Die Zahlen sind brutal. Gold verlor am 30. Januar fast 10 % an nur einem Tag. So einen Absturz gab es zuletzt 1983. Der Preis rutschte wieder unter die Marke von 5.000 US-Dollar je Unze, nachdem diese Schwelle erst wenige Tage zuvor erstmals überschritten worden war. Ein Großteil der Jahresgewinne: ausgelöscht.
Silber traf es noch härter. Minus 27 % an einem einzigen Handelstag – der stärkste Tagesverlust, der jemals gemessen wurde. Innerhalb von nur zwei Handelstagen summierten sich die Verluste auf über 13 % bei Gold und knapp 34 % bei Silber.
Viele Anleger haben in diesen Stunden panisch verkauft. Stop-Loss-Kettenreaktionen, Margin-Calls, Zwangsliquidationen. Ein klassischer Markt-Schock.
„Alles halb so wild“? Warum Analysten trotzdem ruhig bleiben
So verrückt es klingt: Mehrere Marktbeobachter sehen in diesem Absturz keinen Trendbruch. Der Kern des Arguments ist simpel, aber wichtig: Gold steht heute auf dem Niveau von vor gerade einmal drei Wochen.
Ja, der Rückgang war schnell. Ja, er war heftig. Aber historisch betrachtet bewegen wir uns immer noch auf extrem hohen Preisniveaus. Für viele ist das keine Kapitulation, sondern eine harte, aber gesunde Korrektur.
Oder anders gesagt: Der Markt war schlicht zu heiß gelaufen.
Warum der Crash überhaupt kam: Politik, Fed und ein gefährlicher Hebel-Effekt
Der Ausverkauf kam nicht aus dem Nichts. Zunächst sorgte die politische Ebene für Unruhe: US-Präsident Donald Trump nominierte Kevin Warsh als neuen Chef der US-Notenbank. Die Märkte begannen sofort zu spekulieren, was das für die künftige Geldpolitik bedeutet.
Kurz darauf folgte der eigentliche Brandbeschleuniger: Die Terminbörse hob die Margin-Anforderungen für Edelmetall-Futures an. Für stark gehebelte Trader hieß das: mehr Kapital hinterlegen – oder verkaufen. Viele mussten verkaufen. Sofort.
Gold war zuvor von 5.594 US-Dollar auf rund 4.700 US-Dollar gefallen. Ein Rücksetzer von fast 900 US-Dollar – ausgelöst nicht durch schlechte Fundamentaldaten, sondern durch Technik, Psychologie und Zwang.
Was jetzt passiert: Spekulanten raus – langfristige Käufer rein?
Ein spannender Punkt: Genau solche Crashs vertreiben kurzfristige Zocker aus dem Markt. Und sie schaffen Raum für Investoren, die langfristig denken. Mehrere Analysten sehen darin sogar eine Chance: weniger Spekulation, mehr strategisches Kapital.
Viele rechnen nun mit einer Phase der Seitwärtsbewegung. Kein sofortiger Rebound, aber auch kein freier Fall. Eine Pause. Ein Durchatmen. Und danach – so die Hoffnung – der nächste Anlauf nach oben.
Zinssenkungen im Anflug – Rückenwind für Gold
Ein entscheidender Faktor bleibt bestehen: Der Markt erwartet, dass die US-Notenbank in diesem Jahr zwei Zinssenkungen vornimmt. Und genau das ist Gift für Anleihen – und gut für Gold.
Denn Gold wirft keine Zinsen ab. Sinkende Zinsen bedeuten geringere Opportunitätskosten. Historisch war das fast immer ein starker Treiber für steigende Goldpreise.
Die Prognosen: Neue Rekorde trotz Crash?
Trotz der Turbulenzen bleiben die Kursziele hoch. Mehrere große Häuser sehen Gold noch deutlich höher:
Gold über 6.000 US-Dollar je Unze in diesem Jahr gilt für viele nicht als Fantasie, sondern als realistisches Szenario. Einige erwarten sogar neue Allzeithochs jenseits von 6.200 oder 6.300 US-Dollar – vorausgesetzt, die Geldpolitik lockert sich wie erwartet und die geopolitische Unsicherheit bleibt hoch.
Das ist bemerkenswert: Der Markt crasht – und die langfristigen Erwartungen bleiben nahezu unverändert.
Aber Vorsicht: Der Boden muss noch nicht drin sein
So bullish viele klingen, so ehrlich sind sie auch: Kurzfristig kann es noch ungemütlich werden. Niemand kann aktuell seriös sagen, dass Gold bereits seinen finalen Tiefpunkt erreicht hat. Weitere starke Schwankungen sind möglich. Auch neue Tiefs sind nicht ausgeschlossen.
Wer jetzt einsteigt, braucht Nerven. Und einen klaren Plan.
Silber bleibt der Problemfall
Bei Silber ist die Lage deutlich komplizierter. Der Grund: Silber ist nicht nur Edelmetall, sondern auch Industrierohstoff. Es hängt an Konjunktur, Produktion und Wachstum. Genau deshalb schwankt Silber in Krisenphasen oft extremer als Gold – nach oben wie nach unten.
Die Erwartungen für Silber gehen deshalb deutlich auseinander. Einige sehen enormes Aufholpotenzial. Andere warnen vor anhaltender Volatilität.
Fazit: Schock für die Nerven – aber kein Beweis für das Ende
Was wir gesehen haben, war ein historischer Schock. Einer der heftigsten Edelmetall-Crashs seit Jahrzehnten. Aber: Die Argumente für Gold sind nicht verschwunden. Weder Inflation, noch Schulden, noch geopolitische Risiken, noch die Aussicht auf sinkende Zinsen.
Der Markt hat übertrieben – und dann brutal korrigiert. Ob das der Auftakt für die nächste große Rally war oder nur eine Zwischenstation in einer längeren Seitwärtsphase, wird sich zeigen.
Eines ist sicher: Langweilig wird es bei Gold und Silber so schnell nicht mehr.
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