Silberpreis unter 53 Dollar: Wird es jetzt richtig bitter?
Der Silberpreis steht wieder massiv unter Druck. Die Dezember-Futures auf Silber (SIZ6) notieren am Dienstag bei 52,855 US-Dollar und damit 2,73 % im Minus. Entscheidend ist aber weniger der Tagesverlust als das, was im Chart passiert ist: Mit dem Rutsch unter 53,05 US-Dollar hat Silber ein wichtiges Zwischentief gebrochen.
Damit verschärft sich das technische Bild deutlich. Der Trend der vergangenen drei Monate zeigt klar nach unten, sämtliche wichtigen gleitenden Durchschnitte signalisieren Schwäche und auch das Momentum bleibt negativ.
Was jetzt besonders spannend ist: Silber ist inzwischen stark überverkauft. Das erhöht zwar die Chance auf eine Gegenbewegung, liefert aber noch lange kein Kaufsignal.
Aus technischer Sicht bleibt deshalb die Fortsetzung des Abwärtstrends das wahrscheinlichere Szenario. Die Gewichtung liegt aktuell bei 75 %. Für eine kräftigere Erholung werden lediglich 25 % angesetzt.
Diese Wahrscheinlichkeiten beziehen sich ausschließlich auf die beiden Chartszenarien im aktuellen Marktumfeld. Sie sind ausdrücklich nicht mit der Erfolgswahrscheinlichkeit eines einzelnen Trades gleichzusetzen.
Silberpreis verliert wichtige Unterstützung
Die Marke von 53,05 US-Dollar war zuletzt ein wichtiger Haltebereich. Genau diese Unterstützung ist nun gefallen.
Damit verändert sich ihre Funktion. Was zuvor den Kurs nach unten abgesichert hat, dürfte bei einer Erholung zunächst als Widerstand wirken.
Besonders wichtig ist deshalb jetzt die Zone zwischen 53,05 und 55,00 US-Dollar. Solange der Silberpreis darunter bleibt, haben die Verkäufer technisch weiter die besseren Karten.
Erst oberhalb von 55,56 bis 57,00 US-Dollar würde sich das Bild sichtbar entspannen.
Bis dahin bleibt der Abwärtstrend intakt.
Auch der Blick auf die Struktur des Charts macht das deutlich.
Seit dem Hoch bei 62,455 US-Dollar am 2. Oktober bilden sich zunehmend tiefere Hochpunkte. Am 20. Oktober lag ein weiteres markantes Hoch nur noch bei 58,76 US-Dollar.
Auf der Unterseite sieht es ähnlich aus. Das Tief vom 14. Oktober lag noch bei 55,56 US-Dollar. Am 26. Oktober waren es bereits nur noch 53,05 US-Dollar.
Das Ergebnis ist ein klarer fallender Trendkanal.
Der aktuelle Kurs liegt inzwischen sogar unterhalb der unteren Begrenzung dieses Kanals. Das erhöht den Verkaufsdruck zusätzlich.
Ein bestätigtes Umkehrmuster gibt es bislang nicht. Auch die aktuelle Tageskerze liefert noch kein entsprechendes Signal, da sie noch nicht abgeschlossen ist.
Genau deshalb wäre es aus meiner Sicht zu früh, allein wegen des starken Kursrückgangs auf einen Boden zu setzen.
Überverkauft heißt nicht automatisch Trendwende
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Silber inzwischen reif für eine kräftige Gegenbewegung ist.
Der RSI liegt bei 29,27. Der Williams %R steht bei -89,91 und der Stochastic-Indikator bei 13,59.
Alle drei Werte zeigen eine stark überverkaufte Situation.
Das ist zweifellos wichtig. Aber genau hier liegt eine der häufigsten Fallen in starken Abwärtstrends.
Ein überverkaufter Markt kann noch lange überverkauft bleiben.
Solange der Trend selbst nicht dreht, reicht ein niedriger RSI allein nicht aus, um auf steigende Kurse zu setzen.
Der ADX unterstreicht dieses Problem. Er liegt aktuell bei 33,72 und signalisiert damit einen relativ ausgeprägten Trend.
Noch klarer wird es beim Vergleich der Richtungsindikatoren.
Der negative -DI liegt bei 32,85. Der positive +DI kommt lediglich auf 8,95.
Mit anderen Worten: Der Verkaufsdruck dominiert weiterhin deutlich.
Das passt auch zum Bild der gleitenden Durchschnitte.
Der Silberpreis notiert aktuell unter dem 20-Tage-EMA bei 58,04 US-Dollar, unter dem 50-Tage-SMA bei 63,09 US-Dollar und ebenfalls klar unter dem 200-Tage-SMA bei 71,01 US-Dollar.
