bei 69,03 US-Dollar. Damit fehlt nicht mehr viel bis zu einer Marke, an der die Bullen zuletzt immer wieder gescheitert sind.
Gemeint ist die 200-Tage-Linie bei 71,24 US-Dollar.
Und genau dort könnte sich entscheiden, wie es beim Silberpreis weitergeht.
Denn auf der einen Seite sieht das Chartbild inzwischen deutlich besser aus. Ein Doppelboden ist abgeschlossen, der MACD liefert ein bullisches Signal und Silber hat sich über die Ichimoku-Wolke geschoben. Auf der anderen Seite läuft der Kurs jetzt direkt in einen massiven Widerstand hinein. Gleichzeitig nimmt das Risiko zu, dass die Rally kurzfristig zu heiß geworden ist.
Für die Silberpreis Prognose ergibt sich damit ein ungewöhnlich klares Bild: Über 71,50 US-Dollar könnte sich die Rally deutlich beschleunigen. Scheitert Silber dort erneut, wäre dagegen ein Rückfall in Richtung 64 US-Dollar alles andere als überraschend.

Warum der Silberpreis plötzlich wieder so stark aussieht
Der wichtigste Ausgangspunkt der aktuellen Bewegung liegt deutlich tiefer.
Bei 55,60 US-Dollar hat sich im Chart ein Doppelboden gebildet. Ein solches Muster entsteht, wenn ein Kurs zweimal versucht, eine bestimmte Unterstützungszone zu unterschreiten, beide Male aber Käufer in den Markt kommen.
Genau das ist bei Silber passiert.
Der zweite gescheiterte Versuch nach unten hat die Grundlage für die anschließende Erholung geschaffen. Inzwischen gilt das Muster als abgeschlossen – und der Silberpreis hat sich deutlich von seinem Tief entfernt.
Auch das kurzfristige Momentum spricht weiterhin für die Käufer.
Der MACD liegt bei 1,71 und damit über seiner Signallinie von 1,03. Solange diese Konstellation bestehen bleibt, zeigt der Indikator grundsätzlich weiter nach oben. Hinzu kommt eine bullische Fortsetzungskerze, die sich im Bereich von 68,205 US-Dollar gebildet hat.
Noch wichtiger ist allerdings eine andere Entwicklung: Silber hat die Ichimoku-Wolke zwischen 63,32 und 63,88 US-Dollar nach oben durchbrochen.
Das klingt zunächst technisch, ist aber recht einfach zu verstehen. Die Zone hatte zuvor wie ein Deckel auf dem Kurs gelegen. Jetzt notiert Silber darüber. Damit verbessert sich nicht nur das kurzfristige Momentum, sondern auch das übergeordnete Chartbild.
Das Problem ist nur: Der schwierigste Teil kommt erst noch.
Bei 71,24 US-Dollar wartet die entscheidende Hürde
Die 200-Tage-Linie verläuft aktuell bei 71,24 US-Dollar. Für viele Anleger ist sie einer der wichtigsten langfristigen Trendindikatoren überhaupt.
Notiert ein Markt dauerhaft darüber, wird das häufig als Zeichen eines stabileren Aufwärtstrends gewertet. Bleibt der Kurs dagegen darunter, kann eine Rally schnell wieder als bloße Gegenbewegung enden.
Bei Silber bekommt diese Marke zusätzliche Bedeutung.
Nahe der 200-Tage-Linie befindet sich auch ein wichtiges Fibonacci-Niveau bei 23,6 %. Zwei technische Widerstände treffen damit praktisch aufeinander.
Genau deshalb dürfte der Bereich zwischen 71 und 71,50 US-Dollar schwer zu überwinden sein.
Ein kurzer Sprung darüber würde noch nicht reichen. Entscheidend wäre vielmehr, ob der Silberpreis auch auf Tagesschlussbasis über dieser Zone bleibt.
Gelingt das, könnte sich das gesamte technische Bild verändern.
Dann wäre die Bewegung seit 55,60 US-Dollar nicht mehr nur eine kräftige Erholung. Sie könnte sich zu einem deutlich größeren Aufwärtstrend entwickeln.
Diese Kursziele rücken bei einem Ausbruch in den Fokus
Für die bullische Silberpreis Prognose ist die Marke von 71,50 US-Dollar deshalb entscheidend.
Wer offensiver auf die laufende Bewegung setzt, könnte bereits den Bereich um 68,30 US-Dollar als Momentum-Zone betrachten. Der technische Stopp liegt in diesem Szenario bei 63,80 US-Dollar.
