Goldpreis rutscht ab - und die Fed könnte den Druck noch erhöhen
Der Goldpreis steht an einem Punkt, an dem es schnell ungemütlich werden könnte. Die Gold-Futures notieren am Mittwoch bei 4.047,10 US-Dollar und damit 0,67 % tiefer. Auf Tages- und Wochenbasis bleibt das technische Bild klar negativ. Gleichzeitig ist der Kurs inzwischen in einen Bereich gefallen, an dem kurzfristige Gegenbewegungen jederzeit möglich sind.
Genau darin liegt die Spannung.
Der Goldpreis hat die zuvor wichtige Zone zwischen 4.060 und 4.075 US-Dollar bereits unterschritten. Damit hat sich das bearishe Bild zunächst weiter bestätigt. Jetzt rückt vor allem eine Marke in den Mittelpunkt: 3.989 US-Dollar.
Fällt auch diese Unterstützung, könnte sich der Abverkauf noch einmal deutlich beschleunigen.
Auf der anderen Seite reicht eine kleine Erholung nicht aus, um das Bild zu drehen. Dafür müsste Gold deutlich höher steigen. Erst oberhalb von 4.124 US-Dollar würde sich die Lage etwas entspannen. Über 4.242 US-Dollar wäre schließlich auch die kurzfristige Serie tieferer Hochs gebrochen.
Aktuell spricht jedoch deutlich mehr für die Bären.
Der Goldpreis steckt weiter im Abwärtstrend
Ein Blick auf den Chart zeigt ziemlich klar, warum.
Der Goldpreis bewegt sich weiterhin in einem fallenden Trendkanal. Besonders auffällig ist die Serie immer tieferer Hochs.
Am 25. August lag ein wichtiges Hoch noch bei 4.755,00 US-Dollar. Am 18. September waren es nur noch 4.439,80 US-Dollar. Das nächste markante Hoch vom 12. Oktober lag schließlich bei 4.242,30 US-Dollar.
Auf der Unterseite sieht es ähnlich aus.
Die Tiefpunkte wanderten von 4.273,30 über 4.143,10 und 4.091,20 bis auf zuletzt 3.989,10 US-Dollar nach unten.
Das ist ein klassischer Abwärtstrend.
Interessant ist dabei vor allem die jüngste Erholung. Vom Tief bei 3.989,10 US-Dollar schaffte es der Goldpreis lediglich bis auf 4.079,22 US-Dollar.
Das klingt zunächst nach einer ordentlichen Gegenbewegung. Technisch reicht sie aber nicht aus.
Denn der Kurs blieb unterhalb der zuvor gebrochenen Unterstützungen. Genau das macht die Erholung bislang eher zu einer Gegenbewegung innerhalb des Abwärtstrends als zu einer echten Trendwende.
Auch die aktuelle Tageskerze vom 28. Oktober hilft den Bullen noch nicht weiter. Sie ist noch nicht abgeschlossen. Ein bestätigtes Candlestick-Signal liegt damit derzeit nicht vor.
Warum die Verkäufer beim Goldpreis noch im Vorteil sind
Besonders deutlich wird das Bild bei den gleitenden Durchschnitten.
Der Goldpreis notiert unter dem 20-Tage-EMA bei 4.143,81 US-Dollar. Darüber wartet der 50-Tage-SMA bei 4.325,40 US-Dollar. Noch weiter entfernt liegt der 200-Tage-SMA bei 4.529,23 US-Dollar.
Damit liegt Gold unter allen drei wichtigen Durchschnittslinien.
Für Anleger ist das ein klares Warnsignal. Kurzfristig, mittelfristig und langfristig zeigt die technische Struktur derzeit in dieselbe Richtung.
Auch der ADX bestätigt den Trend.
Der Wert liegt bei 29,53. Gleichzeitig steht der negative Richtungsindikator −DI bei 26,73 und damit klar über dem positiven +DI bei 12,35.
Übersetzt bedeutet das: Der Abwärtstrend ist nicht nur vorhanden, er besitzt auch noch genügend Kraft.
Auch bei den Momentum-Indikatoren sieht es bislang nicht nach einer überzeugenden Trendwende aus.
Der RSI liegt bei 39,49, der CCI bei −61,92 und die Bull/Bear Power bei −67,30.
Die Lage hat sich gegenüber dem vorherigen Ausverkauf zwar etwas beruhigt. Doch keiner dieser Werte signalisiert bislang eine wirklich starke Rückkehr der Käufer.
Genau deshalb bleibt das Hauptszenario bearish.
Die Wahrscheinlichkeit einer Fortsetzung des Abwärtstrends liegt bei 90 %. Voraussetzung wäre zunächst, dass der Goldpreis unterhalb von 4.050 US-Dollar scheitert und anschließend die Marke von 3.989 US-Dollar nach unten durchbricht.
Wichtig: Diese 90 % beziehen sich auf das technische Szenario und nicht auf die Wahrscheinlichkeit, dass ein konkreter Trade erfolgreich ist.
Jetzt könnte die Fed den Goldpreis bewegen
Ausgerechnet in dieser technisch angespannten Situation kommen nun wichtige Konjunktur- und Zinsimpulse hinzu.
Am 28. Oktober steht um 14:00 Uhr EDT die nächste Entscheidung der US-Notenbank Fed an. Um 14:30 Uhr EDT folgt die Pressekonferenz.
Bereits am 29. Oktober um 8:30 Uhr EDT werden außerdem der Kern-PCE-Preisindex und neue Daten zum US-Bruttoinlandsprodukt veröffentlicht.
