S&P 500 vor neuer Rally? Wall Street hält trotz Börsenturbulenzen an Kurszielen fest
Die Aktienstrategen an der Wall Street lassen sich von den jüngsten Marktturbulenzen bislang kaum beirren. Einer Bloomberg-Umfrage unter 19 Aktienmarktstrategen zufolge sank das durchschnittliche Jahresendziel für den S&P 500 gegenüber September lediglich um neun Punkte von 7.976 auf 7.967 Zähler. Dabei mangelte es zuletzt nicht an Belastungsfaktoren: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang zeitweise deutlich über fünf Prozent, der Krieg im Iran sorgte für Verwerfungen an den Energiemärkten und Zweifel an der langfristigen Finanzierbarkeit der milliardenschweren KI-Investitionen lösten Ende vergangener Woche einen heftigen Ausverkauf bei Technologieaktien aus.
Das durchschnittliche Kursziel liegt damit 4,5 Prozent über dem Schlussstand des S&P 500 vom Freitag, dem 23. Oktober, bei 7.623,68 Punkten. Sollte der Index dieses Niveau bis zum Jahresende erreichen, entspräche das für 2026 einem Kursgewinn von rund 16 Prozent. Der amerikanische Leitindex würde damit bereits das vierte Jahr in Folge eine zweistellige Jahresrendite erzielen. Von den 19 befragten Strategen hob laut Bloomberg lediglich einer sein Kursziel an, während ein anderer seine Prognose senkte.
„Die Arbeit als Stratege kann selbst unter normalen Umständen anspruchsvoll sein. Derzeit fühlt es sich allerdings so an, als müssten wir unsere Einschätzungen mindestens einmal pro Woche aktualisieren, wenn nicht sogar noch häufiger“, erklärte HSBC-Stratege Max Kettner.
Hinter den erstaunlich stabilen Kursprognosen verbirgt sich allerdings eine deutlich schwierigere Marktlage. Am 6. Oktober hatte der S&P 500 mit 7.818,93 Punkten noch ein neues Rekordhoch auf Schlusskursbasis erreicht. Seitdem gelang es dem Index nicht mehr, sich diesem Niveau auch nur annähernd zu nähern. Am Freitag schloss er rund 2,5 Prozent unter seinem Höchststand. Belastet wurde die Entwicklung unter anderem durch den heftigen Ausverkauf am Donnerstag. Wieder aufgeflammte Sorgen über die Finanzierung des KI-Booms ließen die Meta-Aktie um mehr als sieben Prozent einbrechen und bescherten dem S&P 500 den stärksten Tagesverlust seit mehreren Monaten.
„Niedrigere Renditen dürften auch den Aktienbewertungen wieder etwas Luft verschaffen. Deshalb könnten Rücksetzer, die durch die beiden genannten Faktoren oder weitere wahrscheinliche Turbulenzen in Frankreich ausgelöst werden, in den kommenden Wochen erneut gute Kaufgelegenheiten bieten. Das gilt aus unserer Sicht allerdings stärker für Aktien als für Unternehmensanleihen“, ergänzte Kettner.
Auch die laufende Berichtssaison konnte die Stimmung bislang nur teilweise stabilisieren. Viele Anleger hatten gehofft, dass überzeugende Unternehmenszahlen den Märkten wieder mehr Halt geben würden. Bis Freitag hatten rund 24 Prozent der Unternehmen im S&P 500 ihre Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht. Nach Daten von FactSet übertrafen 83 Prozent davon die Gewinnerwartungen je Aktie. Das liegt über dem Fünfjahresdurchschnitt von 78 Prozent. Allerdings fällt das Ausmaß der positiven Überraschungen vergleichsweise gering aus. Im Durchschnitt lagen die gemeldeten Gewinne lediglich 2,1 Prozent über den Analystenschätzungen, während der entsprechende Fünfjahresdurchschnitt 7,5 Prozent beträgt.
Wells Fargo bezeichnete den bisherigen Auftakt der Berichtssaison deshalb gemessen an der Höhe der Gewinnüberraschungen als einen der schwächsten seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen.
„Wir erwarten zwar solide Ergebnisse. Für die Kursentwicklung in diesem Quartal dürfte jedoch entscheidender sein, ob es den Unternehmen gelingt, trotz der gesamtwirtschaftlichen Belastungsfaktoren Zuversicht hinsichtlich ihrer weiteren Geschäftsaussichten zu vermitteln“, erklärte Savita Subramanian, Aktienstrategin bei der Bank of America.
Autor

Robert Zach
FXStreet
Robert ist ein versierter Finanzexperte mit umfassender Erfahrung im Bank- und Investmentsektor.