Die möglichen Kursziele liegen anschließend bei 76,00, 82,00 und 88,00 US-Dollar.
Daraus ergibt sich je nach Ziel ein mögliches Chance-Risiko-Verhältnis zwischen 1,71 und 4,37. Die Aussagekraft des Szenarios wird aktuell als mittel eingeschätzt.
Vorsichtigere Anleger dürften dagegen auf einen bestätigten Ausbruch warten.
Dafür müsste Silber die Marke von 71,50 US-Dollar überwinden. Auch in diesem Fall bleibt 63,80 US-Dollar die entscheidende Absicherung auf der Unterseite. Die möglichen Ziele verändern sich nicht: 76,00 US-Dollar wäre die erste Marke, danach würden 82,00 und schließlich 88,00 US-Dollar in den Blick rücken.
Vor allem die 76-Dollar-Marke wäre interessant.
Denn nach einem Ausbruch über einen so wichtigen Widerstandsbereich schauen Anleger zunächst darauf, ob der Markt tatsächlich Anschlusskäufe findet. Genau das müsste Silber zeigen, bevor deutlich höhere Kursziele belastbarer werden.
Doch genau hier lauert die Gefahr
So positiv die Entwicklung seit 55,60 US-Dollar aussieht: Anleger sollten die Risiken der aktuellen Bewegung nicht unterschätzen.
Der Relative-Stärke-Index liegt inzwischen bei 64,93.
Damit befindet sich Silber zwar noch nicht eindeutig im überkauften Bereich. Der Markt nähert sich aber einer Zone, in der das Aufwärtsmomentum zunehmend anfällig für Gewinnmitnahmen werden kann.
Noch interessanter ist das Volumen.
Der Silberpreis läuft derzeit in einen Bereich hinein, in dem vergleichsweise wenig gehandelt wurde. Genau solche Zonen können gefährlich sein. Kurse können dort schnell nach oben schießen – aber ebenso schnell wieder zurückfallen.
Das erhöht das Risiko einer sogenannten Bullenfalle.
Das wäre besonders dann der Fall, wenn Silber kurz über 71 beziehungsweise 71,50 US-Dollar steigt, dort aber keine neuen Käufer findet und anschließend wieder unter den Widerstand zurückfällt.
Deshalb sollte ein Ausbruch nicht nur am Kurs festgemacht werden.
Auch das Handelsvolumen muss mitspielen.
Steigt Silber über 71,50 US-Dollar und wird diese Bewegung von deutlich höherem Volumen begleitet, wäre das Signal wesentlich überzeugender. Fehlt die Marktteilnahme, steigt dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass der Ausbruch nicht nachhaltig ist.
Was passiert, wenn Silber an 71 US-Dollar scheitert?
Genau deshalb gibt es neben dem bullischen Szenario auch eine klare Alternative.
Wird der Silberpreis im Bereich um 71 US-Dollar abgewiesen, wäre das zunächst ein Warnsignal. Ein aggressives bearishes Szenario sieht in diesem Fall einen Einstieg im Bereich von 71,00 US-Dollar vor.
Der technische Stopp würde bei 74,96 US-Dollar liegen.
Auf der Unterseite wären zunächst 63,80 US-Dollar relevant. Danach könnten 60,50 und schließlich wieder 56,00 US-Dollar in den Fokus rücken.
Das mögliche Chance-Risiko-Verhältnis liegt je nach Kursziel zwischen 1,81 und 3,78. Auch hier wird die Aussagekraft derzeit als mittel eingeschätzt.
Wer nicht auf eine bloße Abweisung setzen möchte, kann dagegen auf eine Bestätigung warten.
Die wichtige Marke dafür liegt bei 67,50 US-Dollar.
Fällt Silber darunter, würde das kurzfristige Chartbild deutlich an Stärke verlieren. Auch dann wären 63,80, 60,50 und 56,00 US-Dollar die relevanten Marken auf der Unterseite. Der technische Stopp läge wiederum bei 74,96 US-Dollar.
Das zeigt, wie wichtig der aktuelle Kursbereich ist.
Zwischen ungefähr 67 und 70 US-Dollar befindet sich Silber gewissermaßen in einer Zwischenzone. Weder Bullen noch Bären besitzen dort einen wirklich klaren Vorteil.
Genau deshalb kann es sinnvoll sein, nicht jeder kleinen Bewegung hinterherzulaufen.