Für den Goldpreis sind diese Termine besonders wichtig.
Gold wirft selbst keine laufenden Zinsen ab. Steigen die Renditen anderer Anlagen, erhöhen sich deshalb die Opportunitätskosten einer Goldanlage.
Genau deshalb können höhere Zinserwartungen und steigende Renditen zusätzlichen Druck auf den Goldpreis ausüben.
Das macht die kommenden Handelstage besonders interessant.
Denn Gold steht technisch ohnehin unter Druck. Sollten die Zinsdaten zusätzlich gegen das Edelmetall laufen, könnte genau das der Auslöser für einen Bruch der nächsten Unterstützung sein.
Gibt es trotzdem Hoffnung für die Gold-Bullen?
Ganz tot ist die Gegenseite nicht.
Ein erstes positives Signal liefert der StochRSI.
Der %K-Wert liegt bei 56,83, während %D bei 34,42 steht. Der Indikator hat damit nach oben gedreht.
Das zeigt zumindest, dass der kurzfristige Verkaufsdruck etwas nachgelassen hat.
Für eine echte Trendwende reicht das aber noch lange nicht.
Auf Wochenbasis steht der RSI weiterhin nur bei 38,09. Gleichzeitig bleibt auch der wöchentliche MACD negativ.
Genau hier liegt das Problem.
Ein kurzfristig überverkaufter Markt kann jederzeit kräftig nach oben springen. Eine solche Gegenbewegung ist aber nicht automatisch der Beginn eines neuen Aufwärtstrends.
Beim Goldpreis liegt die erste wirklich wichtige Marke deshalb bei 4.124 US-Dollar.
Ein Tagesschluss darüber wäre das erste ernsthafte Signal dafür, dass sich das technische Bild verbessert.
Noch wichtiger wäre anschließend 4.242 US-Dollar.
Erst oberhalb dieser Marke wäre die unmittelbare Serie tieferer Hochs gebrochen. Dann hätte der Markt erstmals wieder ein Argument für eine nachhaltigere Trendwende.
Die Wahrscheinlichkeit dieses bullishen Szenarios wird derzeit lediglich mit 10 % angesetzt.
Diese Marken entscheiden jetzt über den Goldpreis
Für Anleger lässt sich die Situation damit relativ klar zusammenfassen.
Die Zone um 4.050 US-Dollar ist aktuell besonders wichtig.
Der Goldpreis notiert bereits in der Nähe dieses Bereichs. Scheitert ein erneuter Versuch, die Zone zwischen 4.050 und 4.091 US-Dollar zurückzuerobern, dürfte der Verkaufsdruck wieder zunehmen.
Dann wäre 3.989 US-Dollar die nächste entscheidende Marke.
Ein Schlusskurs darunter würde das bearishe Szenario bestätigen.
Für ein aggressives Short-Szenario liegt der relevante Bereich bei 4.050 US-Dollar. Der Stop läge bei 4.124 US-Dollar.
Ein reguläres Einstiegssignal liegt bislang noch nicht vor.
Das erste Ziel auf der Unterseite befindet sich bei 3.955 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von etwa 1,3. Für ein weiteres Ziel sollte zunächst ein erneuter Test der gebrochenen Zone abgewartet werden.
Auf der Long-Seite sieht das Bild deutlich anders aus.
Hier wäre zunächst ein Schlusskurs oberhalb von 4.124 US-Dollar erforderlich. Ein möglicher Einstieg läge bei 4.125 US-Dollar, der Stop bei 4.050 US-Dollar.
Das erste Ziel wäre anschließend 4.242 US-Dollar. Das entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von rund 1,6.
Das zweite Ziel liegt bei 4.320 US-Dollar. Hier würde das Chance-Risiko-Verhältnis bei etwa 2,6 liegen.
Mein Fazit zum Goldpreis
Beim Goldpreis geht es jetzt um mehr als nur ein paar Dollar nach oben oder unten.
Der Markt befindet sich weiterhin in einem intakten Abwärtstrend. Die tieferen Hochs, die tieferen Tiefs, die Position unter den wichtigsten gleitenden Durchschnitten und das negative Momentum sprechen derzeit klar gegen eine nachhaltige Trendwende.
Trotzdem ist die Lage spannend.
Denn Gold steht inzwischen an einer Zone, an der zumindest kurzfristige Gegenbewegungen jederzeit möglich sind. Genau deshalb sollte man jetzt nicht einfach nur auf fallende Kurse setzen, sondern auf die entscheidenden Marken achten.
Unter 3.989 US-Dollar dürfte sich das Chartbild nochmals deutlich verschlechtern. Dann wartet mit 3.955 bis 3.963 US-Dollar bereits die nächste wichtige Nachfragezone.
Auf der Oberseite bleibt 4.124 US-Dollar der erste echte Prüfstein.
Erst wenn Gold diese Marke zurückerobert, bekommen die Bullen wieder etwas Luft. Oberhalb von 4.242 US-Dollar würde sich das Bild dann tatsächlich spürbar verändern.
Bis dahin haben die Verkäufer den Vorteil.
Und mit der Fed-Entscheidung, der Pressekonferenz sowie den anstehenden PCE- und BIP-Daten stehen gleich mehrere Termine bevor, die genau diese Entscheidung beschleunigen könnten.
Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und dem Finanzjournalismus und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien und anderen Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
Autor

Robert Zach
FXStreet
Robert ist ein versierter Finanzexperte mit umfassender Erfahrung im Bank- und Investmentsektor.






