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Silberpreis extrem überverkauft - doch die Gefahr ist nicht vorbei

Beim Silberpreis wird es jetzt ernst. Die Futures (ICE) notieren am Donnerstagmorgen bei 52,785 US-Dollar - und damit direkt an einer Zone, die kurzfristig über die weitere Richtung entscheiden dürfte.

Zwischen 52,70 und 53,10 US-Dollar liegt ein wichtiger Nachfragebereich. Genau dort versucht sich Silber aktuell zu stabilisieren. Das Problem: Der übergeordnete Trend zeigt weiter nach unten. Tiefere Hochs, tiefere Tiefs und ein klarer Abstand zu den wichtigsten gleitenden Durchschnitten sprechen weiterhin für die Verkäufer.

Gleichzeitig ist der Silberpreis inzwischen stark überverkauft. Das macht die Lage besonders spannend. Denn ein Markt kann technisch angeschlagen sein und trotzdem jederzeit zu einer scharfen Gegenbewegung ansetzen.

Für Anleger kommt es deshalb jetzt auf zwei Marken an: 52,70 US-Dollar auf der Unterseite und 55,60 US-Dollar auf der Oberseite.

Silberpreis: Die Verkäufer haben weiter die Kontrolle

Der Drei-Monats-Trend bleibt bearish. Im Tageschart ist die Struktur eindeutig: Silber produziert weiterhin tiefere Hochs und tiefere Tiefs.

Das wahrscheinlichere Szenario ist deshalb eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung. Dafür wird aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 75 % angesetzt. Entscheidend wäre ein Tagesschluss unter 52,70 US-Dollar.

Die Alternative ist eine kurzfristige bullishe Trendwende. Dieses Szenario kommt derzeit auf 25 % und würde erst oberhalb von 55,60 US-Dollar deutlich an Gewicht gewinnen.

Wichtig dabei: Diese Wahrscheinlichkeiten beziehen sich ausschließlich auf die beiden technischen Szenarien im aktuellen Chartumfeld. Sie sagen nichts darüber aus, wie hoch die Erfolgswahrscheinlichkeit eines konkreten Trades wäre.

Technisch bewegt sich der Silberpreis derzeit innerhalb eines entstehenden fallenden Trendkanals. Dessen obere Begrenzung liegt ungefähr zwischen 54,70 und 55,60 US-Dollar. Die untere Begrenzung trifft auf das Tief vom 27. Oktober bei 52,71 US-Dollar.

Genau diese Marke wird jetzt erneut wichtig.

Ein bestätigter Doppelboden ist bislang nicht zu erkennen. Gleiches gilt für ein Dreieck, einen Keil, eine Flagge oder eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation.

Auch die Tageskerze vom 29. Oktober hilft noch nicht weiter. Die Sitzung befindet sich noch in einer frühen Phase, weshalb bislang kein verlässliches Candlestick-Signal bestätigt ist.

Unter 52,70 Dollar könnte es schnell ungemütlich werden

Der entscheidende Punkt für die Bären ist schnell erklärt: Silber muss die Unterstützung erst wirklich brechen.

Ein kurzer Rutsch unter 52,70 US-Dollar allein reicht dafür nicht zwingend aus. Technisch relevanter wäre ein Tagesschluss unterhalb dieser Marke. Dann wäre die nächste Abwärtsbewegung innerhalb des fallenden Trendkanals bestätigt.

Und der Blick nach unten eröffnet durchaus Raum.

Die nächste größere sichtbare Nachfragezone liegt zwischen 45,80 und 48,00 US-Dollar.

Dass dieses Szenario aktuell die höhere Wahrscheinlichkeit besitzt, zeigt auch der Blick auf die gleitenden Durchschnitte.

Der Silberpreis liegt unter dem 20-Tage-EMA bei 57,3564 US-Dollar. Noch weiter entfernt liegen der 50-Tage-SMA bei 62,5162 US-Dollar und der 200-Tage-SMA bei 70,5666 US-Dollar. Sämtliche Werte beziehen sich auf den 29. Oktober 2026.

Das zeigt, wie stark sich Silber zuletzt von seinen mittelfristigen Durchschnittskursen nach unten entfernt hat.

Auch das Momentum spricht weiterhin für die Verkäufer.

Der RSI liegt bei 30,19 Punkten. Der Williams %R steht bei -87,96 und der MACD bleibt negativ.

Diese Werte bestätigen den Verkaufsdruck. Gleichzeitig steckt darin bereits eine Warnung: Die Bewegung ist inzwischen weit gelaufen.

Oder einfacher gesagt: Der Trend ist bearish, aber Silber ist technisch so stark unter Druck geraten, dass eine Gegenbewegung jederzeit heftiger ausfallen kann.

