Der internationale Silbermarkt steht zunehmend unter strukturellem Druck. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern übersteigt die physische Nachfrage das verfügbare Angebot seit geraumer Zeit deutlich. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch bei Platin und Palladium, wobei Silber aktuell besonders im Fokus steht.
Auffällig ist die wachsende Preisdifferenz zwischen den großen westlichen Terminmärkten und dem physischen Handel in Asien. Während an der LBMA und an der Comex überwiegend derivative Kontrakte gehandelt werden, orientiert sich der Markt in Shanghai stärker an tatsächlich verfügbaren Beständen. Zeitweise kam es zuletzt zu erheblichen Arbitragespannen zwischen diesen Handelsplätzen.
Hintergrund ist ein seit Jahren bestehendes Missverhältnis zwischen der Menge ausstehender Papierkontrakte und den real vorhandenen Metallbeständen. Institutionelle Abnehmer, die Silber für industrielle Anwendungen benötigen, verlangen zunehmend physische Lieferung. Dies erhöht den Druck auf die Lagerbestände und verstärkt die Diskussion über mögliche Barausgleiche bei Lieferengpässen.
Kurzfristige Preisrückgänge, etwa infolge erhöhter Margin-Anforderungen an Terminbörsen, haben sich in der Vergangenheit als temporär erwiesen. Die Angebotsseite bleibt angespannt, da neue Förderkapazitäten nur mit erheblichem zeitlichem Vorlauf erschlossen werden können. Auch das Recycling von Silber gilt als kostenintensiv und begrenzt skalierbar.
Zusätzliche Nachfrageimpulse könnten aus dem Technologiesektor kommen. Neue Batteriekonzepte, unter anderem von Samsung, erfordern erhebliche Mengen an Silber. Parallel dazu berichten Händler weltweit von sinkenden Lagerbeständen bei Münzen und Barren sowie steigenden Aufgeldern.
Mit Blick nach vorn rechnen Marktbeobachter mit einer weiteren Verschärfung des Angebotsdefizits. Die zunehmende Trennung zwischen Papier- und physischem Markt deutet auf eine strukturelle Neubewertung hin. Zusätzliche Unsicherheiten ergeben sich aus regulatorischen Maßnahmen in China, die den globalen Handel beeinflussen könnten. Insgesamt dürfte der Silbermarkt damit auch im Jahr 2026 von hoher Anspannung und ausgeprägten Angebotsrisiken geprägt bleiben.
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