Die Aktien des französischen Luxuskonzerns Kering haben am Montag rund fünf Prozent zugelegt, nachdem das Unternehmen den Verkauf seiner Beautysparte an L’Oréal bekanntgegeben hat. Der Kaufpreis liegt bei rund 4 Milliarden Euro. Mit dem Schritt zieht Konzernchef Luca de Meo nur wenige Monate nach Amtsantritt eine klare strategische Linie.
Der Verkauf umfasst das Parfumhaus Creed, das Kering erst 2023 übernommen hatte. Zudem erhält L’Oréal eine exklusive 50-jährige Lizenz für die Entwicklung und den Vertrieb von Düften und Kosmetikprodukten der Marken Gucci, Bottega Veneta und Balenciaga, sobald bestehende Lizenzverträge – darunter Guccis Vereinbarung mit Coty, die 2028 ausläuft – enden.
Der Schritt bedeutet eine Abkehr von der unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden François-Henri Pinault begonnenen Diversifizierungsstrategie. Pinault hatte 2023 die Sparte Kering Beauté gegründet, um das Geschäft jenseits der Mode auszuweiten und stärker an der Wertschöpfung im Kosmetiksegment zu partizipieren, das bislang von Lizenzmodellen geprägt war.
Die Transaktion erfolgt in einer Phase wachsender finanzieller Belastung: Ende Juni lag die Nettoverschuldung des Konzerns bei 9,5 Milliarden Euro, hinzu kommen rund 6 Milliarden Euro aus Leasingverpflichtungen. Gleichzeitig steht Kering unter Druck, da das Wachstum der wichtigsten Marke Gucci – die mehr als die Hälfte des Konzerngewinns erwirtschaftet – deutlich nachgelassen hat, insbesondere in China.
Die Integration von Creed und der Aufbau eigener Parfumlinien wie Bottega Veneta Beauty hatten bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht. Die Beautysparte schrieb im ersten Halbjahr weiter Verluste. Mit dem Verkauf signalisiert de Meo eine Rückkehr zu einem fokussierteren Geschäftsmodell, das stärker auf Mode und Liquidität ausgerichtet ist.
Für L’Oréal stellt der Zukauf einen der größten Schritte in der Unternehmensgeschichte dar. Der Konzern übernimmt damit nicht nur die Kontrolle über Creed, sondern sichert sich langfristig auch die Rechte an der lukrativen Gucci-Duftlinie. Es wäre zugleich die größte Übernahme in der Geschichte des Kosmetikkonzerns und übertrifft den Kauf des australischen Labels Aesop im Jahr 2023. L’Oréal stärkt damit gezielt seine Position im schnell wachsenden Segment der Luxusparfums.
Darüber hinaus planen Kering und L’Oréal ein Gemeinschaftsprojekt im Bereich Wellness und Langlebigkeit, das eine weitere strategische Verbindung zwischen den beiden französischen Konzernen schaffen soll.
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