Diese Unterstützung darf beim Silberpreis nicht brechen
Sollte die Rally ins Stocken geraten, rückt vor allem der Bereich zwischen 63,30 und 64,00 US-Dollar in den Mittelpunkt.
Dort verläuft nicht nur die Oberkante der zuvor überwundenen Ichimoku-Wolke. Gleichzeitig handelt es sich um einen ehemaligen Widerstandsbereich.
Das macht die Zone technisch besonders interessant.
Was zuvor Widerstand war, wird nach einem Ausbruch häufig zur Unterstützung. Genau hier könnte sich deshalb zeigen, ob Anleger Rücksetzer weiterhin zum Kauf nutzen.
Hält der Bereich, wäre eine Korrektur zunächst kein Drama. Sie könnte sogar helfen, das derzeit recht hohe Momentum etwas abzubauen.
Fällt Silber dagegen deutlich unter 63,30 US-Dollar zurück, würde die Lage kritischer. Dann wäre ein wichtiger Teil der jüngsten technischen Verbesserung wieder verloren.
Auch deshalb liegt der Stopp im bullischen Szenario bei 63,80 US-Dollar.
Beim Silberpreis entscheidet jetzt nicht nur die Richtung
Ein weiterer Punkt wird in solchen Marktphasen häufig unterschätzt: die Schwankungsbreite.
Der tägliche ATR liegt aktuell bei 2,64 US-Dollar. Vereinfacht gesagt bewegt sich Silber damit bereits an einem normalen Handelstag relativ stark.
Das hat Folgen für Anleger.
Wer seine Position zu eng absichert, kann schnell ausgestoppt werden, obwohl sich am eigentlichen Trend noch gar nichts geändert hat. Gleichzeitig darf ein hoher ATR natürlich nicht als Ausrede dienen, Verluste unbegrenzt laufen zu lassen.
Gerade bei Silber gehört Volatilität zum Geschäft.
Deshalb sollten technische Stopps nicht willkürlich gesetzt werden, sondern sich an wichtigen Chartmarken und der tatsächlichen Schwankungsbreite orientieren.
Für sämtliche beschriebenen Szenarien gilt zudem: Wird das erste Kursziel erreicht, kann der Stopp auf den Einstiegskurs nachgezogen werden. Danach bietet es sich an, Gewinne deutlich konsequenter abzusichern.
Silberpreis Prognose: Die nächsten Tage könnten alles verändern
Unterm Strich hat sich die Lage beim Silberpreis deutlich verbessert.
Der Doppelboden bei 55,60 US-Dollar ist abgeschlossen. Der MACD spricht für weiteres Aufwärtsmomentum. Die Ichimoku-Wolke wurde überwunden. Und der Kurs nähert sich inzwischen wieder einer Marke, die über den langfristigen Trend entscheiden kann.
Genau das macht die Situation gleichzeitig so spannend und so gefährlich.
Die Bullen haben viel erreicht. Aber den entscheidenden Beweis müssen sie noch liefern.
Dieser Beweis liegt oberhalb von 71,24 beziehungsweise 71,50 US-Dollar.
Gelingt dort ein überzeugender Ausbruch mit entsprechender Marktteilnahme, wäre der Weg zunächst in Richtung 76 US-Dollar frei. Darüber würden 82 und später 88 US-Dollar zu den nächsten relevanten Zielmarken.
Scheitert der Silberpreis dagegen erneut an der 200-Tage-Linie, könnte sich das Bild schnell drehen. Dann dürfte zunächst der Bereich um 63,80 US-Dollar getestet werden. Unterhalb davon würden 60,50 und möglicherweise sogar wieder 56 US-Dollar wichtig.
Genau deshalb dürfte die nächste größere Bewegung beim Silberpreis nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob Silber nach der Rally stark aussieht. Das tut es.
Die Frage ist jetzt, ob die Käufer stark genug sind, auch den härtesten Widerstand zu überwinden.
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Das sollten Sie am Freitag, den 21. August, im Blick behalten:
Nach dem starken Rückgang zur Wochenmitte tut sich der US-Dollar-Index schwer, eine Erholung zu verzeichnen, und bleibt leicht über dem Dreimonatstief, das er am Donnerstag nahe 98,50 markierte. Vorläufige Daten zum Einkaufsmanager-Index (EMI) für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor für August aus Deutschland, der Eurozone, dem Vereinigten Königreich und den USA werden am Freitag im Wirtschaftskalender stehen.