• EUR/USD setzt einen Teil des jüngsten Rückgangs beiseite und erobert die 1,1800-Marke zurück.
  • Der US-Dollar gerät unter Druck, da sich die Stimmung im Risiko-Komplex verbessert.
  • Der "Warsh-Handel" dominiert weiterhin die Stimmung unter den Anlegern.

Trotz des kürzlich beobachteten starken Rückzugs sieht die breitere EUR/USD-Geschichte weiterhin intakt aus. Das Paar zielt weiterhin auf den Bereich um die Jahreshöchststände nahe 1,2100, unterstützt durch einen Verlust an Momentum im sogenannten "Warsh-Handel".

EUR/USD gelingt es, sich zu stabilisieren und einen Teil des jüngsten Ausverkaufs am Dienstag zurückzugewinnen, indem es wieder über die 1,1800-Marke steigt. Dies wird größtenteils durch einen korrigierenden Rückgang des US-Dollars (USD) angetrieben, der Schwierigkeiten hat, an den jüngsten starken Gewinnen anzuknüpfen.

In diesem Zusammenhang gibt der US-Dollar-Index (DXY) nach zwei aufeinanderfolgenden täglichen Gewinnen etwas nach und bewegt sich zurück in Richtung des 97,30-Bereichs. In ähnlicher Weise scheint der weichere Ton des Greenbacks durch niedrigere US-Staatsanleihenrenditen über die gesamte Kurve verstärkt zu werden.

Fed: zuversichtlicher Ton, keine Eile

Die Federal Reserve (Fed) ließ die Zielspanne für die Fed Funds (FFTR) bei 3,50%–3,75% bei ihrer Sitzung im Januar unverändert, was den Erwartungen entsprach.

Die Entscheidungsträger klangen etwas zuversichtlicher in Bezug auf das Wachstum und stellten fest, dass die wirtschaftliche Aktivität weiterhin in solidem Tempo wächst. Die Inflation wurde weiterhin als etwas erhöht beschrieben, und die Unsicherheit bleibt hoch, aber bemerkenswerterweise sieht das Federal Open Market Committee (FOMC) die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung nicht mehr als intensivierend an. Die Entscheidung wurde mit 10–2 Stimmen angenommen, wobei Miran und Waller gegen eine Zinssenkung um 25 Basispunkte stimmten.

Bei der Pressekonferenz wiederholte Vorsitzender Jerome Powell, dass die US-Wirtschaft auf festem Boden bleibt und die aktuellen politischen Rahmenbedingungen angemessen sind. Er wies auf Anzeichen einer Stabilisierung des Arbeitsmarktes hin, wobei schwächere Beschäftigungsgewinne auf eine schwächere Arbeitsnachfrage und ein langsameres Wachstum der Erwerbsbevölkerung hinweisen. Zur Inflation argumentierte Powell, dass ein Großteil des jüngsten Überschusses durch die Preise von tarifgebundenen Gütern und nicht durch die zugrunde liegende Nachfrage getrieben wird, während die Disinflation im Dienstleistungssektor anhält. Er stellte auch fest, dass die tariflichen Auswirkungen voraussichtlich um die Jahresmitte ihren Höhepunkt erreichen werden.

Powell betonte, dass die politischen Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung getroffen werden, ohne vorgegebene Richtung. Entscheidend ist, dass niemand im Ausschuss eine Zinserhöhung als Basisszenario sieht und dass die Risiken auf beiden Seiten des Mandats etwas nachgelassen haben.

EZB: geduldige Haltung, Augen weit offen

Die Europäische Zentralbank (EZB) blieb auch bei ihrer Sitzung am 18. Dezember auf Kurs und schlug einen ruhigeren und geduldigeren Ton an, der die Erwartungen an kurzfristige Zinssenkungen weiter nach hinten verschob. Darüber hinaus halfen kleine Anpassungen der Wachstums- und Inflationsprognosen, diese Botschaft zu verstärken.

Laut den neuesten EZB-Protokollen machten die Entscheidungsträger deutlich, dass es keine Eile gibt, den Kurs zu ändern. Mit der Inflation nahe dem Ziel gibt es Spielraum, geduldig zu bleiben, auch wenn anhaltende Risiken Flexibilität weiterhin unerlässlich machen.

Darüber hinaus waren die Mitglieder des Direktoriums (GC) bestrebt zu betonen, dass Geduld nicht mit Selbstzufriedenheit verwechselt werden sollte; während die Politik derzeit als "gut aufgestellt" angesehen wird, ist sie keineswegs im Autopilot-Modus.

Die Märkte scheinen diese Botschaft aufgenommen zu haben und schließen eine Zinserhöhung bei der Sitzung am Donnerstag aus, während sie für das kommende Jahr etwas über 5 Basispunkte an Erleichterungen einplanen.

Positionierung: unterstützend, aber weniger energisch

Die spekulative Positionierung bleibt insgesamt unterstützend für die Gemeinschaftswährung, obwohl Anzeichen nachlassender Begeisterung zu erkennen sind.

