Die chinesische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um fünf Prozent gewachsen – eine Überraschung ist das nicht. Schließlich war dies das erklärte Ziel der Kommunistischen Partei Chinas, und Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte bereits vor einigen Wochen darauf hingewiesen, dass die Vorgabe erreicht worden sei. Unter der Oberfläche gebe es jedoch weiterhin äußerst interessante Entwicklungen, merkt der Devisenanalyst der Commerzbank, Volkmar Baur, an.

Yuan dürfte sich trotz Export-Sorgen nur leicht aufwerten

„Am auffälligsten ist dabei das Ungleichgewicht in der chinesischen Wirtschaft, das sich in den vergangenen Monaten zunehmend in den Daten widerspiegelt. Während die Exporte weiter zulegen (+6,6 Prozent im Jahresvergleich im Dezember – die Daten wurden bereits vergangene Woche veröffentlicht), stiegen die Einzelhandelsumsätze im Dezember nominal lediglich um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Bereinigung um eine Inflationsrate von 0,8 Prozent lagen die Einzelhandelsumsätze in China im Dezember 2025 real damit nahezu auf Vorjahresniveau. Und bei den Investitionen stellt sich die Lage sogar noch schlechter dar.“

„Die Anlageinvestitionen lagen im Gesamtjahr 2025 um 3,8 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Im Dezember dürfte der Rückgang damit erneut im zweistelligen Bereich gelegen haben. Der einzige Lichtblick in den monatlichen Konjunkturdaten bleibt damit die Industrieproduktion, die im Jahresvergleich um 5,2 Prozent zulegte. Da es für diese zusätzliche Produktion jedoch keine ausreichende Binnennachfrage gibt, wird die chinesische Wirtschaft weiterhin Entlastung über den Export suchen müssen.“

„Aus Währungssicht bedeutet dies, dass der sehr strikt gesteuerte Yuan gegenüber dem US-Dollar weiterhin nur eine sehr leichte Aufwertung erfahren dürfte. Die anhaltend niedrige Inflation, die sich bei Erzeugerpreisen und im BIP-Deflator weiterhin deflationär zeigt, führt dazu, dass der reale Wechselkurs in China weiter sinkt. Das würde eigentlich eine deutlich stärkere nominale Aufwertung erfordern, um die Kaufkraftparität zu wahren. Eine zu starke Aufwertung der Währung könnte jedoch die Exporte belasten. Da der Außenhandel derzeit der letzte verbliebene Wachstumstreiber ist, wird die Notenbank äußerst vorsichtig agieren, was sie zulässt.“

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