Der Goldpreis steht vor einer richtungsweisenden Phase. Die Dezember-Futures auf Gold (GCZ6) notieren am Mittwoch bei 4.134,09 US-Dollar – und damit unmittelbar über einer Unterstützungszone, die jetzt halten muss. Zwischen 4.124 und 4.132 US-Dollar entscheidet sich kurzfristig, ob die Käufer noch einmal zurückschlagen oder ob der Abwärtstrend in die nächste Runde geht.
Das Problem für die Gold-Bullen: Das technische Gesamtbild spricht weiterhin klar gegen sie. Auf Tagesbasis steht das Signal auf „Strong Sell“, auch der Wochenchart liefert ein starkes Verkaufssignal. Über die vergangenen drei Monate betrachtet befindet sich der Goldpreis ebenfalls in einem Abwärtstrend.
Entsprechend deutlich fällt die Gewichtung der beiden Szenarien aus. Die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung liegt bei 85 %. Für eine echte bullische Trendwende bleiben derzeit lediglich 15 %.
Doch genau an dieser Stelle wird es spannend. Denn Gold testet gerade einen Bereich, an dem sich zeigen dürfte, wie viel Kraft die Verkäufer tatsächlich noch besitzen.
Goldpreis: Diese Unterstützung steht jetzt auf dem Prüfstand
Seit dem Hoch vom 2. Oktober bei 4.259 US-Dollar bildet sich beim Goldpreis ein kurzfristiger fallender Trendkanal aus. Die Tiefpunkte vom 7. und 14. Oktober im Bereich zwischen 4.091 und 4.095 US-Dollar markieren dabei die untere Begrenzung.
Aktuell bewegt sich Gold bereits in der unteren Hälfte dieses Kanals.
Die erste wichtige Unterstützung liegt zwischen 4.124 und 4.132 US-Dollar. Darunter wartet mit 4.091 bis 4.095 US-Dollar die nächste Zone, die aus technischer Sicht noch deutlich wichtiger werden könnte.
Genau hier liegt der Knackpunkt.
Die aktuelle Tageskerze ist noch nicht abgeschlossen. Dass der Goldpreis an der Unterstützung bislang nicht weiter eingebrochen ist, darf deshalb noch nicht als echte Trendwende interpretiert werden. Bisher sehen wir lediglich ein Zögern – keinen bestätigten Befreiungsschlag der Käufer.
Auf der Oberseite warten die ersten Widerstände zwischen 4.170 und 4.180 US-Dollar. Darüber wird es im Bereich zwischen 4.220 und 4.259 US-Dollar richtig interessant.
Sollten dagegen auch die aktuellen Unterstützungen brechen, rückt auf der Unterseite der größere Bereich zwischen 3.955 und 4.046 US-Dollar ins Blickfeld.
Schon am 16. Oktober lag eine nahe Unterstützung zwischen 4.131 und 4.136 US-Dollar. Der damalige Widerstandsbereich befand sich zwischen 4.178 und 4.191 US-Dollar. Viel hat sich an der grundsätzlichen technischen Ausgangslage also nicht verändert.
Warum die Verkäufer beim Goldpreis weiter die besseren Karten haben
Der wichtigste Punkt ist die Trendstruktur.
Die Folge niedrigerer Hochs bleibt intakt. Gleichzeitig notiert der Goldpreis unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten auf Tagesbasis.
Der 20-Tage-EMA liegt per 21. Oktober 2026 bei 4.206,42 US-Dollar. Der 50-Tage-SMA verläuft bei 4.364,49 US-Dollar und der langfristige 200-Tage-SMA sogar bei 4.545,62 US-Dollar.
Das ist ein klares Bild: Der aktuelle Goldpreis befindet sich nicht nur unter einem kurzfristigen Durchschnitt, sondern deutlich unter sämtlichen wichtigen Trendlinien.
Damit wird jede Erholung zunächst zu einem Test für die Käufer.
Auch das Momentum hilft ihnen bislang kaum.
Der RSI liegt bei 39,13 Punkten. Das zeigt Schwäche, aber noch keinen extrem überverkauften Markt. Genau das ist wichtig. Denn ein sehr niedriger RSI könnte zumindest auf eine überdehnte Abwärtsbewegung und damit auf die Chance einer stärkeren Gegenbewegung hindeuten. Dieses Signal fehlt momentan.
Der Ultimate Oscillator steht bei 31,05, der Williams %R bei -75,42. Auch diese Werte passen zum insgesamt schwachen technischen Bild.
Ähnlich sieht es beim ADX aus. Er liegt bei 23,19. Dabei steht der negative Directional Indicator bei 22,86, während der positive Wert lediglich 12,96 erreicht.
Der Abwärtstrend ist damit vorhanden, aber noch nicht extrem stark ausgeprägt.
Für Anleger bedeutet das: Die Verkäufer kontrollieren den Markt, doch wir befinden uns noch nicht in einer Phase, in der der Trend vollkommen außer Kontrolle geraten wäre.
Die Fed könnte die Entscheidung bringen
Eine zusätzliche Unbekannte kommt bereits in wenigen Tagen ins Spiel.
Die US-Notenbank entscheidet am 28. Oktober um 14:00 Uhr US-Ostküstenzeit über die Zinsen. Um 14:30 Uhr folgt die Pressekonferenz.
Für den Goldpreis kann genau dieses Ereignis neue Dynamik bringen.
