Der Streik von Norwegens Öl- und Gasarbeitern ist genau das, was der angespannte Erdgasmarkt in Europa im Moment nicht gebrauchen kann. Bereits gestern hat der europäische Gaspreis wieder zweistellig prozentual zugelegt. Die Entwicklung wird zu einer echten Belastung für Europas Konjunktur. Die systemische Gefahr, die Bundeswirtschaftsminister Habeck im Zusammenhang mit möglichen Insolvenzen von Gasversorgern ansprach, wird an der Börse am Absturz der Aktie von Uniper in diesen Tagen überdeutlich.
Der Deutsche Aktienindex hat gestern aufgrund des Feiertages in den USA eine kleine Pause eingelegt. Was der erneute Erholungsversuch heute Morgen wert ist, wissen wir nach der Handelseröffnung an der Wall Street nach dem verlängerten Wochenende. Der Wille, im DAX das Tief von Anfang März zu halten, ist durchaus vorhanden. Nach oben fehlt allerdings die Dynamik, so dass grundsätzlich an einer zeitnahen Bodenbildung zu zweifeln ist.
Etwas gute Stimmung kommt derweil aus China. Die Rückkehr zur Normalität nach den Covid-Lockdowns wird in einem steigenden Einkaufsmanagerindex sichtbar. China kommt in den Genuss günstiger russischer und iranischer Ölimporte. Die Wirtschaft im Reich der Mitte könnte so in den kommenden Wochen wieder etwas Dynamik nach oben entfalten.
Für Europa und Deutschland stellt sich dagegen die Frage, wie viele Gewinnwarnungen wie gestern von Fielmann die Börse noch verträgt. Das Geld der Menschen landet derzeit nicht bei den Händlern von Brillen, Kleidung und anderen Waren. Es fließt nach Russland, Saudi-Arabien und in andere Länder, die uns mit der immer knapper werdenden Energie versorgen, die ein ganzes Jahrzehnt lang günstig und in schier beliebiger Menge floss.
Nun aber hakt es in diesem Punkt an allen Ecken und Enden. Wenn man 2007 und die dann folgende Lehman-Krise genauer untersucht, stand am Anfang auch ein explosiver Ölpreisanstieg, der dann eine Rezession ausgelöst hat. Ursache damals war ein heftiger Vermögenstransfer - von den Energie-importierenden zu den Energie-exportierenden Ländern.
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