ABN AMROs Chefvolkswirt für Deutschland, Alexander Krüger, sieht die deutsche Wirtschaftsleistung auf Wachstumskurs. Die Bank hat ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2026 auf 1,3 % und für 2027 auf 1,1 % angehoben. Zugleich erwartet ABN AMRO, dass sich die Inflation bis zum Frühjahr 2027 wieder weitgehend dem EZB-Ziel von 2,0 % annähert. Die Risiken für diesen Ausblick seien jedoch nach oben gerichtet.
Widerstandsfähiges Wachstum, aber strukturelle Belastungen
„Die Wirtschaftsleistung steigt, doch ein entscheidender Durchbruch ist nicht in Sicht. Dennoch heben wir unsere Prognose für das BIP-Wachstum 2026 an. Die Inflationsrate dürfte in den kommenden Monaten knapp unter 3,0 % liegen.“
„Vor dem Hintergrund des anhaltenden Iran-Kriegs hat sich die deutsche Wirtschaft in den jüngsten Datenveröffentlichungen widerstandsfähig gezeigt. Inzwischen wurde in drei aufeinanderfolgenden Quartalen ein solides BIP-Wachstum verzeichnet. Gleichwohl bleibt die seit dem Ende der Corona-Pandemie aufgelaufene Wachstumslücke gegenüber anderen Ländern des Euroraums groß. Daran dürfte sich so bald wenig ändern, zumal die Zusammensetzung des BIP-Wachstums aus unserer Sicht nicht besonders ermutigend ist. Das Wachstum wird weiterhin in erheblichem Maße durch schuldenfinanzierten Staatskonsum getragen.“
„Dennoch werden wir mit Blick auf die Wachstumsaussichten vorsichtig optimistischer. Die öffentlichen Investitionen, einschließlich der Verteidigungsausgaben, werden weiter spürbar steigen und das Wachstum stützen. Wir erwarten jedoch, dass die Ausstrahleffekte auf andere Nachfragekomponenten begrenzt bleiben. Vor allem der Kaufkraftverlust infolge erhöhter Energiepreise dürfte zusammen mit einem unsichereren Arbeitsmarktausblick die Erholung des privaten Konsums begrenzen.“
„Insgesamt deuten diese Faktoren auf einen Wachstumspfad hin, der von verhalten bis solide reicht. Auch wegen statistischer Aufwärtsrevisionen, durch die das kumulierte Wachstum im Zeitraum 2011 bis 2021 um 0,8 Prozentpunkte angehoben wurde, haben wir unsere Prognose für das BIP-Wachstum 2026 von 0,7 % auf 1,3 % und für 2027 von 0,9 % auf 1,1 % erhöht. Arbeitstäglich bereinigt entspricht dies einer Anhebung für 2026 von 0,7 % auf 1,0 %, während die Prognose für 2027 unverändert bei 1,0 % bleibt. Mögliche Störungen durch die US-Zollpolitik und Entwicklungen in den Lieferketten beobachten wir weiterhin.“
„Wir erwarten, dass Unternehmen den Großteil dieser höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben. Vor diesem Hintergrund dürfte die Inflationsrate in diesem Jahr knapp unter 3,0 % liegen. Wir rechnen damit, dass sich die Inflation bis zum Frühjahr 2027 wieder weitgehend dem Inflationsziel der EZB von 2,0 % annähert. Aus unserer Sicht sind die Risiken für den Inflationsausblick nach oben gerichtet.“
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