Auch der MACD liefert keine Entwarnung. Das Histogramm bleibt mit -0,358 negativ.
Damit zeigen Trend, Momentum und gleitende Durchschnitte derzeit alle in dieselbe Richtung.
Diese Marke könnte den nächsten Rutsch auslösen
Für die weitere Entwicklung wird jetzt vor allem 52,80 US-Dollar wichtig.
Ein Tagesschluss darunter würde die Fortsetzung des kurzfristigen Abwärtstrends bestätigen.
Aus technischer Sicht wäre anschließend ein Rücklauf an 53,05 US-Dollar besonders interessant. Denn genau dort könnte sich zeigen, ob die ehemalige Unterstützung tatsächlich zum Widerstand geworden ist.
Scheitert Silber dort erneut, wäre das ein weiteres Signal dafür, dass die Verkäufer die Kontrolle behalten.
Das bearishe Szenario sieht einen möglichen Einstieg bei 52,86 US-Dollar vor. Der Stop liegt bei 54,05 US-Dollar.
Das erste Kursziel liegt bei 50,50 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2,0.
Das zweite Ziel befindet sich bei 47,50 US-Dollar. Hier würde das Chance-Risiko-Verhältnis auf 4,5 steigen.
Eine aggressivere Variante wäre ein Rücklauf an 53,05 US-Dollar von unten, ebenfalls mit einem Stop bei 54,05 US-Dollar.
Darunter rückt zudem ein größerer Kursbereich zwischen 46,00 und 48,00 US-Dollar in den Fokus.
Das ist aktuell der nächste deutlich erkennbare Bereich im Chart.
Was Silber jetzt für eine echte Erholung braucht
Ganz abschreiben sollte man die Käufer trotzdem nicht.
Die stark überverkaufte Lage erhöht das Risiko einer Gegenbewegung. RSI, Stochastic RSI, Stochastic und Williams %R befinden sich allesamt nahe oder innerhalb überverkaufter Bereiche.
Eine kräftige Erholung wäre deshalb keineswegs überraschend.
Sie wäre allerdings zunächst nur eine technische Gegenbewegung.
Für eine echte Veränderung des kurzfristigen Trends braucht es mehr.
Der erste wichtige Schritt wäre ein Tagesschluss über 55,56 US-Dollar.
Danach müsste sich Silber über 57,00 US-Dollar festsetzen.
Erst dann wäre der jüngste Ausbruch nach unten weitgehend zurückgenommen und der fallende Trendkanal ernsthaft infrage gestellt.
Für dieses bullishe Szenario wird aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 25 % angesetzt.
Der mögliche Einstieg liegt bei 55,56 US-Dollar, der Stop bei 54,80 US-Dollar.
Das erste Ziel befindet sich bei 57,50 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2,6.
Das zweite Ziel liegt bei 59,00 US-Dollar und entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von 4,5.
Ein aggressiver Einstieg ist in diesem Szenario nicht vorgesehen. Dafür fehlt aktuell die technische Bestätigung.
Mein Fazit zum Silberpreis
Beim Silberpreis ist die Lage derzeit ziemlich eindeutig.
Der Dreimonatstrend zeigt nach unten, der fallende Trendkanal ist bestätigt und ein belastbares Umkehrsignal fehlt.
Gleichzeitig ist Silber inzwischen stark überverkauft. Genau das macht die aktuelle Situation spannend: Eine Gegenbewegung kann jederzeit einsetzen, doch technisch gibt es bislang noch keinen Beleg dafür, dass daraus auch eine nachhaltige Trendwende wird.
Für mich bleibt deshalb 52,80 US-Dollar die entscheidende Marke auf der Unterseite.
Fällt Silber per Tagesschluss darunter, würde sich der Abwärtstrend weiter bestätigen. Dann rückt zunächst 50,50 US-Dollar in den Fokus. Darunter wären 47,50 US-Dollar und der breitere Bereich zwischen 46 und 48 US-Dollar die nächsten wichtigen Marken.
Auf der Oberseite sieht die Sache ebenso klar aus.
Erst über 55,56 US-Dollar würde sich das Bild verbessern. Oberhalb von 57,00 US-Dollar müsste man das bearishe Szenario deutlich kritischer betrachten.
Bis dahin gilt: Silber ist überverkauft, aber noch nicht gedreht.
Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und dem Finanzjournalismus und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien und anderen Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
Autor

Robert Zach
FXStreet
Robert ist ein versierter Finanzexperte mit umfassender Erfahrung im Bank- und Investmentsektor.






