- EUR/USD konnte seinen bullischen Ton über 1,1260 am Mittwoch nicht halten.
- Der US-Dollar reduzierte frühere Verluste und konnte bescheidene Gewinne verbuchen.
- Investoren werden nun auf die US-Einzelhandelsumsätze und Chef Powell achten.
Der Euro (EUR) gab seinen frühen Anstieg Mitte der Woche auf, während EUR/USD den anfänglichen Anstieg zu wöchentlichen Höchstständen im Bereich von 1,1260-1,1270 zurückgab, als der US-Dollar (USD) gegen Ende der NA-Sitzung wieder zu sich fand.
Tatsächlich eroberte der US-Dollar-Index (DXY) die 101,00-Marke zurück, nachdem er während des frühen Handels nahe 100,30 einen Tiefpunkt erreicht hatte, wobei auch der weitere Anstieg der US-Renditen zur späten Erholung des Greenbacks beitrug.
Zollerlass stützt Risikobereitschaft – aber Zweifel bleiben
Eine Welle des Skeptizismus durchzog die Märkte, trotz der jüngsten positiven Schlagzeilen über den Handel zwischen den USA und China, was zu einer gewissen Umkehr der USD-Stärke führte.
Die Märkte begrüßten zunächst die Nachricht, dass die USA und China sich auf einen erheblichen Zollabbau geeinigt hatten, wobei die gegenseitigen Abgaben von über 100% auf nur 10% gesenkt wurden. Das Abkommen beinhaltete auch eine 90-tägige Pause, wobei die USA einen Zoll von 20% auf fentanylbezogene Importe aus China beibehielten – was die gesamte Zolllast bei 30% hielt.
Diese Ankündigung folgte dem Handelsabkommen zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich in der letzten Woche und den optimistischen Äußerungen von Präsident Trump, der weitere Abkommen in Aussicht stellte.
Trotzdem war der Mangel an Details im US-China-Abkommen ein Warnsignal für die Anleger. Zweifel, ob das Abkommen einen dauerhaften Fortschritt signalisiert, belasteten die Stimmung, zogen den Dollar nach unten und gaben dem Euro Raum zur Erholung.
Fed-ECB-Politikdifferenz weitet sich aus
Die wachsende politische Divergenz zwischen der Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) ist ein weiteres zentrales Thema auf den Devisenmärkten.
Während die Fed die Zinsen stabil hielt und an ihrem hawkischen Kurs festhielt, senkte die EZB die Zinsen im letzten Monat um 25 Basispunkte und brachte ihren Einlagenzinssatz auf 2,25%. Mit einer weiteren Zinssenkung der EZB, die möglicherweise bereits im Juni auf der Agenda steht, wird die Divergenz immer deutlicher.
Händler neigen nun dazu, dass die Fed bis September mit Zinssenkungen warten wird, obwohl die Märkte weiterhin zwei Zinssenkungen um 25 Basispunkte bis zum Jahresende sehen – insbesondere nach den Handelsnachrichten zwischen den USA und China und den schwächeren als erwarteten US-Inflationsdaten für April.
Spekulative Positionierung unterstützt weiterhin den Euro
Trotz der jüngsten Schwankungen im Preisverlauf bleiben die spekulativen Zuflüsse in den Euro robust. CFTC-Daten bis zum 6. Mai zeigten, dass die Netto-Long-Positionen bei etwa 75,7K Kontrakten lagen, nahe den jüngsten Höchstständen, während das offene Interesse auf 738K anstieg – dem höchsten Stand seit September 2024.
Trotzdem bleiben kommerzielle Akteure netto short, was darauf hindeutet, dass Unternehmen inmitten des unsicheren makroökonomischen Umfelds vorsichtig bleiben.
Technik: Widerstand bleibt Kopfschmerzen bereiten
EUR/USD hat Schwierigkeiten, den wichtigen Widerstand bei seinem Hoch von 2025 bei 1,1572 (21. April) zu durchbrechen. Darüber hinaus stellen die 1,1600-Marke und das Hoch von Oktober 2021 bei 1,1692 weitere Hürden dar.
Auf der Abwärtsseite liegt die wichtige Unterstützung beim monatlichen Tief von 1,1064 (12. Mai), gefolgt vom vorübergehenden 55-Tage-SMA bei 1,1041 und dem kritischen 200-Tage-SMA bei 1,795.
Die Momentum-Indikatoren sind gemischt. Der Relative Strength Index (RSI) ist auf etwa 48 gestiegen, was auf einen möglichen kurzfristigen Rücksprung hindeutet, während der ADX nahe 37 ein anhaltendes, aber schwächer werdendes Trendsignal anzeigt.
EUR/USD Tageschart
Ausblick: Weitere Schwankungen erwarten
EUR/USD scheint sich auf eine Phase von nach Schlagzeilen getriebenen Volatilitäten vorzubereiten. Während die spekulative Unterstützung stabil bleibt, bedeutet die sich ausweitende Politikdifferenz zwischen der Fed und der EZB – sowie die anhaltende Unsicherheit über Handel und Geopolitik – dass der Euro vorerst in unruhigen Gewässern bleiben dürfte.
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