Goldpreis: Zentralbanken kaufen fünfmal so viel – Goldman Sachs sieht 5.400 Dollar


Der Goldpreis steht nach der jüngsten Zinserhöhung der US-Notenbank unter Druck. Und es könnte noch unangenehmer werden: Bereits im Oktober rechnen Volkswirte mit dem nächsten Zinsschritt. Für Gold sind das eigentlich schlechte Nachrichten. Doch Goldman Sachs lässt sich davon nicht beirren und hält an seiner Prognose von 5.400 US-Dollar je Feinunze bis Ende 2027 fest.

Die Investmentbank geht weiterhin von einem Goldpreisanstieg um rund 23 % aus. Dabei spielen mögliche Zinssenkungen der Fed zwar eine Rolle, der eigentliche Treiber ist aber ein anderer: Zentralbanken kaufen derzeit so viel Gold wie selten zuvor.

Ganz unbeeindruckt zeigt sich Goldman Sachs von der strafferen Geldpolitik allerdings nicht. Die Bank hat ihre Fair-Value-Schätzung für das Jahresende von 4.900 auf 4.650 US-Dollar gesenkt. Bei einem zuletzt beobachteten Goldpreis von rund 4.350 US-Dollar sieht sie damit aber weiterhin Luft nach oben.

Was steckt hinter dieser Zuversicht? Und warum könnte der Goldpreis trotz weiterer Zinserhöhungen langfristig deutlich steigen?

Goldpreis Prognose
Goldpreis Prognose

Goldman Sachs: Die Fed bremst den Goldpreis, stoppt ihn aber nicht

Steigende Zinsen und Gold passen normalerweise nicht besonders gut zusammen. Das Edelmetall wirft schließlich keine laufenden Erträge ab. Wenn verzinsliche Anlagen attraktiver werden, kann das dazu führen, dass Anleger weniger Geld in Gold investieren.

Genau diesen Effekt sieht auch Lina Thomas, Analystin bei Goldman Sachs. In einer am Freitag veröffentlichten Einschätzung bekräftigte sie ihre Prognose von 5.400 US-Dollar je Feinunze für Ende 2027, obwohl die Fed in dieser Woche die Zinsen erhöht hat und eine weitere Anhebung im Oktober erwartet wird.

Kurzfristig dürfte die straffere Geldpolitik vor allem die Nachfrage nach börsengehandelten Goldfonds (ETFs) belasten. Höhere Zinsen machen andere Anlageformen attraktiver und können dadurch Kapital von Gold abziehen.

Thomas sieht darin allerdings keinen Grund, ihre langfristige Einschätzung zu ändern.

Der entscheidende Punkt: Goldman Sachs erwartet weiterhin drei Zinssenkungen der Fed zwischen September 2027 und März 2028. Der am Ende dieses Zeitraums erwartete Leitzins bleibt damit unverändert.

Die Analystin geht deshalb davon aus, dass sich die Auswirkungen der strafferen Geldpolitik vor allem im kurzfristigen Kursverlauf bemerkbar machen werden.

„Wir erwarten, dass sich die Auswirkungen der strafferen Geldpolitik in erster Linie in einem langsameren kurzfristigen Preisanstieg niederschlagen und nicht in einem niedrigeren langfristigen Goldpreis“, erklärte Thomas.

Anders ausgedrückt: Gold könnte langsamer steigen als bisher angenommen. Am Kursziel von 5.400 US-Dollar ändert das nach Einschätzung der Bank aber nichts.

Ganz ohne Anpassung kommt die Prognose dennoch nicht aus. Für das laufende Jahresende setzt Thomas den fairen Wert nun bei 4.650 US-Dollar an. Zuvor waren es noch 4.900 US-Dollar gewesen.

Das neue Kursniveau liegt allerdings weiterhin über dem zuletzt bei rund 4.350 US-Dollar notierenden Goldpreis.

Die Analystin verweist darauf, dass ein großer Teil der geldpolitischen Straffung bereits in der Nachfrage nach Gold-ETFs eingepreist sei. Der verbleibende Gegenwind durch höhere Zinsen dürfte zudem durch stärkere Goldkäufe der Zentralbanken ausgeglichen werden.

Goldman Sachs rechnet deshalb damit, dass sich der Goldpreis kurzfristig weiter nach oben arbeitet, wenn auch langsamer als ursprünglich erwartet.

Zentralbanken kaufen mehr als fünfmal so viel Gold wie früher

Warum hält Goldman Sachs trotz steigender Zinsen an seiner optimistischen Prognose fest? Die Antwort findet sich vor allem in den Tresoren der Zentralbanken.

Deren Goldkäufe sind inzwischen der wichtigste strukturelle Treiber für den Goldpreis.

Laut Goldman Sachs erwerben Zentralbanken derzeit rund 91 Tonnen Gold pro Monat. Vor 2022 lag der monatliche Durchschnitt lediglich bei 17 Tonnen.

