Samsung-Aktie bricht 6 Prozent ein: Rekordgewinne reichen Anlegern nicht
Samsung Electronics hat am Donnerstag Rekorde beim Quartalsumsatz und operativen Gewinn gemeldet. Treiber war die anhaltend hohe Nachfrage nach Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI), die dem Speicherchipgeschäft des südkoreanischen Technologiekonzerns neue Höchstgewinne bescherte.
An der Börse sorgten die Zahlen dennoch für Enttäuschung. Die Samsung-Aktie verlor sechs Prozent, nachdem der Nettogewinn wegen stark gestiegener Kosten und anhaltender Verluste im Mobilfunkgeschäft deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben war.
Im dritten Quartal von Juli bis September erzielte Samsung einen operativen Gewinn von 107,4 Billionen Won (80,5 Milliarden US-Dollar). Das entspricht einem Anstieg um 783 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und einem Plus von 20 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal.
Der Umsatz kletterte gegenüber dem Vorjahr um 127 Prozent auf 195,3 Billionen Won. Unter dem Strich stieg der Nettogewinn von 12,2 Billionen Won im Vorjahr auf 75,1 Billionen Won.
Damit verfehlte Samsung allerdings die von Bloomberg erfassten Analystenschätzungen von 89,06 Billionen Won deutlich. Ausschlaggebend war vor allem ein Verlust von 9,5 Billionen Won im Finanzierungs- und Ertragsbereich, der das Nettoergebnis belastete.
Der mit Abstand wichtigste Gewinnbringer blieb die Halbleitersparte. Sie steuerte im dritten Quartal einen operativen Gewinn von 106,5 Billionen Won bei. Allerdings blieb auch dieses Ergebnis leicht unter den von Bloomberg erfassten Erwartungen von 108,45 Billionen Won.
Für Aufmerksamkeit sorgte zudem die Entwicklung des operativen Cashflows. Der Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft sank von 105,1 Billionen Won im zweiten Quartal auf 98,6 Billionen Won im dritten Quartal. Das ist insbesondere deshalb relevant, weil Samsung seine geplanten Ausschüttungen an die Aktionäre eng an die verfügbaren liquiden Mittel knüpft.
Für das dritte Quartal stellte Samsung Aktionärsausschüttungen von 30 Billionen Won in Aussicht, darunter eine Dividende von 4.601 Won auf Stamm- und Vorzugsaktien. Für das Gesamtjahr 2026 hatte der Konzern ursprünglich angekündigt, zwischen 90 und 110 Billionen Won an seine Anteilseigner zurückzugeben. Davon sind bislang rund 35 Billionen Won entweder bereits ausgeschüttet oder fest eingeplant.
Die noch ausstehenden 55 bis 75 Billionen Won sollen nach Angaben des Unternehmens über ein „umfangreiches Aktienrückkauf- und Einziehungsprogramm sowie Bardividenden“ an die Aktionäre fließen. Einzelheiten will Samsung auf einer Verwaltungsratssitzung Ende Januar bekannt geben.
Samsung erwartet angespannte Speichermärkte bis 2028
Auf der anschließenden Analystenkonferenz erklärten Samsung-Manager, dass die Versorgungslage am Speichermarkt voraussichtlich auch 2027 angespannt bleiben werde.
Zugleich kündigte das Unternehmen an, im Jahr 2027 mit der Massenproduktion der nächsten Generation hochleistungsfähiger Speicherchips mit besonders hoher Bandbreite (HBM4E) zu beginnen.
„Unser gesamtes HBM-Liefervolumen für 2027 ist bereits zu einem vereinbarten Zielpreis verkauft“, erklärte Jaejune Kim, Manager im Speicherchipgeschäft von Samsung, während der Ergebniskonferenz.
Kim geht davon aus, dass der fortgesetzte Ausbau der KI-Infrastruktur und die zunehmende Verbreitung autonom arbeitender KI-Agenten die Nachfrage nach Speicherchips weiter antreiben werden. Entsprechend dürfte die angespannte Marktlage bis ins Jahr 2028 hinein anhalten.
„Auf der Angebotsseite ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass neue Produktionskapazitäten die Speicherchipproduktion kurzfristig spürbar erhöhen werden. Die Lieferengpässe dürften deshalb bestehen bleiben“, sagte Kim auf die Frage eines Analysten.
Um die wachsende Nachfrage bedienen zu können, baut Samsung seine Fertigungskapazitäten kräftig aus. Für 2026 rechnet der Konzern mit Investitionsausgaben von 84,4 Billionen Won, nachdem im Vorjahr noch 52,8 Billionen Won investiert worden waren.
Die deutlich höheren Investitionen fallen in eine Phase, in der die Wirtschaftlichkeit des KI-Booms zunehmend hinterfragt wird. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob die Milliardenbeträge, die Unternehmen in künstliche Intelligenz investieren, langfristig auch angemessene Renditen erwirtschaften werden.
Samsung-Mobilfunkgeschäft rutscht in die Verlustzone
Während das Halbleitergeschäft Rekordgewinne erzielt, bleibt die Entwicklung in anderen Konzernbereichen deutlich schwächer. Die Sparte Device eXperience, zu der unter anderem Smartphones, Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik gehören, verbuchte im dritten Quartal einen operativen Verlust von 800 Milliarden Won. Im Vorjahreszeitraum hatte sie noch einen Gewinn von 3,5 Billionen Won erzielt. Bereits im zweiten Quartal war ein Fehlbetrag von 800 Milliarden Won angefallen.
Hauptbelastungsfaktor waren die stark gestiegenen Preise für Speicherchips und andere elektronische Komponenten. Diese Verteuerung hängt wesentlich mit den Lieferengpässen zusammen, die durch die hohe Nachfrage aus dem KI-Sektor entstanden sind.
Die schwachen Ergebnisse im Mobilfunkgeschäft und das verhaltene Wachstum der Display- und Akustiksparten werfen zugleich Fragen nach der Entwicklung der übrigen Geschäftsbereiche auf. Denn abseits des besonders profitablen Speicherchipgeschäfts zeigt Samsung weiterhin deutliche Schwächen.
Die Quartalszahlen wurden nur einen Tag nach den Ergebnissen des südkoreanischen Konkurrenten SK Hynix veröffentlicht. Dieser hatte für denselben Zeitraum sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn neue Rekordwerte gemeldet. Zudem kündigte SK Hynix an, seinen Aktionären im Jahr 2026 insgesamt 100 Billionen Won zurückzugeben.
Die Aktie von SK Hynix legte am Donnerstag um 0,9 Prozent zu.
Für das vierte Quartal erwartet Samsung, dass die Investitionen in künstliche Intelligenz die Nachfrage nach Speicherchips weiter stützen. Besonders gefragt dürften Produkte sein, die in neuen Plattformen für Hauptprozessoren (CPUs) und Grafikprozessoren (GPUs) zum Einsatz kommen. Auch die Nachfrage nach hochkapazitiven SSDs mit Quad-Level-Cell-Technologie steigt, da sich persönliche KI-Agentendienste zunehmend verbreiten.
Der Umsatz im Speicherchipgeschäft schoss im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 427 Prozent auf 140,7 Billionen Won nach oben. Samsung profitierte dabei vor allem vom deutlich ausgeweiteten Absatz hochleistungsfähiger HBM4-Speicherchips und der steigenden Nachfrage nach SSDs für Server.
Autor

Robert Zach
FXStreet
Robert ist ein versierter Finanzexperte mit umfassender Erfahrung im Bank- und Investmentsektor.






