- Der US-Dollar schloss die zweite Woche in Folge mit Verlusten ab.
- Der Arbeitsmarktbericht zeigte im vergangenen Monat einen unerwarteten Rückgang.
- Als Nächstes relevant für den Greenback sind die CPI-Daten der kommenden Woche.
Die Woche im Rückblick
Die geopolitische Lage ist in dieser Woche nahezu der ausschließliche Treiber der Stimmung an den globalen Märkten geblieben.
Vor diesem Hintergrund litt der US-Dollar (USD) unter dem zunehmenden Optimismus hinsichtlich eines möglichen Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran, das nicht nur die aktuelle Krise beenden, sondern auch die Straße von Hormus wieder öffnen würde. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios ist nach Berichten wieder aufgekommen, wonach US-Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende einen unmittelbar bevorstehenden Angriff auf den Iran abgesagt hat, was Spekulationen freien Lauf ließ, dass ein Deal vielleicht schon wieder kurz bevorstehen könnte… wieder und wieder und wieder.
Dann kamen die Wetten auf eine Zinserhöhung der Federal Reserve (Fed) ins Spiel. Tatsächlich hatten die Erwartungen an eine zusätzliche Straffung durch die Fed bereits nachgelassen, bis sie nach dem US-Arbeitsmarktbericht deutlich zurückgingen, der unerwartet zeigte, dass die Wirtschaft im vergangenen Monat 23.000 Arbeitsplätze verloren hat.
Ein weiterer Treiber hinter der erhöhten Volatilität rund um den Greenback kam aus Japan, nachdem die gemeinsame Devisenintervention der vergangenen Woche zur Stützung des Yen die Tür für ähnliche Maßnahmen im Falle eines weiteren Bedarfs offen gelassen hatte.
Der US Dollar Index (DXY) fiel am Freitag zeitweise auf den Bereich von 99,40, also auf ein Sieben-Wochen-Tief, um danach wieder etwas Boden gutzumachen.
Am US-Geldmarkt spiegelte die Entwicklung der Renditen von US-Staatsanleihen die des Buck weitgehend wider: Sie gaben über die gesamte Laufzeitstruktur hinweg nach und bremsten zugleich das seit Juli bestehende Aufwärtsmomentum.
Fed-Vertreter behalten klaren Straffungsbias bei
Fed-Vertreter schlugen in dieser Woche insgesamt einen hawkischen Ton an und betonten, dass die Inflation weiterhin zu hoch sei, während sie signalisierten, dass die Zinsen erneut steigen könnten, falls der Preisdruck anhält. Zwar sprachen sich die meisten dafür aus, die Zinsen auf der jüngsten Sitzung unverändert zu lassen, doch niemand lieferte ein überzeugendes Argument für eine baldige Lockerung.
Alberto Musalem (St. Louis) und Jeff Schmid (Kansas City) sendeten die stärksten Signale in Richtung Straffung. Musalem erklärte, dass er bei der jüngsten FOMC-Sitzung eine Zinserhöhung bevorzugt hätte, und argumentierte, dass schrittweise Anhebungen weniger störend wären als später abruptes Handeln. Schmid vertrat ebenfalls die Ansicht, dass die aktuelle Politik nicht restriktiv genug sei und dass straffere geldpolitische Bedingungen nötig seien, um die Inflation wieder auf 2% zu bringen.
Lisa Cook (Board of Governors) und Mary Daly (San Francisco) unterstützten die jüngste Zinspause, behielten jedoch einen klaren Straffungsbias bei. Cook warnte, dass der Fed die Zeit davonlaufe, damit die Disinflation wieder einsetze, und sie bereit sei, eine weitere Anhebung zu unterstützen. Daly sprach sich ebenfalls für Geduld aus, während die Fed weitere Daten sammle, sagte jedoch, die Entscheidungsträger sollten aggressiv reagieren, falls die Inflation erneut anziehe.
John Williams (New York), Anna Paulson (Philadelphia) und Neel Kashkari (Minneapolis) schienen mit dem aktuellen Kurs eher zufrieden zu sein. Williams und Paulson unterstützten es, die Zinsen unverändert zu lassen, während geprüft werde, ob die bestehende Restriktion ausreiche. Kashkari stellte die Rückkehr der Inflation zum Ziel in den Vordergrund, zeigte jedoch wenig Neigung zu einer deutlichen Zinserhöhung.