Damit wird aktuell mehr als fünfmal so viel Gold gekauft wie im früheren Vergleichszeitraum.

Die Größenordnung ist bemerkenswert. Sie zeigt, dass die Nachfrage nach dem Edelmetall inzwischen erheblich über dem Niveau der Jahre vor 2022 liegt.

Für Goldman Sachs ist diese Entwicklung sogar der zentrale Baustein der langfristigen Prognose. Die Bank erwartet, dass die Käufe der Zentralbanken nahezu den gesamten prognostizierten Goldpreisanstieg von 23 % bis Ende 2027 erklären werden.

Damit hängt das Kursziel von 5.400 US-Dollar nicht allein davon ab, wie schnell die Fed ihre Geldpolitik wieder lockert.

Während höhere Zinsen die Nachfrage von ETF-Anlegern zunächst belasten dürften, rechnet Goldman Sachs mit einer anhaltend hohen Nachfrage der Zentralbanken. Nach Einschätzung der Bank sollten deren Käufe sogar stärker ausfallen als bislang erwartet und damit den verbleibenden Zinsdruck ausgleichen.

Genau darin liegt der wesentliche Unterschied zwischen der kurzfristigen und der langfristigen Goldpreis-Prognose.

Auf kurze Sicht können Zinserhöhungen den Kurs belasten. Für den längerfristigen Anstieg setzt Goldman Sachs dagegen vor allem auf die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken.

Goldpreis: Warum trotz 5.400-Dollar-Prognose Vorsicht geboten ist

So optimistisch Goldman Sachs auch bleibt, einen geradlinigen Anstieg erwartet die Investmentbank nicht.

Thomas sieht die Risiken für den Goldpreis zwar weiterhin eher auf der Oberseite. Als Argument nennt sie die robuste Nachfrage nach Call-Optionen auf Gold, mit denen sich Anleger unter anderem gegen makroökonomische und geldpolitische Risiken absichern können.

Eine Call-Option gibt ihrem Käufer das Recht, einen Basiswert zu einem vorher festgelegten Preis zu erwerben. Sie kann damit genutzt werden, um auf einen steigenden Goldpreis zu setzen.

Dass die Nachfrage nach solchen Optionen trotz der Zinserhöhungen hoch bleibt, wertet die Analystin als weiteres Zeichen für das anhaltende Interesse an Gold als Absicherung.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Anleger größere Rückschläge ausschließen können.

Im Gegenteil: Thomas warnt ausdrücklich vor stärkeren Kursschwankungen in beide Richtungen.

Das größte Risiko bleibt dabei die Fed.

Sollte die US-Notenbank einen wesentlich restriktiveren Kurs einschlagen als bisher angenommen, könnte die Reaktion am Goldmarkt deutlich heftiger ausfallen.

„Umgekehrt könnte ein wesentlich restriktiverer geldpolitischer Kurs der Fed eine ungewöhnlich starke Korrektur auslösen“, warnte Thomas.

Damit macht Goldman Sachs deutlich, dass die langfristige Prognose keineswegs als Garantie für steigende Kurse zu verstehen ist.

Die Bank hält zwar an ihrem Kursziel fest, räumt aber gleichzeitig ein, dass eine unerwartet aggressive Geldpolitik den Goldpreis erheblich unter Druck setzen könnte.

Mein Fazit: Goldman Sachs hält an 5.400 Dollar fest

Die jüngste Zinserhöhung der Fed und die Aussicht auf einen weiteren Zinsschritt im Oktober haben Goldman Sachs nicht dazu veranlasst, das langfristige Kursziel für Gold zu senken. Bis Ende 2027 rechnet die Investmentbank weiterhin mit 5.400 US-Dollar je Feinunze.

Allerdings dürfte der Weg dorthin etwas länger und unruhiger werden. Die Fair-Value-Schätzung für das laufende Jahresende wurde bereits von 4.900 auf 4.650 US-Dollar reduziert.

Der wichtigste Grund für die unverändert optimistische Langfristprognose sind die Zentralbanken. Mit monatlichen Käufen von rund 91 Tonnen liegt ihre Nachfrage weit über dem Niveau vor 2022. Goldman Sachs geht davon aus, dass diese Käufe nahezu den gesamten erwarteten Preisanstieg von 23 % bis Ende 2027 tragen werden.

Die entscheidende Frage ist deshalb, ob die Zentralbanken ihre hohe Nachfrage aufrechterhalten können und wie stark die Fed ihre Geldpolitik tatsächlich verschärft.

Sollte die US-Notenbank wesentlich restriktiver vorgehen als erwartet, droht nach Einschätzung der Analystin eine ungewöhnlich starke Korrektur.

Goldman Sachs bleibt somit bei seiner bullishen Einschätzung für Gold, warnt aber zugleich vor stärkeren Schwankungen. Die Zinserhöhungen könnten die Rally verzögern. Eine grundsätzliche Trendwende erwartet die Bank derzeit nicht.

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