Gold bricht ein – und diese Aktien werden plötzlich zum neuen Wertspeicher


Gold, Silber, Kupfer: Erst neue Allzeithochs gegen den US-Dollar, dann der Absturz mit einer Geschwindigkeit, wie sie selbst erfahrene Anleger selten gesehen haben. Wer in den vergangenen Wochen auf Edelmetalle gesetzt hat, wurde eiskalt erwischt. Und genau in diesem Moment rückt ein Gedanke wieder in den Fokus, der lange unterschätzt wurde: Der Dollar verliert an Vertrauen – und Anleger suchen verzweifelt nach Alternativen.

Die alte Antwort lautet Gold. Doch genau hier setzen Analysten von Bernstein an – mit einer These, die vielen Investoren zunächst quer im Magen liegen dürfte: Nicht Gold könnte der wahre Profiteur der Dollar-Entwertung sein, sondern Aktien großer Ölkonzerne.

Der Dollar wackelt – und der Goldstandard ist längst Geschichte

Der Goldstandard ist tot. Was heute zählt, ist Fiat-Geld – und genau dieses System gerät immer stärker unter Druck. Die US-Geldpolitik gilt als unberechenbarer denn je. Seit Donald Trump wieder US-Präsident ist, hat sich diese Unsicherheit weiter verschärft. Fiskalische Experimente, politische Einflussnahme, hohe Schulden: Das Vertrauen in den Dollar bekommt Risse.

Kein Wunder also, dass der sogenannte Dollar-Debasement-Trade wieder an Fahrt aufnimmt. Anleger suchen nach Vermögenswerten, die Kaufkraft erhalten können. Bernstein bleibt deshalb grundsätzlich positiv für Gold. Doch dann kommt der entscheidende Satz, den viele Anleger nicht hören wollen – aber hören müssen:

Aus einem Goldbarren fließt kein einziger Dollar Dividende.

Öl ist kein Gold – aber Ölaktien sind besser als ihr Ruf

Ein Fass Öl ist kein Wertspeicher. Es zahlt nichts aus, schwankt brutal und verursacht Kosten. Doch Bernstein unterscheidet klar zwischen dem Rohstoff und den Unternehmen dahinter. Aktien defensiver Ölkonzerne mit starken freien Cashflows können genau das leisten, was Gold nicht kann: laufende Erträge liefern.

Die Analysten sprechen von einem neuen Begriff, der hängen bleibt: der „Oil Standard“. Die Idee dahinter ist einfach und für Anleger extrem relevant. Wenn Geld an Wert verliert, sind Unternehmen im Vorteil, deren Produkte direkt mit Inflation verknüpft sind – und die ihre Gewinne konsequent an Aktionäre weiterreichen.

Exxon und Chevron: Dividenden statt Hoffnungsrally

Genau hier kommen ExxonMobil und Chevron ins Spiel. Zwei Ölriesen, die seit Jahren liefern, was Gold nicht kann: sichere, wachsende Dividenden. Bernstein betont, dass beide Unternehmen Dividenden im Top-Quartil des S&P 500 zahlen – und das nicht erst seit gestern.

Selbst während des historischen Öl-Crashs in der Corona-Zeit überlebten diese Ausschüttungen. Und mehr noch: In diesem Quartal haben sowohl Exxon als auch Chevron ihre Dividende erneut um 4 Prozent erhöht.

Das ist kein Zufall. Diese Dividenden gelten als inflationsgeschützt, weil sie aus einem Geschäft stammen, dessen Produktpreise und Margen mit der Inflation steigen. Dazu kommen massive Aktienrückkäufe. Wer hier investiert ist, bekommt also nicht nur laufende Erträge, sondern auch einen stetig steigenden Anteil am Unternehmen.

Warum diese Ölaktien sogar Gold schlagen könnten

Bernstein macht dabei eine klare Einschränkung: Innerhalb des Energiesektors könnten integrierte Ölkonzerne kurzfristig schlechter abschneiden als reine Förderunternehmen oder Öldienstleister. Doch entscheidend ist etwas anderes.

Die Analysten sind überzeugt, dass Exxon und Chevron weder den US-Dollar noch Gold unterperformen werden. Und genau das ist der Kern der Investmentstory. Wenn der Dollar weiter an Vertrauen verliert, könnten diese Aktien eine ähnliche Schutzfunktion übernehmen wie Edelmetalle – nur mit einem entscheidenden Vorteil: Cashflow.

Exxon entkoppelt sich vom Ölpreis – und schockiert den Markt

Besonders auffällig ist die Kursentwicklung von ExxonMobil. Die Aktie notiert auf Allzeithoch und hat sich laut Bernstein zunehmend vom Ölpreis entkoppelt. Das ist ein Warnsignal – oder eine Bestätigung. Der Markt bewertet Exxon offenbar nicht mehr als klassische Ölpreis-Wette, sondern als Cashflow-Maschine.

Die Kursentwicklung seit Jahresbeginn liegt im 99. Perzentil des gesamten Jahrhunderts. Ein Extremwert, der zeigt, wie stark der Markt diese Aktie inzwischen spielt.

Chevron liegt nur knapp dahinter. Die Aktie erreicht das 98. Perzentil, auch wenn sie noch kein neues Allzeithoch markiert hat. Gründe dafür sind laut Bernstein der höhere Fokus auf das Fördergeschäft und Probleme bei einem Großprojekt in Kasachstan, die das Jahr holprig starten ließen.

Zahlen kamen planbar – und das ist genau das, was Anleger wollen

Beide Unternehmen haben ihre Quartalszahlen bereits Ende Januar vorgelegt. Bernstein spricht von relativ vorhersehbaren Ergebnissen. Und genau das ist in unsicheren Zeiten Gold wert. Keine Überraschungen, keine bösen Ausreißer, keine Ausreden.

Die Analysten gehen davon aus, dass die Aktienkurse weiter steigen werden.

Bernstein zieht die Reißleine – und hebt Kursziele an

Für ExxonMobil wird Bernstein deutlich optimistischer. Die Aktie erhält ein Outperform-Rating, das Kursziel steigt kräftig auf 159 US-Dollar. Zuvor lag es bei 137 Dollar.

Chevron bleibt bei Market Perform, das Kursziel wird jedoch ebenfalls angehoben – auf 194 US-Dollar nach zuvor 172 Dollar.

Fazit: Der „Oil Standard“ könnte Anleger überraschen

Gold bleibt Gold. Aber Gold zahlt keine Dividende, kauft keine Aktien zurück und wächst nicht. In einer Welt, in der der Dollar an Vertrauen verliert und politische Unsicherheit zunimmt, könnten große Ölaktien zur unterschätzten Antwort auf die Wertspeicher-Frage werden.

Bernsteins Botschaft ist klar: Wer nur auf Gold setzt, denkt zu kurz. Wer dagegen auf defensive Ölriesen mit stabilen Cashflows setzt, bekommt Inflationsschutz, laufende Erträge und die Chance auf weiter steigende Kurse.

Und genau das macht den „Oil Standard“ so gefährlich für alte Denkmuster – und so spannend für Anleger, die einen Schritt weiter denken wollen.

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