Die Ökonomen Enrico Tanuwidjaja und Sathit Talaengsatya von UOB weisen darauf hin, dass die Bank of Thailand (BoT) ihren Leitzins bei 1,00 Prozent belassen hat und dieses Niveau voraussichtlich bis 2027 beibehalten wird. Nach ihrer Einschätzung verläuft die wirtschaftliche Erholung Thailands nur auf schmaler Basis: Während die Technologieexporte robust seien, blieben die Nachfrage der privaten Haushalte und die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) schwach. Den derzeitigen inflationsbedingten Kostendruck stufen sie als vorübergehend ein und sehen darin keinen Anlass für Zinserhöhungen.
BoT dürfte an ihrer abwartenden Haltung festhalten
„Wir halten an unserer Einschätzung fest, dass 1,00 Prozent der Höchststand des Zinssatzes in diesem Zyklus ist, und erwarten, dass die BoT den Leitzins für den Rest des Jahres 2026 sowie während des gesamten Jahres 2027 unverändert lässt. Die anhaltende wirtschaftliche Unterauslastung, die schwache nachfragegetriebene Inflation, die Bilanzsanierung der privaten Haushalte und KMU sowie die eingeschränkte Kreditvergabe der Banken dürften den vorübergehenden Anstieg der Gesamtinflation ausgleichen. Die wirtschaftspolitische Unterstützung sollte sich zunehmend auf gezielte fiskalische Maßnahmen, Schuldenrestrukturierungen und Programme zur Verbesserung der Kreditvergabe stützen, anstatt den Leitzins weiter auf breiter Front zu senken.“
„Die geldpolitische Kommunikation ist am besten als bedingte und datenabhängige Haltung des Abwartens zu verstehen, wobei die Hürden für Maßnahmen in beide Richtungen hoch bleiben. Die BoT ist bereit, den ersten Inflationsschub durch höhere Energie- und Produktionskosten zu übergehen, solange sich die Preissteigerungen nicht auf breiter Front verfestigen und die mittelfristigen Inflationserwartungen stabil bleiben. Auf der Pressekonferenz erklärte die BoT, dass das derzeitige Zinsniveau ausreichen sollte, um den erwarteten Inflationspfad zu steuern. Zugleich behält sie sich die Möglichkeit vor, die Zinsen anzuheben, falls die Inflation ihre Prognosen deutlich übersteigt oder Zweitrundeneffekte zunehmen.“
„Eine vorsorgliche Zinserhöhung erscheint jedoch unwahrscheinlich, solange die Kaufkraft im Inland, die Aktivität der KMU und die Kreditvergabe der Banken schwach bleiben. Ebenso gab der geldpolitische Ausschuss keinerlei Hinweise auf eine erneute Lockerung. Die wiederholte Einschätzung des aktuellen Zinsniveaus als ‚angemessen‘, die einstimmige Entscheidung sowie die Betonung fiskalischer und gezielter finanzpolitischer Maßnahmen sprechen dafür, dass 1,00 Prozent als maßgeblicher Endpunkt dieses Zinszyklus angesehen wird. Der kurzfristige Fokus der Geldpolitik dürfte daher auf der Weitergabe höherer Kosten, den Inflationserwartungen, der Volatilität des Baht und der Kreditqualität der Schuldner liegen und nicht auf einer Feinsteuerung der Konjunktur durch kleinere Änderungen des Leitzinses.“
„Die Risiken für unsere Zinserwartung bestehen in beide Richtungen, die Hürden für eine Veränderung bleiben jedoch hoch. Eine Zinserhöhung der BoT würde Hinweise erfordern, dass sich der derzeitige relative Preisschock auf breiter Front ausweitet – etwa durch anhaltend hohe Dienstleistungsinflation, stärkeres Lohnwachstum, einen deutlichen Anstieg der mittelfristigen Inflationserwartungen oder eine ungeordnete Abwertung des Baht, die den importierten Preisdruck verstärkt. Unser Basisszenario geht derzeit davon aus, dass die US-Notenbank Fed ihre Zinsen bis Ende 2026 unverändert lässt und erst 2027 wieder mit Zinssenkungen beginnt, anstatt in einem der beiden Jahre weitere Zinserhöhungen vorzunehmen.“
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