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Kanada erhöht Leitzins überraschend: Standard Chartered erwartet weiteren Zinsschritt

Die kanadische Notenbank hat ihren Leitzins trotz schwacher Konjunktur und verhaltener Kerninflation um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent angehoben. Standard-Chartered-Ökonom Dan Pan wertet die Entscheidung als Zeichen dafür, dass die Bank of Canada (BoC) möglichen Inflationsrisiken frühzeitig entgegenwirken will. Die britische Großbank rechnet nun mit einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember. Damit würde der Leitzins zum Jahresende bei 2,75 Prozent liegen. Für 2027 erwartet Standard Chartered zunächst eine Zinspause. Sollte sich das Wirtschaftswachstum jedoch nachhaltig festigen, wären im weiteren Jahresverlauf zusätzliche Zinsschritte möglich.

Bank of Canada setzt auf vorsorgliche Zinserhöhungen

„Die Bank of Canada hat ihren Leitzins bei der Sitzung am 28. Oktober um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent angehoben. Wir hatten dagegen mit einer Zinspause gerechnet. Zwar ging die Mehrheit der Marktteilnehmer von einer Erhöhung aus, doch angesichts der verhaltenen Kerninflation und des schwachen Wirtschaftswachstums hielten viele Beobachter diesen Schritt für unnötig. Die Notenbank hat dennoch deutlich gemacht, dass sie möglichen Inflationsrisiken lieber frühzeitig mit höheren Zinsen begegnen will.“

„Die geldpolitischen Signale lassen weitere Zinserhöhungen möglich erscheinen, ohne dass sich die Notenbank darauf festgelegt hätte. Unserer Einschätzung nach hält die BoC eine zusätzliche Straffung für notwendig, um den Risiken eines stärkeren Inflationsanstiegs entgegenzuwirken. Angesichts der großen Unsicherheit über die Folgen des Energiepreisschocks dürfte sie allerdings zögern, sich bereits jetzt verbindlich auf weitere Schritte festzulegen. Wir erwarten im Dezember eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte. Damit würde der Leitzins zum Jahresende 2,75 Prozent erreichen, nachdem wir bislang 2,25 Prozent prognostiziert hatten. Dieses Niveau entspricht der Mitte der von der BoC geschätzten neutralen Zinsspanne.“

„Sollten die Konjunkturdaten für Oktober und November auf eine weitere Verschlechterung am Arbeitsmarkt hindeuten, könnte die BoC im Dezember auch auf eine Zinserhöhung verzichten. Wir rechnen damit, dass die Kerninflation bis zur Dezembersitzung schwach bleibt. An der grundsätzlichen Bereitschaft der Notenbank zu weiteren Zinsschritten dürfte das jedoch wenig ändern. Solange sich keine klare Lösung des Nahostkonflikts abzeichnet, wird die BoC die hohen Energiepreise voraussichtlich als zusätzliches Inflationsrisiko betrachten. Die verhaltene Kerninflation dürfte sie dagegen als vorübergehendes Phänomen einstufen.“

„Nach Zinserhöhungen um insgesamt 50 Basispunkte im Jahr 2026 erwarten wir, dass die Bank of Canada ihre Leitzinsen 2027 unverändert lässt. Sollten die Wirtschaftsdaten im weiteren Jahresverlauf ein robustes Wachstum bestätigen, könnte die Notenbank allerdings erneut zu Zinserhöhungen bereit sein. Ihr neues Prognosemodell legt großen Wert darauf, wie sich steigende Energiekosten auf die Inflation übertragen. Gleichzeitig misst es der inflationsdämpfenden Wirkung einer schwächeren Nachfrage eine geringere Bedeutung bei.“

„Wir gehen davon aus, dass die schwache Nachfrage den allgemeinen Inflationsdruck vergleichsweise gering halten wird. Dadurch dürfte sich die Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen über die anfänglichen vorsorglichen Schritte hinaus begrenzen. Die an den Märkten eingepreisten Zinserhöhungen von insgesamt mehr als 85 Basispunkten für den verbleibenden Straffungszyklus halten wir deshalb weiterhin für überzogen. Das gilt insbesondere, da die frühzeitigen Zinsschritte der Notenbank vermutlich gerade darauf abzielen, einen späteren, deutlich ausgeprägteren Zinserhöhungszyklus zu vermeiden.“

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