Der Silberpreis steht vor einer explosiven Konstellation. Acht Jahre Defizit in Folge. Historisch niedrige Lagerbestände. Und eine Investmentnachfrage, die einfach nicht abreißt. Was nach einem Selbstläufer klingt, ist in Wahrheit ein hochspannender Balanceakt – mit enormem Kurspotenzial, aber auch klaren Risiken.
RBC Capital Markets bringt es auf den Punkt: Der Silbermarkt ist strukturell unterversorgt – und das bleibt auch 2026 so. Doch während viele Anleger jetzt reflexartig auf steigende Preise setzen, wird im Hintergrund bereits die nächste große Gefahr aufgebaut. Genau hier trennt sich kurzfristige Euphorie von strategischem Denken.
Acht Jahre Defizit – Silbermarkt am Limit
Der Silbermarkt geht in sein achtes Defizitjahr. 2025 schloss mit einem Angebotsloch von 242 Millionen Unzen (Moz). Und laut RBC bleibt auch 2026 die Versorgungslage angespannt. Das bedeutet: Es wird deutlich mehr Silber verbraucht als neu auf den Markt kommt.
Besonders brisant: Die Lagerbestände befinden sich auf einem Allzeittief. Wenn ein Markt mit solchen Inventaren operiert, reagiert er extrem sensibel auf Nachfrageschübe. Schon kleine Impulse können den Silberpreis stark bewegen.
Die physische Marktlage dürfte sich laut RBC nicht schnell entspannen. Wer hier auf ein rasches Gleichgewicht setzt, unterschätzt die strukturellen Probleme.
Warum das Angebot kaum reagiert
Normalerweise gilt: Steigende Preise locken neues Angebot an. Doch im Silbermarkt funktioniert dieser Mechanismus nur eingeschränkt.
Selbst wenn höhere Preise sekundäres Angebot – also Recycling – anziehen und die Nachfrage aus Schmuck oder Silberwaren etwas nachlässt, würde das Defizit laut RBC nur um rund 50 Moz sinken. Das reicht nicht, um die Lücke zu schließen.
Und die Minen? Kurzfristig ist dort kaum Entlastung zu erwarten. Genehmigungen dauern, viele Minen sind überaltert, große Neuentdeckungen sind rar. Neue Projekte brauchen Jahre. Der Silberpreis kann steigen – aber das Angebot kommt nur im Schneckentempo hinterher.
Investmentnachfrage bleibt stark – Makro spielt Silber in die Karten
RBC sieht die makroökonomischen Rahmenbedingungen klar unterstützend. Ein schwächerer Dollar, steigende Nachfrage nach Real Assets und eine lockerere Geldpolitik bilden das ideale Umfeld für Edelmetalle.
Gerade in Phasen politischer Unsicherheit oder expansiver Fiskalpolitik fließt Kapital in Sachwerte. Der Silberpreis profitiert davon direkt. Diese Kombination aus knapper physischer Lage und stabiler Investmentnachfrage ist explosiv.
Die Gold-Silber-Ratio sieht RBC in den kommenden Jahren im Bereich von 60 bis 65. Das deutet darauf hin, dass Silber im Verhältnis zu Gold weiterhin Unterstützung bekommt.
Aber: Industrie ist das große Fragezeichen
So konstruktiv das kurzfristige Bild wirkt – mittelfristig wird RBC deutlich vorsichtiger. Der Grund ist die industrielle Nachfrage.
2025 entfielen rund 60 Prozent des gesamten Silberverbrauchs auf industrielle Anwendungen. Das ist die tragende Säule des Marktes. Und genau hier liegt das Risiko.
Silber macht inzwischen rund 30 Prozent der durchschnittlichen Kosten einer Solarzelle aus. Die Folge: Hersteller beschleunigen sogenannte Thrifting-Maßnahmen, also die Reduzierung des Silberanteils pro Zelle. Gleichzeitig wird intensiv an Alternativen gearbeitet.
Solar steht für etwa 17 Prozent der Gesamtnachfrage – rund 190 Moz im Jahr 2025. Sollte eine silberfreie Solartechnologie marktreif werden, könnte das hohe Preise dauerhaft unter Druck setzen. Das wäre ein struktureller Einschnitt für den Silberpreis.
Silberaktien: Attraktiv – aber nicht billig
Trotz dieser Risiken wirken Silberaktien laut RBC im Vergleich zum Gesamtmarkt weiterhin attraktiv bewertet. Der Sektor hat zuletzt gegenüber dem Metall selbst unterperformt, was Spielraum eröffnet.
Doch Vorsicht: Viele Titel preisen bereits sehr optimistische Silberpreisannahmen ein. In der RBC-Abdeckung kalkulieren Produzenten implizit mit einem Silberpreis von rund 100 US-Dollar je Unze. Royalty-Unternehmen sogar mit 144 US-Dollar – bei einem Spotniveau von etwa 90 US-Dollar.
Das bedeutet: Ein Teil der Euphorie ist bereits eingepreist. Wer hier investiert, setzt auf weiter steigende Preise – nicht nur auf Stabilität.
Warum RBC trotzdem Gold bevorzugt
Obwohl das kurzfristige Setup für den Silberpreis konstruktiv erscheint, favorisiert RBC letztlich Goldproduzenten. Die Bewertung in Kombination mit dem erwarteten Aufwärtspotenzial spreche eher für Gold.
Im Silberbereich nennt RBC dennoch klare Favoriten: Hochschild Mining und Coeur Mining bei den Produzenten. Im Royalty-Segment werden Wheaton Precious Metals und OR Royalties bevorzugt.
Silberpreis vor der Entscheidung
Der Silberpreis steht an einem Wendepunkt. Acht Jahre strukturelles Defizit, extrem niedrige Lagerbestände und robuste Investmentnachfrage sprechen für anhaltenden Druck nach oben. Gleichzeitig wächst das Risiko einer industriellen Nachfrageerosion – insbesondere im Solarsektor.
Kurzfristig bleibt das Umfeld eng und unterstützend. Mittelfristig entscheidet die Industrie. Wer nur auf Defizitschlagzeilen schaut, greift zu kurz. Wer die strukturellen Risiken ignoriert, ebenfalls.
Silber bleibt einer der spannendsten Rohstoffe am Markt. Doch genau diese Spannung macht ihn so gefährlich – und so chancenreich zugleich.
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