Gerade weil sich Gold derzeit an wichtigen technischen Marken bewegt, könnte eine Veränderung der Zinserwartungen schnell dafür sorgen, dass einer der entscheidenden Bereiche im Chart fällt.
Bis dahin bleibt die technische Lage wichtiger als jede kleine Intraday-Bewegung.
Ein erstes positives Signal gibt es – mehr aber auch nicht
Ganz abschreiben sollte man die Gold-Bullen trotzdem nicht.
Der MACD hat sich zuletzt leicht verbessert. Das Histogramm liegt inzwischen bei plus 3,65.
Das klingt zunächst positiv. Der MACD selbst steht allerdings weiterhin bei minus 54,03 und damit klar im negativen Bereich.
Genau deshalb sollte man dieses Signal nicht überbewerten.
Es zeigt lediglich, dass sich das negative Momentum etwas abschwächt. Eine bestätigte Trendwende ist daraus noch nicht entstanden.
Damit sich das Chartbild wirklich dreht, müsste der Goldpreis auf Tagesschlussbasis über 4.259 US-Dollar steigen.
Das wäre die Marke, die den kurzfristigen fallenden Trendkanal nach oben brechen und gleichzeitig die unmittelbar bärische Struktur ungültig machen würde.
Solange dieser Ausbruch fehlt, bleiben Kursanstiege technisch betrachtet zunächst Erholungen innerhalb eines bestehenden Abwärtstrends.
Unter 4.091 Dollar könnte es beim Goldpreis schnell gehen
Für das bärische Hauptszenario liegt die entscheidende Marke bei 4.091 US-Dollar.
Ein Schlusskurs darunter würde die Fortsetzung der Abwärtsbewegung bestätigen.
Der technisch bestätigte Short-Einstieg liegt bei etwa 4.088 US-Dollar. Der dazugehörige Stop befindet sich bei 4.140 US-Dollar.
Als erstes größeres Ziel kommt anschließend der Bereich um 3.955 US-Dollar infrage. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von etwa 2,5.
Das zweite Ziel liegt bei 3.891 US-Dollar und würde das Chance-Risiko-Verhältnis auf rund 3,8 erhöhen.
Es gibt allerdings auch eine aggressivere Variante.
Sollte der Goldpreis zuvor in den Bereich um 4.175 US-Dollar steigen und dort erneut deutlich abgewiesen werden, wäre bereits diese Reaktion technisch interessant. Bei einem Stop von 4.225 US-Dollar stünden dabei rund 50 US-Dollar Risiko einem möglichen Ertrag von ungefähr 80 US-Dollar gegenüber.
Beim bestätigten bärischen Szenario liegt das Ziel bewusst an der Juni-Basis. Der nähere Bereich um 4.046 US-Dollar bietet nach dieser technischen Betrachtung kein ausreichend attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.
Was die Gold-Bullen jetzt schaffen müssen
Das bullische Szenario ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 15 % aktuell klar der Außenseiter.
Trotzdem gibt es auch hier eine klar definierte Marke.
Ein Tagesschluss oberhalb von 4.259 US-Dollar würde das aktuelle bärische Chartbild entscheidend verändern.
Ein möglicher Long-Einstieg läge anschließend bei rund 4.265 US-Dollar. Der Stop würde sich bei 4.220 US-Dollar befinden.
Das erste Ziel liegt bei 4.350 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von etwa 1,9.
Das zweite Kursziel befindet sich bei 4.423 US-Dollar. Hier würde das Verhältnis auf rund 3,5 steigen.
Genau deshalb ist die Marke von 4.259 US-Dollar so entscheidend: Erst oberhalb dieses Niveaus hätten die Käufer technisch wirklich etwas vorzuweisen.
Mein Fazit zum Goldpreis
Der Goldpreis steht gerade an einer Stelle, an der eine kleine Bewegung große Folgen haben kann.
Noch spricht deutlich mehr für die Verkäufer.
Der Drei-Monats-Trend zeigt nach unten, der kurzfristige fallende Kanal bleibt intakt, der Goldpreis notiert unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten und auch das Richtungsmomentum liegt klar auf der bärischen Seite.
Ein bestätigter Doppelboden ist nicht zu erkennen. Auch ein Dreieck, eine Flagge oder eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation liegt derzeit nicht vor.
Die laufende Kerze vom 21. Oktober liefert ebenfalls kein verlässliches Candlestick-Signal. Sie ist vergleichsweise schmal und zudem noch nicht abgeschlossen.
Damit bleibt aus technischer Sicht die Fortsetzung der Abwärtsbewegung das wahrscheinlichere Szenario.
Besonders kritisch wäre ein Bruch der Zone um 4.091 US-Dollar. Dann würde sich die Tür in Richtung 3.955 US-Dollar weiter öffnen.
Auf der anderen Seite müssen die Gold-Bullen nicht nur eine kurzfristige Gegenbewegung schaffen. Sie müssen den Abwärtstrend brechen. Dafür braucht es einen Tagesschluss über 4.259 US-Dollar.
Genau zwischen diesen beiden Marken spielt sich nun die Entscheidung ab.
Solange Gold unter 4.259 US-Dollar bleibt, haben die Verkäufer den Vorteil. Unter 4.091 US-Dollar könnte sich der Druck noch einmal deutlich erhöhen. Erst oberhalb des Oktober-Hochs würde sich das technische Bild wirklich drehen.
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