Standard-Chartered-Volkswirte Hunter Chan und Shuang Ding gehen davon aus, dass sich die Dynamik der chinesischen Wirtschaft im Juli weiter abgeschwächt hat. Die offiziellen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für Industrie, Dienstleistungen und Baugewerbe lagen sämtlich unter der Marke von 50 Punkten und fielen auf Mehrjahrestiefs. Zwar hätten sich Außenhandel und Industrieproduktion vergleichsweise robust gezeigt, die Dynamik habe jedoch nachgelassen. Die Verbraucherpreisinflation (CPI) dürfte unter die Marke von einem Prozent im Jahresvergleich gefallen sein, während die Erzeugerpreise (PPI) auf einem erhöhten Niveau geblieben seien. Basiseffekte hätten den Einzelhandel gestützt, während die Investitionen in Sachanlagen weiter rückläufig gewesen seien.
PMIs, Handel und Inflation senden Warnsignale
„Der Halbleitersektor dürfte sich weiterhin überdurchschnittlich entwickelt und Chinas Außenhandel sowie die Industrieproduktion gestützt haben. Die im Juni gesunkenen Ölpreise dürften sich mit einer Verzögerung von einem Monat im Juli belastend auf Export- und Importpreise ausgewirkt haben. Das Wachstum der Handelsvolumina dürfte jedoch robust geblieben sein. Das Wachstum der Industrieproduktion dürfte sich nach dem saisonalen Sprung im Juni zwar abgeschwächt haben, insgesamt aber solide geblieben sein.“
„Die Verbraucherpreisinflation dürfte sich im Juli auf 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr abgeschwächt haben. Damit wäre sie erstmals seit sechs Monaten wieder unter die Marke von einem Prozent gefallen. Ausschlaggebend dürften niedrigere Lebensmittel- und Kraftstoffpreise im Monatsvergleich gewesen sein. Während die Erzeugerpreise im Monatsvergleich aufgrund sinkender Preise für mineralölbezogene Produkte nachgegeben haben dürften, könnte die Gesamtinflation bei 4,1 Prozent im Jahresvergleich verharrt sein.“
„Basiseffekte dürften das Wachstum der Einzelhandelsumsätze gestützt und verhindert haben, dass sich der Rückgang der Investitionen in Sachanlagen seit Jahresbeginn weiter verschärft. Gleichzeitig dürfte sich die durchschnittliche Wachstumsrate über zwei Jahre abgeschwächt haben. Ungünstige Wetterbedingungen könnten die Bautätigkeit beeinträchtigt und damit die Infrastrukturinvestitionen belastet haben. Zudem dürfte der Immobiliensektor weiterhin ein wesentlicher Bremsfaktor geblieben sein.“
„Die Kreditnachfrage dürfte insgesamt schwach geblieben sein, während die Finanzierung über Unternehmens- und Staatsanleihen das Wachstum der gesamten Kreditvergabe weiter gestützt haben dürfte.“
„Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in China fiel im Juli auf 49,2 Punkte und rutschte damit erstmals seit März wieder in den Schrumpfungsbereich. Der Teilindex für Neuaufträge sank noch deutlicher unter die Marke von 49 Punkten, während sich die Teilindizes für Produktion und Exportneuaufträge vergleichsweise stabil hielten. Zudem fielen die Einkaufsmanagerindizes für Dienstleistungen und Baugewerbe auf Mehrjahrestiefs, was auf eine nachlassende Binnennachfrage hindeutet.“
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