Was für ein Stimmungsumschwung pünktlich zum Monatswechsel – der Deutsche Aktienindex legte eine 800-Punkte-Rally aufs Parkett, die ihn bis auf das Wochenhoch von 12.675 Punkten beförderte. Es war zunächst einmal die Wiederholung der schon ein paar Tage zuvor gezeigten Reaktion auf die plötzliche Kehrtwende der britischen Notenbank, auf einmal wieder Anleihen zu kaufen, um die Chaostage am britischen Finanzmarkt zu beenden. Nur könnte die laufende Aufwärtsbewegung in der Tat etwas nachhaltiger sein, da mit der australischen Notenbank eine weitere geldpolitische Institution das Tempo aus ihrem Straffungskurs genommen und die Leitzinsen nur um 25 statt um die erwarteten 50 Basispunkte angehoben hat. Jetzt könnte die Hoffnung auf einen baldigen Kurswechsel auch der US-Notenbank, der sogenannte Fed-Pivot, die Kurse weiter nach oben treiben.
In dieses Bild passt der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht aus den USA zwar noch nicht ganz, aber die Optimisten können zumindest einen leichten Abwärtstrend bei den neu geschaffenen Stellen erkennen und auf die geringer als erwartet ausgefallen Lohnsteigerungen verweisen. Insgesamt aber zeigen die Daten einen weiterhin robusten US-Arbeitsmarkt, der die Fed eher in ihrer aktuellen Strategie bestätigen dürfte.
Fed will deutliche Fortschritte an der Inflationsfront sehen
Ob und wann die Fed das Tempo aus ihrem geldpolitischen Straffungskurs nimmt, dürfte aber auch maßgeblich von den in der kommenden Woche am Donnerstag veröffentlichten Verbraucherpreisdaten in den USA abhängen. Führende US-Notenbanker bezeichneten die Inflation in den vergangenen Tagen als weiterhin „hartnäckig und inakzeptabel hoch“. Sie wollen deutliche Fortschritte an der Inflationsfront sehen, bevor sie an eine Zinspause auch nur denken. Selbst wenn die Inflation also im September von den zuvor 8,3 Prozent weiter fallen sollte, dürfte dies eine Zinserhöhung um 75 Basispunkte im November wohl kaum verhindern. Vor allem die Kernrate, die im August wieder leicht gestiegen war, sollte ihren im Sommer begonnen Abwärtstrend fortsetzen. Hier sind 6,3 Prozent die Messlatte.
Mehr Probleme als Lösungen auf der IWF-Jahrestagung
Neben der hohen Inflation haben die Finanzminister und Notenbankchefs der 190 Länder des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf der Jahrestagung in Washington ab Freitag kommender Woche noch viele weitere Probleme zu diskutieren. Da ist die Angst vor einer globalen Rezession, die Energiekrise und nicht zu vergessen die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten durch die schnell steigenden Zinsen, die durchaus das Potenzial haben, eine neue Finanzkrise in Europa zu entfachen. Ein finanzielles Problem könnten auch die USA bekommen, nachdem die Staatsverschuldung erneut auf einem Rekordhoch und mal wieder kurz vor der Obergrenze angekommen ist. Ohne eine erneute Anhebung müssten staatliche Institutionen eine Zwangspause einlegen. Das Ringen um diese hat an den Börsen in den vergangenen Jahren immer wieder zu Turbulenzen geführt, da dabei auch die Kreditwürdigkeit der USA auf dem Spiel steht. Noch ist es kein Thema am Markt, der Dollar strotzt weiter vor Stärke, da andere Entwicklungen das Thema überlagern. Aber das kann sich schnell ändern.
So lange könnte die Hoffnung, dass die Notenbanken aus ihrem Zinserhöhungskurs etwas das Tempo herausnehmen, die Börsen weiter nach oben treiben. Aber entscheidend für das weltweite Kapital ist, welche Geldpolitik in Washington und nicht in Sydney gemacht wird. Langfristig orientierte Investoren werden deshalb erst einmal noch ein paar Daten abwarten wollen, um daraus Schlüsse für die Fed-Politik zu ziehen. Die US-Arbeitsmarktdaten heute waren dafür zumindest ein weiteres Puzzle-Teil, das noch nicht so richtig passt.
DAX – aktuelle Unterstützungen und Widerstände:
Unterstützungen: 12.400/12.350 + 12.200/12.150 + 12.050/12.000
Widerstände: 12.550/12.600 + 12.700/12.750 + 12.800/12.850
Dieser Artikel stammt von RoboMarkets.
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