Ölpreis nach dem Hoch im freien Fall? Die Lage wird gefährlicher


Der Ölpreis steht an einer wichtigen Wegmarke. WTI-Rohöl notiert am Donnerstagmorgen bei 91,47 US-Dollar je Barrel und damit 0,75 % im Minus. Noch ist der Handelstag allerdings nicht beendet, die aktuelle Tageskerze bildet sich also weiter aus. Genau deshalb sind die technischen Signale bislang noch nicht endgültig bestätigt.

Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf den Chart. Denn kurzfristig hat sich das Bild beim Ölpreis verschlechtert, während der übergeordnete Aufwärtstrend noch immer intakt ist. Anleger stehen damit vor einer klassischen Entscheidungssituation: Handelt es sich lediglich um eine normale Korrektur innerhalb des Aufwärtstrends oder beginnt gerade eine größere Abwärtsbewegung?

Die wichtigste Marke dafür liegt bei 90,91 US-Dollar.

Solange der Ölpreis oberhalb dieses Niveaus bleibt, ist technisch noch nichts entschieden. Ein Tagesschluss darunter würde die Lage allerdings deutlich verändern.

Ölpreis
Ölpreis

Der Ölpreis verliert kurzfristig an Kraft

Der erste Blick fällt auf den 20-Tage-Durchschnitt. Dieser verläuft aktuell bei 94,57 US-Dollar und damit oberhalb des aktuellen Ölpreises.

Das ist zunächst ein negatives Signal. WTI hat kurzfristig an Momentum verloren, nachdem der Kurs zuvor deutlich höher notiert hatte.

Ganz anders sieht das Bild aus, wenn man etwas weiter zurückblickt. Der Ölpreis liegt weiterhin oberhalb des 50-Tage-Durchschnitts bei 87,34 US-Dollar und ebenfalls klar über dem 200-Tage-Durchschnitt bei 81,87 US-Dollar.

Genau hier liegt der entscheidende Unterschied.

Kurzfristig haben die Verkäufer momentan die besseren Karten. Mittel- und langfristig ist der Aufwärtstrend aber noch nicht gebrochen.

Auch der MACD passt in dieses Bild. Die MACD-Linie liegt bei 2,11, während die Signallinie bei 3,27 steht. Gleichzeitig ist das Histogramm negativ.

Das Momentum zeigt damit derzeit nach unten.

Noch interessanter wird es beim Blick auf die Ichimoku-Cloud. Der Ölpreis befindet sich aktuell innerhalb der Wolke. Das bedeutet vor allem eines: Es gibt derzeit keinen sauberen Trend.

WTI steckt vielmehr in einer Entscheidungszone.

Diese Marke entscheidet jetzt über den Ölpreis

Besonders wichtig ist deshalb die Unterstützung bei 90,91 US-Dollar.

Hält diese Marke, könnte sich der Ölpreis stabilisieren und erneut nach oben drehen. Fällt WTI dagegen per Tagesschluss darunter, steigt das Risiko einer größeren Korrektur.

Die nächste wichtige Unterstützung wartet dann bei 87,34 US-Dollar. Dort verläuft der 50-Tage-Durchschnitt.

Sollte auch diese Marke nicht halten, rückt 82,71 US-Dollar in den Fokus. Dort liegt eine wichtige Fibonacci-Unterstützung.

Auf der Oberseite sieht das Bild genauso klar aus.

Der erste wichtige Widerstand liegt bei 94,57 US-Dollar und damit am 20-Tage-Durchschnitt. Genau diese Marke müsste der Ölpreis zurückerobern, damit sich das kurzfristige Chartbild wieder aufhellt.

Darüber wartet anschließend eine deutlich stärkere Widerstandszone zwischen 104,48 und 105,63 US-Dollar.

Und genau dieser Bereich ist momentan besonders spannend.

Denn von dort aus hat der jüngste Rücksetzer begonnen.

Droht jetzt ein Doppeltop beim Ölpreis?

Der Rückgang aus dem Bereich zwischen 105 und 106 US-Dollar erinnert mittlerweile an eine mögliche Doppeltop-Formation.

Noch ist das allerdings keine bestätigte Formation.

Solange WTI über 90,91 US-Dollar bleibt, handelt es sich lediglich um ein mögliches Szenario. Erst ein Bruch dieser Unterstützung würde das technische Bild deutlich verschlechtern.

Genau deshalb sollten Anleger nicht nur auf den aktuellen Kurs schauen, sondern vor allem auf den Tagesschluss.

Kann der Ölpreis die Marke von 90,91 US-Dollar verteidigen und anschließend wieder über 94,57 US-Dollar steigen, würde sich das Bild schnell verbessern.

Ein Ausbruch über 105,63 US-Dollar würde die Sorge vor einem Doppeltop schließlich deutlich reduzieren.

Bis dahin bleibt der Ölpreis jedoch in einer schwierigen Zone gefangen.