Der Trend ist stärker als die überverkauften Signale

Genau hier liegt die Falle für Anleger.

Überverkauft bedeutet nicht automatisch günstig. Und es bedeutet schon gar nicht, dass ein Boden erreicht wurde.

Der ADX liegt bei 36,51 und signalisiert damit einen vergleichsweise starken Trend. Noch deutlicher wird das Bild beim Verhältnis der beiden Richtungsindikatoren.

Der -DI liegt bei 28,00. Der +DI kommt lediglich auf 8,19.

Die Verkäufer dominieren damit weiterhin klar.

Solange sich daran nichts ändert und der Silberpreis keine wichtigen Widerstände zurückerobert, bleibt eine Erholung zunächst nur eine Gegenbewegung innerhalb eines bestehenden Abwärtstrends.

Für das bearishe Szenario liegt der Trigger deshalb bei einem Tagesschluss unter 52,70 US-Dollar.

Ein aggressiver Einstieg wäre bei 52,80 US-Dollar mit einem Stop bei 53,20 US-Dollar denkbar. Der reguläre Einstieg liegt bei 52,60 US-Dollar, der Stop bei 53,10 US-Dollar.

Das erste Ziel liegt bei 48,00 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von 4,6. Das zweite Ziel befindet sich bei 45,80 US-Dollar und entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von 6,8.

Diese Marken zeigen vor allem eines: Sollte 52,70 US-Dollar auf Tagesschlussbasis fallen, könnte sich die aktuelle Schwäche beim Silberpreis noch einmal deutlich beschleunigen.

Die Silber-Bullen brauchen mehr als nur einen Bounce

Trotzdem ist das bullishe Szenario nicht vom Tisch.

Am 27. Oktober kam es in der Nähe von 52,71 US-Dollar bereits zu einer bullishen Umkehrbewegung. Genau deshalb ist der aktuelle Test dieser Zone so interessant.

Zusätzlich sind mehrere kurzfristige Indikatoren stark gedrückt.

Der StochRSI liegt bei 13,51. Die Stochastik %K kommt auf 22,83.

Damit ist Silber technisch anfällig für eine Erholungsbewegung.

Doch genau hier sollte man sauber unterscheiden: Ein Bounce ist noch keine Trendwende.

Damit sich das technische Bild wirklich verbessert, müsste der Silberpreis zunächst über 55,60 US-Dollar schließen. Erst dann wäre die zuvor gebrochene Unterstützungszone wieder zurückerobert.

Das wäre ein deutlich stärkeres Signal als ein kurzfristiger Sprung von 52 auf 53 oder 54 US-Dollar.

Für das bullishe Szenario liegt der Einstieg bei 55,70 US-Dollar. Der Stop wäre bei 54,90 US-Dollar angesiedelt.

Das erste Kursziel liegt bei 57,30 US-Dollar, womit sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2,0 ergibt. Das zweite Ziel befindet sich bei 60,40 US-Dollar und entspräche einem Chance-Risiko-Verhältnis von 5,9.

Ein aggressiver Einstieg ist für dieses Szenario derzeit nicht vorgesehen.

Der Grund ist logisch: Wer aktuell auf steigende Kurse setzt, handelt gegen den bestehenden Trend.

Silberpreis steht jetzt vor einer Richtungsentscheidung

Damit lässt sich die aktuelle Lage beim Silberpreis auf einen einfachen Punkt bringen.

Der Trend bleibt bearish. Der Markt ist stark überverkauft. Und genau deshalb könnte die nächste Bewegung besonders dynamisch ausfallen.

Unter 52,70 US-Dollar würde sich das bearishe Szenario bestätigen. Dann rückt die Zone zwischen 45,80 und 48,00 US-Dollar in den Fokus.

Über 55,60 US-Dollar würde sich das Bild dagegen erstmals deutlich verbessern. Erst dann hätten die Käufer ein technisches Argument dafür, dass mehr als nur eine kurzfristige Erholung läuft.

Bis dahin bleibt das Verhältnis klar: 75 % Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung, 25 % für eine bullishe Umkehr.

Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Nicht von den überverkauften Indikatoren täuschen lassen.

RSI, StochRSI und Williams %R zeigen, dass der Verkaufsdruck weit fortgeschritten ist. Aber solange der Silberpreis seine gebrochenen Marken nicht zurückholt, bleibt der Abwärtstrend intakt.

Die nächsten Tagesschlüsse dürften deshalb deutlich wichtiger sein als jeder kurzfristige Ausschlag während des Handels.

Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und dem Finanzjournalismus und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien, Rohstoffen und anderen Finanzinstrumenten ist mit Risiken verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

Autor

Robert Zach

Robert Zach

FXStreet

Robert ist ein versierter Finanzexperte mit umfassender Erfahrung im Bank- und Investmentsektor.

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