Insgesamt war die Botschaft von Geduld mit hawkischer Schlagseite geprägt. Die Zinssetzer bevorzugten im Allgemeinen, die Zinsen stabil zu halten und die eingehenden Daten zu beobachten, doch anhaltende Inflation, robuste Wirtschaftstätigkeit und nur begrenzte Schwäche am Arbeitsmarkt ließen die Tür für weitere Straffungen offen. Die Äußerungen dieser Woche boten kaum Unterstützung für Zinssenkungserwartungen und deuteten darauf hin, dass sich die geldpolitische Debatte darauf verlagert hat, ob eine weitere Anhebung erforderlich sein wird.
Bullische Positionierung baut sich weiter auf; Überzeugung bleibt verhalten
Die spekulative Stimmung gegenüber dem US-Dollar verbesserte sich in der Woche bis zum 28. Juli weiter, wobei Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zeigten, dass die Netto-Long-Positionen auf fast 17,2 Tsd. Kontrakte von zuvor 15,6 Tsd. gestiegen sind. Der wöchentliche Anstieg verlangsamte sich auf 1,6 Tsd. Kontrakte, doch die Zahlen deuten auf einen anhaltenden, aber verhalteneren Wiederaufbau bullischer Positionierungen hin.
Der jüngste Anstieg ging mit einer stärkeren Marktteilnahme einher, nachdem das Open Interest auf rund 58,3 Tsd. Kontrakte gestiegen war (von knapp 54,0 Tsd.), während die spekulative Exponierung leicht auf 29,5% zulegte. Der Anstieg des Open Interest zusammen mit dem Zuwachs bei den Netto-Longs deutet darauf hin, dass Anleger weiterhin neue Long-Positionen aufbauen und nicht nur Shorts eindecken.
Das Gesamtbild ist ebenfalls konstruktiv, da sich die 4-Wochen-Veränderung der Netto-Positionierung auf rund 4,2K Kontrakte erhöht hat, was darauf hindeutet, dass sich in den vergangenen Monaten eine bullische Positionierung aufgebaut hat. Dennoch deuten historische Messgrößen darauf hin, dass der Greenback noch lange nicht überfüllt ist: Das Netto-Position-Perzentil stieg auf 64,3, während das Spekulations-Exposure-Perzentil leicht auf 47,5 zulegte, was verdeutlicht, dass das spekulative Exposure trotz der jüngsten Aufstockung weiterhin grob dem 5-Jahres-Durchschnitt entspricht.

Zusammenfassend deuten die jüngsten CFTC-Daten darauf hin, dass das Vertrauen in den US-Dollar weiter zunimmt. Zwar hat sich das Tempo der wöchentlichen Käufe verlangsamt, doch die Kombination aus steigendem Open Interest, positivem 4-Wochen-Momentum und weiterhin neutraler historischer Positionierung zeigt, dass noch Spielraum für weitere Aufstockungen besteht, sollte die US-Konjunktur und die Fed-Erwartungen den Dollar weiterhin stützen.
Hartnäckige Inflation trifft auf einen abkühlenden Arbeitsmarkt
Der US-Dollar bleibt von widersprüchlichen Konjunktursignalen irritiert.
Einerseits bleibt die Inflation hartnäckig. Sowohl der Verbraucherpreisindex (VPI) als auch der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) zeigten im Juni eine gewisse Abschwächung, doch der zugrunde liegende Preisdruck blieb anhaltend und gab der Federal Reserve (Fed) einen weiteren Grund, die Geldpolitik länger restriktiv zu halten.
Andererseits geriet der Greenback nach einem enttäuschenden Bericht zu den Nonfarm Payrolls (NFP) für Juli erneut unter Druck. Die US-Wirtschaft verlor 23K Stellen, während der Anstieg im Juni deutlich nach unten auf 20K von 57K revidiert wurde. Die Arbeitslosenquote lieferte einen Lichtblick und sank auf 4,1%, obwohl der Rückgang erneut teilweise durch einen Rückgang der Erwerbsquote getrieben zu sein schien (61,4% gegenüber 61,5%).

