Die Analysten Warren Patterson und Ewa Manthey von ING verweisen darauf, dass der Ölpreis der Sorte Brent nach den Spannungen im Nahen Osten deutlich zugelegt hat. Der Referenzpreis schloss zwar höher, entfernte sich jedoch von seinen Tageshochs, nachdem Händler die Risiken möglicher Lieferstörungen neu bewertet hatten. Die Experten verweisen auf Sorgen über Öltransporte durch die Straße von Hormus, mögliche Angriffe auf Energieinfrastruktur in der Region sowie eine spürbare Verknappung im kurzfristigen Markt, die sich in steigenden Brent-Zeitspreads widerspiegelt.
Brent reagiert auf Spannungen im Nahen Osten
„Der Markt verarbeitet weiterhin das Risiko einer Eskalation im Nahen Osten. Zwar bestehen Sorgen über Öltransporte durch die Straße von Hormus, ein größeres Risiko für den Markt wäre jedoch, wenn Iran zusätzliche Energieinfrastruktur in der Region ins Visier nehmen würde.“
„Die Bewegungen der Ölpreise sind bislang relativ moderat ausgefallen, wenn man bedenkt, wie viel Angebot gefährdet ist und wie unsicher bleibt, wie lange mögliche Störungen andauern könnten. Ein Teil der Erklärung: Der Markt hatte bereits im Vorfeld der Angriffe eine recht hohe Risikoprämie eingepreist. Zudem scheint der Markt derzeit von relativ kurzlebigen Störungen der Öltransporte durch die Straße von Hormus auszugehen, die die großen erwarteten Angebotsüberschüsse in diesem Jahr voraussichtlich auffangen können.“
„Lieferunterbrechungen führen jedoch eindeutig zu einer deutlichen Verknappung im kurzfristigen Markt, was sich in den Zeitspreads widerspiegelt. Die 12-Monats-Struktur von ICE Brent ist von weniger als 5 US-Dollar pro Barrel auf etwas mehr als 9,50 US-Dollar pro Barrel in Backwardation gestiegen. Der Spread zwischen Mai und Juni kletterte auf eine Backwardation von rund 1,60 US-Dollar pro Barrel.“
„US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die USA würden am Dienstag Pläne vorstellen, um höhere Energiekosten abzufedern. Gleichzeitig gibt es Berichte, wonach die USA derzeit nicht planen, kurzfristig Öl aus ihrer strategischen Ölreserve freizugeben. Je länger die Störungen im Nahen Osten anhalten, desto wahrscheinlicher wird eine koordinierte Freigabe von Notfallreserven durch mehrere Länder.“
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