Eine Analyse von RBC Capital zu den großen Ausverkaufsphasen im S&P 500 seit 1956 soll erklären, warum sich US-Aktien zuletzt vergleichsweise robust gehalten haben. Die Bank verweist dabei vor allem auf starke Unternehmensgewinne und solide Investitionen der Firmen.
Lori Calvasina, Leiterin der US-Aktienstrategie bei RBC, untersuchte alle Rückgänge des S&P 500 von rund 11 Prozent oder mehr gegenüber einem Rekordhoch seit 1956.
Als wiederkehrende Auslöser nannte sie drohende Rezessionen, steigende Zinsen, überzogene Bewertungen, geopolitische Schocks, starke Ausschläge bei den Ölpreisen sowie große Kriege.
Die schwersten Phasen von Marktstress hatten mehrere Gemeinsamkeiten. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ließ nach, Analysten senkten ihre Ergebnisschätzungen, zugleich gingen die Bewertungen zurück, die Stimmung brach deutlich ein und Entlassungen folgten. Auch das Wirtschaftswachstum und die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe schwächten sich ab.
Die aktuelle Lage sehe anders aus. "Am auffälligsten ist, dass die Profitabilität der Unternehmen steigt und die Gewinnprognosen weiterhin nach oben revidiert werden", schrieb Calvasina.
Sie ergänzte, dass das Verbrauchervertrauen bereits stark gelitten habe und die Anlegerstimmung deutlich unter ihren Hochs liege. Gleichzeitig befänden sich das verarbeitende Gewerbe und die Industrieproduktion in einer frühen Erholungsphase.
Calvasina zufolge könnten sich diese Indikatoren abschwächen, sobald die Fed mit Zinserhöhungen beginnt und die Anleiherenditen steigen. Das könnte zu einem tieferen Rückgang führen als der von RBC bislang erwartete Rücksetzer von 5 bis 10 Prozent. "Doch vorerst verfolgt der Aktienmarkt den Ansatz: unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist", schrieb sie.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zuletzt über 5 Prozent und bewegt sich seit Beginn des Iran-Kriegs eng im Gleichlauf mit den Ölpreisen.
RBC hält an seinem Zwölfmonatsziel für den S&P 500 von 8.150 Punkten fest. Ein neuer Stresstest unterstellt jedoch eine Inflation von 3 Prozent, vier Zinserhöhungen der Fed und eine Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von 5,25 Prozent. Daraus ergibt sich ein fairer Wert von etwas mehr als 7.900 Punkten.
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