Wenn du in den letzten Monaten den Goldpreis beobachtet hast, könntest du meinen: Das ist doch die klassische Flucht in den sicheren Hafen. Genau hier setzt Capital Economics an – und warnt in einer aktuellen Notiz davor, dass Chinas sprunghaft steigende Goldnachfrage immer weniger nach Sicherheitsbedürfnis und immer mehr nach Spekulation aussieht. Die Konsequenz? Laut den Ökonomen steigt das Risiko, dass der Goldmarkt in den kommenden Monaten noch heftiger schwankt.

Denn die Frage ist nicht mehr nur ob China den Goldmarkt bewegt – sondern wie.

China: Sicherer Hafen oder Spekulationswelle?

Capital Economics schreibt, dass die Dynamik in China zunehmend Merkmale eines spekulativen Umfelds trägt. Analyst Hamad Hussain bringt es auf den Punkt: Der zunehmende Einsatz von Leverage (Hebel) und der stärkere Handel über Futures, um Gold-Exposure aufzubauen, deute darauf hin, dass der jüngste Nachfrageschub eher zu einer sich aufblasenden Spekulationsblase passt als zu einem reinen „Risk-Off“-Reflex.

Oder anders gesagt: Wenn immer mehr Marktteilnehmer nicht einfach physisches Gold kaufen, sondern über gehebelte Instrumente auf steigende Preise setzen, dann wird aus „Absicherung“ schnell ein Trendtrade – und der ist anfällig für Übertreibungen.

Mehr Hebel, mehr Nervosität: Volatilität als logische Folge

Capital Economics erwartet, dass genau diese Entwicklung „wahrscheinlich zu höherer Volatilität im Goldmarkt beitragen“ wird. Und das ist ein Punkt, den du ernst nehmen solltest: Hebel wirkt in beide Richtungen.
Wenn sich Positionen zu stark auftürmen, reichen kleinere Auslöser, um Kaskaden auszulösen – Margin Calls, forcierte Liquidationen, schnelle Richtungswechsel.

Das Muster ist bekannt: Erst schiebt Momentum den Preis nach oben, dann kippt Stimmung oder Liquidität – und der Markt „atmet“ plötzlich sehr aggressiv.

Die Sorge wächst: Chinas Einfluss auf globale Preisschwünge

Die Bedenken, dass China globale Preisbewegungen verstärkt, nehmen laut Capital Economics zu. In der Notiz wird auch erwähnt, dass US-Finanzminister Scott Bessent den chinesischen Goldhandel kürzlich als „unruly“ (ungeordnet/ausufernd) bezeichnet und die Bewegungen mit einem „klassischen, spekulativen Blow-off“ verglichen habe.

Solche Formulierungen sind kein Zufall: „Blow-off“ ist in der Marktsprache genau dieses finale, steile Überschießen – oft begleitet von Euphorie, hoher Hebelung und anschließendem scharfen Rücksetzer.

Aber: Nicht nur China – auch der Westen mischt kräftig mit

Spannend ist, dass Capital Economics dabei nicht so tut, als wäre das ein rein chinesisches Phänomen. Die Ökonomen betonen ausdrücklich, dass westliche Investoren ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt haben – unter anderem über Zuflüsse in westliche goldgedeckte ETFs sowie steigende Margin-Anforderungen in den USA.

Heißt für dich: Die Volatilität ist nicht nur „China-getrieben“. Der Goldmarkt ist global, und wenn mehrere große Nachfrageblöcke gleichzeitig aktiv sind (oder gleichzeitig vorsichtig werden), kann das Bewegungen zusätzlich verstärken.

Trotzdem bleibt Chinas Privatanleger-Nachfrage ein Preistreiber

Trotz dieser westlichen Einflüsse sagt Capital Economics klar: Die Nachfrage privater chinesischer Investoren bleibt ein „significant influence on prices“ – also ein wesentlicher Preiseinfluss.

Und dafür liefern sie konkrete Indizien, die ziemlich gut zeigen, wo die Nachfrage herkommt:

  • Schmucknachfrage fällt, weil die Preise historische Höchststände erreicht haben. Das ist typisch: Wenn Gold zu teuer wird, wird Schmuck (Konsum) abgewürgt.
  • Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Barren und Münzen – und zwar um 35 % im Jahresvergleich 2025. Das ist Investment-/Speicher-Nachfrage, kein Konsum.

Dieses Muster wirkt wie ein Stimmungsbarometer: Weniger „ich trage es“, mehr „ich will es halten“.

ETF-Boom und spekulative Positionierung: Die Temperatur steigt

Capital Economics verweist außerdem darauf, dass die Bestände in chinesischen goldgedeckten ETFs seit Anfang 2025 angeblich verdoppelt haben. Dazu kommt: Spekulative Netto-Long-Positionen seien „auf erhöhten Niveaus“.

Das ist genau die Kombination, die Märkte anfälliger macht:
Mehr „Papiergold“-Exposure + mehr Positionierung auf eine Richtung = mehr Potenzial für abrupte Positionsauflösung, wenn das Narrativ wackelt.

Shanghai Futures Exchange: Futures werden wichtiger

Ein weiteres Puzzleteil: Capital Economics sieht einen deutlichen Anstieg von Gold-Warrants an der Shanghai Futures Exchange. Das interpretiert die Firma als Hinweis, dass der Futures-Handel ein größerer Bestandteil des chinesischen Goldmarktes geworden ist.

Und das passt wieder zur Kernthese: Wenn Futures als Instrument stärker in den Vordergrund rücken, steigt automatisch die Relevanz von Hebel, Margin und kurzfristigem Trading-Verhalten – also genau den Zutaten, die Schwankungen verstärken.

Fazit: „Goldblase in China“ möglich – und 2026 könnte nicht ruhig bleiben

Capital Economics zieht daraus ein klares Schlusswort: Es könnte sein, dass sich in China eine Goldblase aufbläht. Und weil Leverage und spekulative Aktivität zunehmen, hält die Firma „mehr Episoden extremer Volatilität wie zu Beginn von 2026“ für möglich.

Für dich bedeutet das vor allem eines: Selbst wenn du Gold grundsätzlich als Stabilitätsanker siehst, kann der Weg dorthin kurzfristig ziemlich ruppig werden. Wenn ein Markt zunehmend über gehebelte Vehikel „gespielt“ wird, fühlt er sich manchmal weniger nach sicherem Hafen an – und mehr nach Achterbahn mit Sicherheitsgurt.

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