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Gaspreis explodiert über 100 Euro: ING warnt vor weiteren Engpässen im Winter

Die europäischen Erdgaspreise haben ihren Höhenflug fortgesetzt. Erstmals seit 2022 stieg der richtungsweisende TTF-Gaspreis über die Marke von 100 Euro je Megawattstunde (MWh). Nach Einschätzung von ING-Analyst Warren Patterson verschärfen sich die Sorgen um die Versorgungssicherheit vor dem Winter 2026/27. Belastend wirken vor allem die gestörten Flüssiggaslieferungen aus der Golfregion, Produktionsausfälle in Norwegen und die Aussicht auf kälteres Wetter. Gleichzeitig zeigen sich erste Anzeichen dafür, dass die hohen Preise den Gasverbrauch in der Stromerzeugung und Industrie dämpfen. So reduzieren unter anderem europäische Chemieunternehmen ihren Gaseinsatz.

Europäischer Gaspreis steigt: Knappes Angebot treibt TTF über 100 Euro

„Die europäischen Erdgaspreise sind gestern weiter gestiegen. Der TTF-Kontrakt schloss 4,85 Prozent höher und überschritt erstmals seit 2022 die Marke von 100 Euro je Megawattstunde. Der Markt setzt seinen Anstieg fort, während eine baldige Entspannung bei den Flüssiggaslieferungen aus der Golfregion nicht in Sicht ist.“

„Im Gegenteil: Die Aussichten erscheinen angesichts möglicher neuer US-Angriffe auf den Iran nach den amerikanischen Zwischenwahlen in der kommenden Woche sogar noch schwieriger. Berichten zufolge hat QatarEnergy für mehrere Abnehmer die Erklärung höherer Gewalt bis zum Jahresende verlängert. Damit reichen die erheblichen Unterbrechungen der Flüssiggasversorgung immer weiter in die Heizperiode hinein.“

„Hinzu kommt, dass die Wetterprognosen für Nordwesteuropa ab der kommenden Woche ungewöhnlich niedrige Temperaturen erwarten lassen. Dadurch dürfte der Heizbedarf steigen. Das könnte dazu führen, dass die Gasvorräte in den Speichern über einen längeren Zeitraum stärker abgebaut werden. Die europäischen Gasspeicher sind derzeit zu knapp 75 Prozent gefüllt.“

„Die entscheidende Frage ist, ob die höheren Preise die Nachfrage spürbar dämpfen werden. Im Stromsektor befinden wir uns bereits deutlich in einem Preisbereich, in dem sich der Wechsel von Gas zu Kohle lohnt. Auch die industrielle Gasnachfrage zeigt erste Anzeichen einer Abschwächung.“

„Angesichts des starken Gaspreisanstiegs überrascht es nicht, dass Investmentfonds ihre Netto-Long-Positionen auf TTF-Gas in der vergangenen Berichtswoche um 14,3 Terawattstunden auf 207,4 Terawattstunden ausgebaut haben. Ausschlaggebend waren neue Käufe, durch die die gesamten Long-Positionen um etwas mehr als 20 Terawattstunden zunahmen. Gleichzeitig stiegen auch die gesamten Short-Positionen leicht.“

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