Die Ertragslage europäischer Energiekonzerne dürfte sich im vierten Quartal 2025 spürbar eintrüben. Nach Einschätzung von Morgan Stanley ist im Branchenvergleich mit einem Rückgang der aggregierten Nettogewinne um 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu rechnen.
Hintergrund sind vor allem gesunkene Durchschnittspreise für Öl und Gas, eine schwächere Entwicklung im Handelsgeschäft sowie saisonal bedingt höhere Kosten zum Jahresende. Die Preisrückgänge bei Brent-Rohöl, niederländischem TTF-Gas und verflüssigtem Erdgas wirkten sich direkt auf die Fördererträge aus, während positive Impulse aus dem Raffineriegeschäft nur begrenzt genutzt werden konnten.
Zwar stiegen die Erdgaspreise am US-Markt deutlich an, doch ist die Bedeutung dieses Marktes für europäische Unternehmen insgesamt gering. Entsprechend blieb der positive Effekt auf Konzernebene begrenzt.
Zusätzlich belastend wirkt, dass die Handelsaktivitäten gegen Jahresende traditionell nachlassen. Mehrere große Energieunternehmen rechnen daher im Schlussquartal lediglich mit neutralen oder schwachen Beiträgen aus Handel und Optimierung. Gleichzeitig führen einmalige und unregelmäßig anfallende Kosten dazu, dass das vierte Quartal strukturell als besonders volatil gilt.
Der freie Cashflow des Sektors dürfte im Berichtszeitraum deutlich hinter den Ausschüttungen an die Anteilseigner zurückbleiben. Während Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe weiterhin ein hohes Niveau erreichen, wird die Nettoverschuldung voraussichtlich durch Erlöse aus Unternehmensverkäufen stabil gehalten.
Trotz des kurzfristigen Ergebnisdrucks wird für die Branche insgesamt mit einer Fortsetzung moderater Dividendenerhöhungen gerechnet. Einzelne Unternehmen dürften jedoch geplante Aktienrückkäufe aussetzen, um ihre Bilanzen zu stärken. Insgesamt deutet der Ausblick auf ein vorsichtigeres Umfeld für den europäischen Energiesektor zum Jahresende hin.
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