Trotz zunehmender Hinweise darauf, dass der Arbeitsmarkt an Schwung verliert, zeigt Fed-Chef Kevin Warsh wenig Bereitschaft, den Fokus von der Inflation weg zu verlagern. Das lässt Anleger daran zweifeln, ob die jüngste Schwäche bei der Beschäftigung ausreichen wird, um die geldpolitische Haltung der Zentralbank zu ändern.
Auch die breitere Marktstimmung bleibt vorsichtig, da die Anleger versuchen, die unsicheren Aussichten für den Nahen Osten und den weiterhin ungeklärten Ansatz des Weißen Hauses zur Beilegung des Konflikts mit dem Iran einzuschätzen.
Inflation rückt in den Mittelpunkt
In der kommenden Woche wird sich die Aufmerksamkeit im US-Datenkalender fast ausschließlich auf den Verbraucherpreisindex-Bericht (VPI) vom Mittwoch richten. Die Inflationszahlen könnten den nächsten wichtigen Katalysator für den US-Dollar liefern und die Erwartungen an die nächsten geldpolitischen Schritte der Fed prägen. Darüber hinaus steht vor dem vorläufigen Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan für den Monat August eine weitere Revision des US-BIP für das zweite Quartal an.
Unterdessen dürften sich die Äußerungen der Fed-Vertreter weiterhin auf die heimische Inflation und die sich entwickelnde geopolitische Lage konzentrieren.
Der letzte Abschnitt der Disinflation könnte den Dollar stützen
Die vergangenen Monate haben eine vertraute Herausforderung verdeutlicht: Die Inflation von ihrem Höchststand zu senken ist das eine, sie wieder vollständig auf das Ziel zurückzuführen, erweist sich jedoch als weitaus schwieriger.
Dieser letzte Abschnitt des Disinflationsprozesses könnte in den kommenden Monaten zu einer wichtigen Stütze für den US-Dollar werden, insbesondere wenn die Märkte zu optimistisch eingeschätzt haben, wie schnell der verbleibende Preisdruck nachlassen wird.
Solange die zugrunde liegende Inflation hartnäckig bleibt, sollten Erwartungen, dass die Zinsen länger höher bleiben, dem Greenback weiterhin einen festen Stand geben.
Arbeitsmarkt - Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Der Arbeitsmarkt gilt als entscheidender Indikator für die wirtschaftliche Stabilität eines Landes und beeinflusst maßgeblich den Wert einer Währung. Hohe Beschäftigung und geringe Arbeitslosigkeit tragen zu einer starken Binnennachfrage bei und stützen das Wirtschaftswachstum, was wiederum die Landeswährung stärkt. Ein besonders angespannter Arbeitsmarkt – also ein Mangel an Arbeitskräften – kann zudem inflationsfördernd wirken, da steigende Löhne bei knappen Arbeitskräften oft die Folge sind, was die Geldpolitik beeinflusst.
Das Lohnwachstum in einer Volkswirtschaft ist ein entscheidender Indikator für die Geldpolitik. Steigende Löhne bedeuten mehr Konsumausgaben, was in der Regel die Preise antreibt. Im Gegensatz zu volatilen Preistreibern wie Energie gilt das Lohnwachstum als stabiler Inflationsfaktor, da Gehaltserhöhungen schwer zurückgenommen werden können. Zentralbanken achten daher stark auf Lohnwachstumsdaten bei der Festlegung ihrer geldpolitischen Maßnahmen.
Das Gewicht, das Zentralbanken den Arbeitsmarktbedingungen beimessen, variiert je nach ihren Zielen. Einige Institutionen haben explizit erweiterte Mandate, die über die reine Inflationskontrolle hinausgehen und den Arbeitsmarkt betreffen. So verfolgt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) das doppelte Ziel, sowohl maximale Beschäftigung als auch stabile Preise zu fördern. Im Gegensatz dazu konzentriert sich die Europäische Zentralbank (EZB) ausschließlich darauf, die Inflation im Zaum zu halten. Dennoch spielen die Entwicklungen am Arbeitsmarkt für alle Notenbanken eine zentrale Rolle, da sie ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Gesamtlage sind und in enger Verbindung mit der Inflationsentwicklung stehen.
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