Die hohen Energiepreise hinterlassen zunehmend Spuren bei der Inflation im Euroraum. Nach Einschätzung von Commerzbank-Ökonom Dr. Vincent Stamer schlagen die gestiegenen Kosten bereits auf die Preise von Waren und Dienstleistungen durch. Das quantitative Prognosemodell der Bank rechnet in den kommenden Monaten mit einer allgemeinen Inflationsrate von knapp vier Prozent. Die Kerninflation dürfte im Laufe des nächsten Jahres auf mehr als drei Prozent steigen. Damit könnte die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen sein, ihre Inflationsprognosen erneut anzuheben und die Leitzinsen weiter zu erhöhen.
Commerzbank erwartet steigende Kerninflation und weitere EZB-Zinserhöhung
„Die Kerninflation im Euroraum steigt derzeit nur langsam. Ein genauerer Blick auf die einzelnen Preiskomponenten zeigt jedoch, dass die hohen Energiekosten bereits die Preise von Waren und Dienstleistungen nach oben treiben. Im kommenden Jahr dürfte sich dieser indirekte Effekt deutlich verstärken und die Kerninflation weiter steigen lassen.“
„Unser quantitatives Prognosemodell sagt für die kommenden zwölf Monate einen schrittweisen Anstieg der Kerninflation auf mehr als drei Prozent voraus. In diesem Fall müsste die EZB ihre Prognosen erneut nach oben korrigieren und dürfte die Leitzinsen ein weiteres Mal anheben.“
„Wie bereits in den vergangenen Monaten prognostiziert das Modell auf Basis der Daten vom 16. Oktober für die kommenden Monate eine Inflationsrate von knapp vier Prozent. Erst im Frühjahr dürfte die Teuerung aufgrund von Basiseffekten und niedrigeren Ölpreisen wieder zurückgehen.“
„Nach unseren Berechnungen wird die Kerninflation von derzeit 2,5 Prozent bis zum Herbst kommenden Jahres auf mehr als drei Prozent steigen. Der Grund dafür ist, dass die Unternehmen bereits seit mehr als einem halben Jahr mit hohen Energiepreisen konfrontiert sind und diese Kosten nun zunehmend an ihre Kunden weitergeben.“
„Auf Grundlage unserer aktuellen Prognosen dürfte die EZB ihre Inflationserwartungen im Dezember erneut anheben. Das bestärkt uns in unserer Einschätzung, dass die Europäische Zentralbank die Leitzinsen im Dezember erhöhen wird.“
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