Vier Szenarien sind jetzt denkbar

Für offensiv orientierte Anleger könnte sich auf der Long-Seite ein Einstieg bei rund 92,10 US-Dollar anbieten, allerdings nur dann, wenn sich die Unterstützung zuvor bestätigt.

Ein möglicher volatilitätsbasierter Stopp läge bei 88,90 US-Dollar. Das Kursziel würde bei 104,50 US-Dollar liegen.

Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von rund 1 zu 1,55.

Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist allerdings nur mittel einzuschätzen. Die Unterstützung liegt zwar in unmittelbarer Nähe, gleichzeitig schwächt sich das Momentum weiter ab.

Wer konservativer vorgehen möchte, könnte dagegen zunächst einen Tagesschluss oberhalb von 95 US-Dollar abwarten.

Damit wäre der Widerstand überwunden und der Trend hätte sich wieder verbessert.

Auch hier läge ein möglicher Stopp bei 88,90 US-Dollar. Die Kursziele wären anschließend 104,50 und 111,50 US-Dollar.

Das Chance-Risiko-Verhältnis läge damit bei rund 1 zu 1,55 beziehungsweise 1 zu 2,70.

Der entscheidende Unterschied: Bei diesem Szenario würde man zunächst eine Bestätigung des Aufwärtstrends abwarten.

Aber auch die Short-Seite ist derzeit interessant.

Eine aggressive Short-Variante wäre ein Einstieg nahe 94 US-Dollar, falls der Ölpreis am 20-Tage-Durchschnitt erneut nach unten abprallt.

Ein möglicher Stopp läge dann bei 98 US-Dollar, das Kursziel bei 88 US-Dollar.

Das entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von ungefähr 1 zu 1,50.

Auch dieses Szenario ist nur mit mittlerer Wahrscheinlichkeit einzuschätzen. Zwar liegt dort ein klarer Widerstand, gleichzeitig stützt der 50-Tage-Durchschnitt den Kurs weiterhin.

Deutlich konservativer wäre ein Short-Einstieg erst unterhalb von 89,50 US-Dollar, nachdem der Ölpreis auf Tagesschlussbasis unter die Ichimoku-Cloud gefallen ist.

Ein möglicher Stopp läge in diesem Fall bei 98 US-Dollar. Das Kursziel wäre bei 82,70 US-Dollar zu finden.

Das Chance-Risiko-Verhältnis läge damit bei rund 1 zu 2,82.

Der Vorteil dieses Szenarios liegt auf der Hand: Erst ein solcher Rückgang würde eine deutlich stärkere Verschlechterung des technischen Gesamtbilds bestätigen.

Ölpreis zwischen zwei Welten

Unterm Strich lässt sich die aktuelle Lage beim Ölpreis relativ klar zusammenfassen.

Bleibt WTI über 90,91 US-Dollar und gelingt anschließend die Rückkehr über 94,57 US-Dollar, verbessert sich das kurzfristige Bild deutlich.

Ein Ausbruch über 105,63 US-Dollar würde zusätzlich den möglichen Doppeltop-Ansatz schwächen.

Fällt der Ölpreis dagegen auf Tagesschlussbasis unter 90,91 US-Dollar, würde die nächste Unterstützung bei 87,34 US-Dollar in den Fokus rücken.

Darunter wartet bei 82,71 US-Dollar die nächste wichtige Marke.

Noch stärker würde das negative Szenario, wenn gleichzeitig der MACD weiter an Momentum verliert.

Solange WTI dagegen zwischen rund 90,91 und 94,57 US-Dollar bleibt, fehlt eine klare Richtung.

Für Anleger ist das möglicherweise sogar die wichtigste Erkenntnis.

Denn aktuell bringt es wenig, jede kleine Bewegung überzuinterpretieren. Der Ölpreis steckt zwischen Unterstützung und Widerstand fest, und erst der Ausbruch aus dieser Zone dürfte das nächste klare Signal liefern.

Hinzu kommt die hohe Schwankungsbreite.

Der Average True Range liegt momentan bei 4,06 US-Dollar beziehungsweise 4,41 %. Das zeigt, wie volatil der Ölpreis derzeit ist.

Gerade in einem solchen Umfeld können Stopps schnell ausgelöst werden, obwohl sich der übergeordnete Trend anschließend wieder fortsetzt.

Deshalb zählt jetzt vor allem eines: der Tagesschluss.

Die aktuell noch laufende Kerze ist nicht entscheidend. Erst wenn der Handelstag beendet ist, wird sich zeigen, ob die Käufer die Unterstützung bei 90,91 US-Dollar verteidigen können oder ob der Ölpreis tatsächlich in die nächste Abwärtswelle übergeht.

Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und dem Finanzjournalismus und stellt keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien, Rohstoffen und anderen Finanzinstrumenten ist mit Verlustrisiken verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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