Die Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) für die Woche bis zum 27. Januar zeigen, dass die nicht gewerblichen Netto-Long-Positionen auf zweiwöchige Höchststände von etwa 132,1K Kontrakten gestiegen sind. Gleichzeitig haben institutionelle Akteure ihre Short-Positionen erhöht, die nun bei etwa 181,6K Kontrakten liegen.

Das offene Interesse ist ebenfalls signifikant gestiegen und liegt bei etwa 929,3K Kontrakten, dem höchsten Stand seit sechs Wochen, was darauf hindeutet, dass die Teilnahme wieder zunimmt, zusammen mit einer vorsichtigen Rückkehr des Vertrauens.

Worauf man achten sollte

Kurzfristig: Der Fokus bleibt fest auf dem US-Dollar. Die Märkte richten ihre Aufmerksamkeit auf die kommenden US-Daten, insbesondere vom Arbeitsmarkt. In Europa wird die Aufmerksamkeit auf die vorläufigen Inflationswerte im gesamten Block gerichtet, während das bevorstehende EZB-Event voraussichtlich nicht viel Aufregung auf den FX-Märkten auslösen wird.

Risiken: Eine Fed, die länger vorsichtig bleibt, könnte das Momentum schnell wieder zugunsten des US-Dollars verschieben. Aus technischer Sicht würde ein klarer Durchbruch unter den 200-Tage-Simple-Moving-Average (SMA) auch das Risiko einer tieferen und nachhaltigeren Korrektur erhöhen.

Technische Ecke

Der Rückgang des EUR/USD scheint derzeit auf Widerstand im Bereich von 1,1770-1,1780 zu stoßen. Wenn der Kurs unter das Februar-Tief bei 1,1775 (2. Februar) fällt, könnte er versuchen, sich in Richtung der vorläufigen 55-Tage- und 100-Tage-SMAs bei 1,1699 bzw. 1,1678 zu bewegen. Darunter liegt der wichtige 200-Tage-SMA bei 1,1610, während der Verlust dieses Bereichs einen Test des November-Tals von 1,1468 (5. November) vor dem August-Boden bei 1,1391 (1. August) auf die Agenda bringen könnte.

Auf der Oberseite entsteht der erste Widerstand an der 2026-Obergrenze bei 1,2082 (28. Januar), gefolgt vom Höchststand im Mai 2021 bei 1,2266 (25. Mai) und dem Höchststand von 2021 bei 1,2349 (6. Januar).

Darüber hinaus scheinen die Momentum-Indikatoren auf eine Erschöpfung der bullischen Bewegung hinzuweisen. Dennoch schwebt der Relative Strength Index (RSI) um 53, und der Average Directional Index (ADX) bleibt nahe 32, was auf einen weiterhin festen Trend hinweist.

EUR/USD Tageschart


Fazit

Derzeit wird EUR/USD weitgehend von Entwicklungen in den USA angetrieben, weniger von dem, was aus dem Euro-Raum kommt.

Bis die Fed klarere Hinweise auf ihren Zinspfad für 2026 gibt oder die Eurozone einen überzeugenderen zyklischen Aufschwung liefert, wird sich jeder Anstieg wahrscheinlich allmählich entfalten, anstatt in einen klaren, entscheidenden Durchbruch umzuschlagen.

Arbeitsmarkt - Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Der Arbeitsmarkt gilt als entscheidender Indikator für die wirtschaftliche Stabilität eines Landes und beeinflusst maßgeblich den Wert einer Währung. Hohe Beschäftigung und geringe Arbeitslosigkeit tragen zu einer starken Binnennachfrage bei und stützen das Wirtschaftswachstum, was wiederum die Landeswährung stärkt. Ein besonders angespannter Arbeitsmarkt – also ein Mangel an Arbeitskräften – kann zudem inflationsfördernd wirken, da steigende Löhne bei knappen Arbeitskräften oft die Folge sind, was die Geldpolitik beeinflusst.

Das Lohnwachstum in einer Volkswirtschaft ist ein entscheidender Indikator für die Geldpolitik. Steigende Löhne bedeuten mehr Konsumausgaben, was in der Regel die Preise antreibt. Im Gegensatz zu volatilen Preistreibern wie Energie gilt das Lohnwachstum als stabiler Inflationsfaktor, da Gehaltserhöhungen schwer zurückgenommen werden können. Zentralbanken achten daher stark auf Lohnwachstumsdaten bei der Festlegung ihrer geldpolitischen Maßnahmen.

Das Gewicht, das Zentralbanken den Arbeitsmarktbedingungen beimessen, variiert je nach ihren Zielen. Einige Institutionen haben explizit erweiterte Mandate, die über die reine Inflationskontrolle hinausgehen und den Arbeitsmarkt betreffen. So verfolgt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) das doppelte Ziel, sowohl maximale Beschäftigung als auch stabile Preise zu fördern. Im Gegensatz dazu konzentriert sich die Europäische Zentralbank (EZB) ausschließlich darauf, die Inflation im Zaum zu halten. Dennoch spielen die Entwicklungen am Arbeitsmarkt für alle Notenbanken eine zentrale Rolle, da sie ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Gesamtlage sind und in enger Verbindung mit der Inflationsentwicklung stehen.

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